Felix hat es geschafft, lernt den Beruf des Elektroinstallateurs. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Es ist ein holpriger Start in ein ganz besonderes Ausbildungsjahr. Die Corona-Krise hat bei Azubis und Betrieben für Probleme gesorgt. Die Berufsorientierung ist  schwieriger geworden: Ausbildungsmessen und andere Veranstaltungen fielen aus. „Der Ausbildungsmarkt ist in schwerem Fahrwasser“, sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Das Handwerk sei in der Vermittlung sechs bis acht Wochen hinterher. Von Januar bis Juni seien 16,6 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als im Vorjahreszeitraum.

Zu den Branchen, in denen es  Probleme gibt, zählt das Bäckerhandwerk. Bei der Bäcker-Innung Berlin sind die Zahlen zwar nicht deutlich schlechter als in den vergangenen Jahren, berichtet Geschäftsführer Johannes Kamm. Was aber daran liegt, dass die Betriebe grundsätzlich seit Jahren Nöte haben, für jede Lehrstelle einen Azubi zu finden. Das Bäckerhandwerk hat die Werbung um Azubis noch einmal verstärkt: „Back Dir Deine Zukunft.“

Die DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte warnt: „Auf die Corona-Krise darf keine Fachkräftekrise folgen. Wird jetzt an der Ausbildung gespart, hören wir spätestens nach Corona die Klagen über den Fachkräftemangel.“

Finanzielle Anreize für Lehrstellen

Einer, bei dem es gepasst hat, ist Lucas Ackermann (16): „Ich bin schon ein wenig aufgeregt.“ Er fängt am Montag eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik an. Es ist in Zeiten des Klimaschutzes ein Job mit Zukunft, viele Unternehmen der Branche suchen händeringend Azubis. Wolfgang Ackermann-Hentschel (49) berichtet. „Wir haben Glück gehabt.“ Gleich nach dem Schulabschluss begann die Suche: Was will ich machen, wie bekomme ich einen Ausbildungsplatz? Und das in Corona-Zeiten mit der Absage von Ausbildungsmessen – auch ein „Speed-Dating“ zwischen potenziellen Azubis und Betrieben fiel aus.

Die Bundesregierung hat finanzielle Anreize gesetzt. Betriebe, die in der Krise weiter ausbilden oder die Zahl der Lehrstellen sogar erhöhen, bekommen eine Prämie. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD).  „Das Signal an die kleinen und mittelständischen Unternehmen ist: Bildet aus – trotz Corona!“

Allein im Handwerk sind bundesweit noch über 33.000 Ausbildungsstellen offen. 201.000 waren es im Juli insgesamt. Gemeldet waren im Juli 495.000 betrieblichen Lehrstellen, das waren 43.000 weniger als vor einem Jahr.