Zoo-Direktor  Andreas Knieriem erläutert die aktuelle Lage zur Vogelgrippe im Berliner Zoo.
Zoo-Direktor  Andreas Knieriem erläutert die aktuelle Lage zur Vogelgrippe im Berliner Zoo. dpa/Paul Zinken

Der Vogelgrippen-Fall im Berliner Zoo – am Mittwoch trafen sich nun die Experten von Senat und der zuständigen Amtstierärztin mit Direktor Andreas Knieriem und seinem Team. Trotz Negativtests einiger Vögel ist die Lage weiter sehr ernst und der Zoo-Chef ist in großer Sorge. Denn laut einer EU-Verordnung müsste er nach dem bisher einzigen Geflügelpest-Fall vom 18. November alle Vögel töten lassen. Knieriem und seine Mitarbeiter kämpfen nun mit allen Mitteln, um die Katastrohe abzuwenden. Der Zoo wird daher wohl bis zum Jahresende geschlossen bleiben, hieß es.

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Das gefährliche Virus wurde bei einem Hammerkopf im Zoo erstmalig vor elf Tagen nachgewiesen. Sofort wurden Quarantänemaßnahmen ergriffen. Die ersten Tests an 321 Vögeln, die mit dem infizierten Hammerkopf im direkten oder indirektem Kontakt standen, verliefen negativ. Dennoch könnte der bisherige Einzelfall den ältesten Zoo Deutschlands in die Katastrophe stürzen, der über einen der größten Vogelbestände Europas verfügt.

Und die Zukunft dieses Bestandes ist in Gefahr. Denn laut Artikel 12, Absatz 1, Buchstabe a der EU-Verordnung 2020/687 ist beim Auftritt eines positiven Falles der aviären Influenza die Tötung für den gesamten Vogelbestand vorgeschrieben. Dies beträfe im Zoo  nicht nur Hühner, Gänse und Enten, sondern auch alle übrigen Vogelarten wie Brillenpinguine, James-Flamingos und Hyazinth-Aras.

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Laut Zoo-Angaben sind unter den 1.200 Vögeln auch viele in der Natur stark gefährdete beziehungsweise vom Aussterben bedrohte Arten wie der Vietnamesischer Fasan, Nördlicher Streifenkiwi, Südlicher Felsenpinguin oder Balistar. Mit seinen Nachzuchten beteiligt sich der Zoo regelmäßig an Wiederansiedlungsprojekten für Bartgeier, Waldrapp und Europäischer Moorente. Der Verlust dieser Tiere durch die EU-Regelung wäre für den Schutz dieser Arten daher ein herber Rückschlag, heißt es.

Dieses Warnschild bleibt an den Eingangstoren: Der Zoo muss weiterhin geschlossen bleiben.
Dieses Warnschild bleibt an den Eingangstoren: Der Zoo muss weiterhin geschlossen bleiben. dpa/Paul Zinken

Zoo braucht Ausnahmegenehmigung, damit der Vogelbestand nicht getötet werden muss

„Wir sind zunächst erst einmal froh, dass es sich bei dem infizierten Hammerkopf bislang um einen Einzelfall handelt. Dennoch sind wir uns bewusst, dass die aktuelle EU-weite Rechtslage nur wenig Handlungsspielraum lässt“, sagt Zoo-Chef Knieriem. Die Lage sei ernst. „Bevor wir uns über das Thema Öffnung des Zoo Berlin Gedanken machen können, gilt es also zunächst eine Katastrophe für unsere Vögel und den Zoo abzuwenden. Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, eine Ausnahmegenehmigung für unseren einzigartigen Vogelbestand zu bekommen“, sagt Knieriem.

Daher seien jetzt noch weitere Testreihen notwendig, um Rückschlüsse auf die Infektionsquelle zu ziehen, teilt der Zoo mit. Generell sollen alle Vögel regelmäßig getestet werden.

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Auch die süßen Brillenpinguine wären von der Tötung aller Vögel im Zoo betroffen, sollte die EU-Regelung zum Einsatz kommen.
Auch die süßen Brillenpinguine wären von der Tötung aller Vögel im Zoo betroffen, sollte die EU-Regelung zum Einsatz kommen. Zoo Berlin

Die für den Zoo zuständige Veterinär- und Lebensmittelaufsicht vom Ordnungsamt in Mitte ordnete an, dass der Zoo bis auf weiteres für Besucher geschlossen bleibt – möglicherweise bis zum Jahresende, sollte sich die Situation bis dahin nicht ändern. Den Zoo dürfen nur Mitarbeiter betreten, die für die Versorgung der Tiere verantwortlich sind. Die Pfleger in den Vogelrevieren müssen weiter Schutzkleidung tragen, um eine Übertragung und Verschleppung des Virus zu verhindern.

Die Maßnahmen seien geeignet, „eine Weiterverbreitung oder die Gesundheitsgefährdung empfänglicher Tiere zu minimieren und die Seuche schnell zu bekämpfen“, sagt die zuständige Amtstierärztin Maria Elena Kaschubat. „Es liegt im Interesse aller, das sie mit größter Sorgfalt und Disziplin bis ins letzte Detail befolgt werden.“ Im Kampf gegen das Virus bekommt der Zoo Unterstützung von Experten, unter anderem vom Friedrich-Löffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit).

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„Die Geflügelpest ist natürlich kein gänzlich neues Thema für uns, doch dieser erstmalige positive Befund in unserem Tierbestand traf uns ohne jegliche Vorwarnung“, sagt der Zoologische Leiter Christian Kern. „Sobald in den vergangenen Jahren ein Fall in der Umgebung auftrat, wurden die Vögel als Vorsichtsmaßnahme bereits in die Stallungen gebracht.“

Veterinärreferent Torsten Nöldner von der Senatsumweltverwaltung erklärt: „Es gab im Februar und März 2022 bereits 26 Fälle von Aviärer Influenza bei verendeten Wildvögeln in Berlin“, sagt er. Der jetzige Vogelgrippenfall sei „in diesem Winter der erste bekannte Fall in Berlin und Brandenburg“, sagt Nöldner. „Unser oberstes Ziel muss weiterhin sein, eine Ausbreitung und die Einschleppung in andere Vogelbestände zu verhindern.“