Ali H. vor Gericht. Foto: Pressefoto Wagner

Die Mutter niedergemetzelt mit 37 Stichen, dann tötete der Killer ihre neun Jahre alte Tochter. Nachbar Ali H. (32) zeigte sich damals betroffen. Nun steht er wegen Doppelmordes vor Gericht.

Ali H. soll am 29. Februar bei der 38-jährigen Homa Z. in der 8. Etage eines Marzahner Wohnhauses geklingelt haben. Tochter Tajala war im Kinderzimmer. Aus Habgier soll Ali H. die Nachbarin attackiert, dann Geld gesucht haben. Die Verteidiger halten die Anklage für falsch: „Das Tatbild weist eher auf eine Strafaktion.“ Dazu würde die Vielzahl der Stiche passen – „das spricht für große Wut oder großen Hass“. Und wie man die Frau im Schlafzimmer gefunden habe: Mit Gebetskette, Gebetsbuch, die Leiche von Tüchern umhüllt – „wie bei einem islamischen Begräbnis“.

Stiche in den Hals und in den Oberkörpern der Frau. Tajala hörte die furchtbaren Schreie ihrer Mutter. Sie lief in den Flur – und sah den Killer. Um sie als Zeugin auszuschalten, stach er auf das Mädchen ein, strangulierte das Kind mit einem Schal. Ali H., gelernter Kfz-Mechaniker. 2011 kam er aus Afghanistan nach Deutschland. Drei Kinder hat er, sein Asylantrag wurde abgelehnt. Er hat eine Duldung.

Familie Z. floh Ende 2014 aus Afghanistan. Ahmad Z. arbeitete am Tattag an einem Obst- und Gemüsestand in Schöneberg. Als er nach Hause kam und die Tür nicht aufschließen konnte, holte er sich bei Ali H. noch Rat. Ein Schlüssel steckte wohl von innen. Sie riefen einen Schlüsseldienst. Die Wohnung war verwüstet. Ahmad Z. fand sein ermordetes Kind im Badezimmer, fiel in Ohnmacht. Ali H. lobte sich wenig später öffentlich: „Wir haben uns immer wieder geholfen, wie Nachbarn das so machen“, meinte er zu einem KURIER-Reporter. Am 27. März aber klickten die Handschellen.

Doppelmord aus Habgier und zur Verdeckung einer Straftat, so die Anklage. DNA-Spuren sollen H. belasten. Eine am Schal, mit dem Tajala gedrosselt wurde. Ali H. bestritt bereits bei der Polizei. Die Verteidiger: „Der Prozess wird ein anderes Bild der Tat ergeben.“ Dem Täter sei es auch nicht um Geld gegangen – „20 000 Euro lagen in einer Kassette und zwei Scheine im Flur“. Fortsetzung: Freitag. KE.