Pfleger in Heimen kümmern sich rund um die Uhr um die Bewohner. Doch die Kosten für einen Heimplatz sind explodiert.
Pfleger in Heimen kümmern sich rund um die Uhr um die Bewohner. Doch die Kosten für einen Heimplatz sind explodiert. imago/photothek

Ins Pflegeheim zu müssen, ist für die meisten Betroffenen sowieso schon ein Graus. Raus aus der gewohnten Umgebung, raus aus den eigenen vier Wänden, mit denen sie so viele Erinnerungen verbinden. Seit Jahren kommt dazu die Not, die Kosten eigentlich gar nicht zahlen zu können. Und jetzt gibt es eine weitere Wahnsinns-Kosten-Explosion. Lesen Sie mal, was ein Heimplatz in Berlin und Brandenburg wirklich kostet – und wie viel teurer er allein im letzten Jahr geworden ist.

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Zum 1. Januar 2023 wurden für Heimbewohner in Berlin in ihrem ersten Jahr 2383 Euro Eigenanteil fällig, wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (VDEK) ergab. Das waren satte 309 Euro mehr als Anfang 2022 und entspricht einer Steigerung um fast 15 Prozent.

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Wer soll denn das bezahlen? Laut Statistikamt bekam im Durchschnitt jede Rentnerin und jeder Rentner in Berlin im Jahr 2021 monatlich 1371 Euro – 20 Euro mehr als im Jahr davor. Das sind mehr als 1000 Euro zu wenig, um sich einen Platz im Pflegeheim leisten zu können.

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Sozialamt springt ein, wenn es beim Bezahlen klemmt

Allerdings greift eine andere Hilfe, wenn das eigene Geld nicht reicht: Man kann beim Sozialamt „Hilfe zur Pflege“ beantragen. Voraussetzung ist der Nachweis der finanziellen Bedürftigkeit des Betroffenen. Bei der Berechnung der Bedürftigkeit werden das Einkommen und das Vermögen des Pflegebedürftigen herangezogen, außerdem das Einkommen des Ehe- oder Lebenspartners. Die Verbraucherzentrale informiert breit darüber online.

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Die Kosten für einen Platz im Pflegeheim sind auch im Bundesdurchschnitt deutlich gestiegen.
Die Kosten für einen Platz im Pflegeheim sind auch im Bundesdurchschnitt deutlich gestiegen. VDEK

Günstigster Berliner Heimplatz kostet 1503 Euro Eigenanteil

Und auch in Brandenburg sieht es kaum besser aus. 2025 Euro zahlt man hier für einen Heimplatz im ersten Jahr – 230 Euro oder 13 Prozent mehr als vor einem Jahr. Zum Vergleich: Im bundesweiten Schnitt wurden im Januar 2023 2411 Euro pro Monat aus eigener Tasche fällig – 278 Euro mehr als Anfang 2022. Hier liegt die Durchschnittsrente bei immerhin 1430 Euro. Reicht trotzdem nicht für einen Platz im Heim.

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Der Eigenanteil sinkt schrittweise mit jedem Jahr im Pflegeheim, weil die Pflegekasse einen steigenden Zuschuss an die Einrichtung zahlt. Mit 1503 Euro lag der eigene Anteil dennoch für die „Höchstbezuschussten“ vom vierten Jahr an rund zehn Prozent über dem, was Berliner Heimbewohner und ihre Angehörigen Anfang 2022 gezahlt haben. Immerhin 1342 Euro müssen Brandenburger Heimbewohner und ihre Angehörigen dann berappen.

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Ein Betreuer geht in einem Pflegeheim mit einer Bewohnerin über den Flur. Die Kosten für einen Heimplatz sind explodiert.
Ein Betreuer geht in einem Pflegeheim mit einer Bewohnerin über den Flur. Die Kosten für einen Heimplatz sind explodiert. Bernd Weißbrod/dpa

Nach den jüngsten Zahlen des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg war zum Jahresende 2021 einer von zwanzig Berlinerinnen und Berlinern pflegebedürftig, in Brandenburg leben 7,3 Prozent der Bevölkerung in Heimen.

Kosten-Explosion in Pflegeheimen wegen Ausgaben für Personal und Lebensmittel

Und womit rechtfertigen die Heime diese Kosten-Explosion? Dass der Eigenanteil so stark gestiegen ist, liegt laut dem Verband der Ersatzkassen daran, dass die Beschäftigten in der Pflege inzwischen nach Tarif bezahlt werden müssen. Einrichtungen müssen ihre Pflegekräfte seit dem 1. September 2022 nach Tarifverträgen oder ähnlich bezahlen, um mit Pflegekassen abrechnen zu können.

Zwar stiegen auch die Zuschüsse um rund 23 Prozent – die höheren Personal- und Lebensmittelkosten konnten so allerdings nicht aufgefangen werden. Immerhin werden in Berlin inzwischen qualifizierte Pflegekräfte mit Gehältern bis zu 4000 Euro gelockt.

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Die Chefin des Ersatzkassenverbands, Ulrike Elsner, forderte eine „Pflegereform in einem Guss“. Nötig sei ein Finanzkonzept mit fest verankerten und dynamisierten Steuerzuschüssen. Neue Belastungen kämen durch die Einführung einer bundesweit einheitlichen Personalbemessung vom zweiten Halbjahr 2023 an sowie weiter steigende Löhne hinzu: „Die Tarifbindung und das neue Personalbemessungsinstrument sind beide wichtige Instrumente, müssen aber auch finanziert werden“, so Elsner.

Erstes Pflegeheim geschlossen

Bitter: In Hessen sorgte vor Kurzem der Fall eines Pflegeheims für Aufsehen, welches wegen der steigenden Preise schließen muss. Der Berliner Betreiber macht die Auswirkungen der Corona-Pandemie, aber auch durch stark gestiegene Energiekosten und allgemeine Preissteigerungen verantwortlich dafür, dass Teile der Firmengruppe „in eine finanzielle Schieflage“ geraten seien. Die Berliner Curata Care Holding GmbH betreibt an gut 40 Standorten in Deutschland Pflegeeinrichtungen mit insgesamt rund 4000 Betten und 3000 Mitarbeitern.

Für die Auswertung des VDEK wurden Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Bundesländern ausgewertet. Die Daten beziehen sich auf Bewohner mit den Pflegegraden 2 bis 5.