Auf Berlins Straßen sind immer wieder Hütchenspieler unterwegs, die Ahnungslose abzocken. Aber: Wie funktioniert das Hütchenspiel? imago/IPON

Berlin erlebt das erste echte Hammer-Frühlingswochenende des Jahres - das Thermometer sollte laut Prognosen in die Höhe klettern, dazu gibt's laut Wettervorhersage Sonne satt! Das treibt die Berliner auf die Straße... und mit ihnen auch die Abzocker! Denn: Wenn das Wetter schöner wird, werden die Straßen und Plätze der Stadt wieder von Hütchenspielern eingenommen. Das Problem: Wer gegen sie spielt, kann nicht gewinnen... und doch fallen immer wieder Ahnungslose auf die miesen Tricks herein.

KURIER erklärt das Hütchenspiel: Vorsicht vor dieser Abzock-Masche!

Laut Zahlen der Polizei geht man von etwa 200 Menschen aus, die oft aus dem Ausland kommen und in Berlin mit dem Betrugsspiel ihr Geld verdienen. Sie sind in Gruppen unterwegs - während einer das eigentliche Spieldurchführt, stehen andere Schmiere, heizen die Passanten an. Die Profi-Teams tummeln sich an etwa 30 bekannten Hotspots wie der East Side Gallery, dem Brandenburger Tor, dem Alex und dem Potsdamer Platz.

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Ihre miese Masche funktioniert immer gleich: Eine Hütchenspiel-Truppe besteht aus einem Spieler und mehreren Komplizen. Der Spieler legt ein Kügelchen unter eine von drei Pappschachteln, schiebt sie hin und her. Dann muss geraten werden, wo das Bällchen ist. Aber: Wer spielt, hat keine Chance! Das Kügelchen wird gekonnt und mit viel Fingerfertigkeit geklaut und zwischen den Fingern versteckt. Das bedeutet: Wer Geld setzt, legt immer falsch, denn oft ist die Kugel einfach gar nicht mehr im Spiel.

Maik M. Paulsen verdient als Profi-Falschspieler sein Geld, tritt beispielsweise auf Veranstaltungen auf. Infos unter www.falschspieler.de. Volkmar Otto

Und die miesen Hütchenspieler haben noch mehr Tricks drauf! Denn: Wird das Spiel aufgelöst, kann das Kügelchen ganz leicht unter jedes beliebige Schächtelchen geschoben werden. Die Profi-Abzocker sind dabei so schnell, dass keiner auch nur die geringste Chance hat, die Masche zu enttarnen. Noch dazu ist es mit einer flinken Drehbewegung möglich, die Schachtel leer zu zeigen - auch wenn der Zuschauer einmal richtig tippt.

Hütchenspiel erklärt: Wer gegen diese Profis zockt, hat keine Chance

Auch der Berliner Maik M. Paulsen versteht nicht, dass immer wieder Menschen auf die Abzockerei hereinfallen. „Normalerweise sollte jeder wissen, dass man nur verlieren kann“, sagt er. „Dass die Leute mitspielen, könnte etwas mit dem Reiz des Verbotenen zu tun haben. Aber selbst wenn ich gegen einen Hütchenspieler zocken würde, würde ich verlieren.“ Dabei verdient er mit Profi-Falschspiel sein Geld, lässt sich normalerweise für Events buchen, zockt dort mit den Gästen um die Wette.

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Auch Paulsen ist sicher: Gegen die Hütchenspieler würde er verlieren. Obwohl er das Handwerk selbst beherrscht, das Spiel in seinen Shows vorführt. Denn: „Man kann nicht gewinnen. Aus einem einfachen Grund: In dem Moment, wenn der Zuschauerrät, wo die Kugel ist, ist sie unter keiner der drei Schachteln, weil der Hütchenspieler sie in Wirklichkeit zwischen seinen Fingern versteckt“, sagt er.

Wenn der Spieler die Schachtel mit dem Bällchen nach vorn schiebt, rollt die aus weichem Material bestehende Kugel nach hinten aus der Schachtel, wird also gemopst. Sabine Gudath
Dann heißt es, die Schachteln zu mischen. Der Spieler versteckt das kleine Kügelchen dabei zwischen den Fingern – die Zuschauer können es auch beim Mischen der drei Schächtelchen nicht sehen. Sabine Gudath
Der fingerfertige Spieler kann das Bällchen zwischen seinen Fingern die ganze Zeit kontrollieren und es vor den Blicken der Zuschauer verborgen halten - wer hier zockt, hat keine Chance. Sabine Gudath