Vivian Böllersen baut in Herzberg (Mark) Walnüsse an. Foto: Gerd Engelsmann

Was haben Hennigsdorfer Klopse, das Wunder von Monrepos, die Ockerwitzer Lange oder Börderiesen gemeinsam? Eine harte Schale  und einen köstlichen und gesunden Kern. Wo es für alte Apfelsorten immer mehr Kenner und Liebhaber gibt, ist die Wissenschaft von der Walnuss noch ein Geheimtipp. In  Deutschland hat der Anbau von Walnüssen trotz ihrer so klingenden Namen keine nennenswerte Tradition – anders als in Frankreich etwa. Doch Vivian Böllersen will das ändern. Ihr Ziel: in zehn Jahren sollen auf den Adventstellern, in den Nikolausstiefeln und in den Müslischüsseln der Deutschen viel mehr Walnüsse aus heimischem Anbau liegen. Den Anfang hat die 33-Jährige mit ihrer Walnussmeisterei im brandenburgischen Herzberg gemacht.

Walnuss-Vielfalt im Schraubenkasten. Foto: Gerd Engelsmann

Der Walnussbaum ist ein typischer Hofbaum, in Berlin und Umgebung sind oft stattliche Exemplare zu finden. Kleingartenanlagen machten es früher sogar  zur Pflicht, einen Nussbaum zu pflanzen. Unter seiner Krone tummeln sich weniger Insekten als anderswo, die Früchte der Walnuss sind gut zu lagern und bringen energiereiche Nahrung im Winter. Und doch hat der Walnussbaum es in unseren Breiten nie zur Plantage oder gar zum Wirtschaftszweig gebracht. „Meist finden sich in Gärten einzelne Exemplare, die 40 bis 50 Jahre alt sind oder ganz junge Bäume“, sagt Vivian Böllersen. Auch sie kam als Kind im elterlichen Garten in Rudow mit den ersten Walnüssen in Kontakt. „Wir sammelten sie und verkauften sie über den Gartenzaun“, sagt Böllersen. Doch seitdem litt die Walnuss an einem schlechten Image: viel Laub und aufwendige Schnittmaßnahmen der ausladenden Krone, wenige oder kleine Nüsse. Geknackte Kerne aus Kalifornien oder Chile in den Supermarktregalen waren bequemer. Doch diese Wahrnehmung ändere sich gerade, so Vivian Böllersen.

Walnüsse aus regionaler Ernte sollen auch in Berlin und Brandenburg zur Selbstverständlichkeit werden. Foto: Gerd Engelsmann

Dabei kommt dem Baum auch der Klimawandel zupass. Walnüsse mögen es eher warm, und späte Fröste können den Ertrag schmälern. Auch verträgt er Trockenheit besser als zum Beispiel die meisten unserer klassischen Waldbäume. „Für jeden Standort gibt es eine passende Sorte“, ist sich Vivian Böllersen sicher, in ihrer Baumschule berät sie Kunden dazu. Etwa 15 verschiedene Sorten hat die Baumschule im Angebot. Eine große Palette mit jungen Bäumen macht Vivian Böllersen gerade für den Versand nach Schweden fertig. Selbst im Norden gedeihen bestimmte Sorten.

In einem Schraubenkasten hat Vivian Böllersen sehr große und winzig kleine und Nüsse mit roten Kernen aufbewahrt. Besucher staunen, wie vielfältig Walnüsse sein können und wie gut sie schmecken. Weltweit gibt es Tausende Walnussorten, schätzt die Fachfrau, die an der Hochschule in Eberswalde Ökolandbau und Vermarktung studiert hat. In Deutschland allein sind es über 100 Sorten. Einige davon kann man im Hoflanden in Herzberg probieren, denn Böllersen möchte, dass wir uns wieder an diese Vielfalt erinnern. Sie bietet Beratung für geplante Walnusspflanzungen an, hält Vorträge und organisiert Treffen.

Ihre eigene Anlage in den Veltener Luchwiesen  mit 200 Bäumen und etwa 30 Sorten bringt noch keinen Ertrag, Vivian Böllersen muss Nüsse zukaufen. Dennoch: Die erste Nuss von den eigenen Bäumen hat sie in einem Glasgefäß im massigen Schrank ihre Großvaters aufbewahrt – eine perfekte Nuss der Sorte „Mars“.

Die erste Nuss aus eigenem Anbau. Foto: Gerd Engelsmann

Am liebsten würde Vivian Böllersen es machen wie die bayerischen Haselnussbauern. Die haben sich zu einer Erzeugergemeinschaft zusammengeschlossen, vermarkten ihre Nüsse in Supermärkten. „Unsere Vision ist eine deutsche Walnuss-Erzeugergemeinschaft“, sagt sie. Und dass es einen Markt gibt und Kunden, die Walnüsse aus der Region schätzen, sieht man im Hofladen: Hier gibt es die Nüsse kandiert und mit winterlichen Gewürzen veredelt. Auch pur oder zu Öl weiterverarbeitet, als schwarze Nuss eingelegt oder als Likör hat die Walnuss viele Liebhaber. „Gerade jetzt vor Weihnachten kommen viele Anfragen und bei einigen Leckereien wird es schon knapp im Lager“, sagt Marcel Schatte, der gemeinsam mit seiner Frau am deutschen Nuss-Netzwerk arbeitet.

Dabei rattert die neueste Errungenschaft in der Walnussmeisterei zuverlässig und in einer Tour. Die Walnussknackmaschine sorgt für Nachschub, solange es Nüsse gibt, doch die Ernte in diesem Jahr war nicht herausragend. 50 Kilo schafft die Maschine in der Stunde. Wer seine eigenen Nüsse knacken will, kann dies hier gegen Entgelt auch tun.

Es passt zu Vivian Böllersen und ihrem Team, dass sie, die in nachhaltigen Kreisläufen denken, selbst aus den Nüssen, die nicht zu knacken sind, noch etwas Schönes machen: Bemalt mit goldener Farbe werden sie zu weihnachtlichen Hinguckern.

Aus Auschuß Gold machen.. Foto: Gerd Engelsmann

Walnussmeisterei, Im Eichholz 33, 16835 Herzberg (Mark)  www.walnussmeisterei.de

Hofladenöffnungszeiten:
von Oktober bis März
Freitags von 14 - 19 Uhr
Samstags von 10 - 14 Uhr