Die Vögel erholen sich nun im Vogelhaus des Tierparks von ihren Strapazen.
Die Vögel erholen sich nun im Vogelhaus des Tierparks von ihren Strapazen. Tierheim Berlin

Seit inzwischen zehn Jahren berichte ich für den Berliner KURIER, schreibe regelmäßig über Tiere und ihre Geschichten. Und habe dabei immer wieder das Gefühl, dass sich die Dinge, auf die ich stoße, wiederholen. Jedes Jahr muss ich mich irgendwann mit dem Thema Welpenhandel beschäftigen, jedes Jahr schreibe ich über die Tiere, die über die Weihnachtstage ausgesetzt wurden – und jedes Jahr habe ich mindestens einmal mit außer Kontrolle geratenen Vogelzuchten zu tun. Denn offenbar gehören in Berlin nicht nur Hunde und Katzen zu den liebsten Haustieren, sondern auch Vögel aller Art.

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Doch da gibt es mehrere Probleme, die auch trotz der Hinweise vieler Tierschützer einfach nicht verschwinden wollen. Zum einen scheinen viele der Halter nicht zu wissen, wie man einen Vogel artgerecht hält. Zum anderen gibt es sie auch hier, die schwarzen Schafe, die aus der Nachzucht der Tiere ein einträgliches Geschäft machen – oder aber jene, deren private Vogelhaltung schlichtweg aus dem Ruder läuft.

Im Dezember rettete das Veterinäramt 89 Vögel aus einer Wohnung

Auch das Tierheim hat nun wieder mit mehreren Fällen zu kämpfen. So schritt das Veterinäramt in Mitte bereits Mitte Dezember in einem Fall ein, weil ein Halter mit der Haltung seiner Vögel gegen das Tierschutzgesetz verstieß. Die genauen Hintergründe sind unklar – wahrscheinlich wurden, wie so oft, unzählige Tiere in einem viel zu kleinen Käfig gehalten. Ergebnis: 87 Wellensittiche und zwei Zebrafinken wurden befreit, landeten im Tierheim. Zahlreiche Jungtiere seien dabei gewesen, heißt es. Aber: Zum Glück waren alle Tiere fit.

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Nun, Anfang Januar, der nächste Fall: Am 6. Januar wurden in Reinickendorf, nahe des U-Bahnhofes Paracelsusbad, 13 sogenannte Agaporniden entdeckt. Sie werden auch „Unzertrennliche“ genannt, „Liebesvögel“. Denn: Diese Papageien bilden Paare, deren Bindung ein ganzes Leben hält. Zumindest die Liebe des Halters schien ein jähes Ende zu finden: Die Vögel wurden achtlos abgestellt, in einem Pappkarton.

Das sind nur ein paar der Vögel, die durch das Veterinäramt in Mitte im Dezember sichergestellt wurde.
Das sind nur ein paar der Vögel, die durch das Veterinäramt in Mitte im Dezember sichergestellt wurde. Tierheim Berlin

Für das Tierheim bedeuten solche Fälle eine zusätzliche Belastung – zwar gibt es auf dem Gelände ein Vogelhaus, doch das ist chronisch überfüllt. Hier kommen Wellensittiche, Nymphensittiche, aber auch Tauben unter. Insgesamt leben fast 300 Vögel hier – und es werden kaum weniger. Denn es finden sich nur schwer Halter, denen klar ist, dass ein kleiner Käfig in der Küche nicht für einen Vogel reicht.

Tipps von Experten: Das braucht man, um Vögel halten zu können

„Das Bild der Oma, die einen einzelnen Vogel im Käfig hält, ist überholt. Richtige Vogelhaltung ist mit Aufwand verbunden“, verriet mir Tierpflegerin Manja Stumpf, die sich im Tierheim um das Vogelhaus kümmert. „Einen Wellen- oder Nymphensittich allein zu halten ist Tierquälerei!“ Die Tiere seien soziale Schwarmtiere, brauchen unbedingt Gesellschaft.

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Oft wird auch nicht daran gedacht, das Fenster richtig zu schließen. Schon ist der Wellensittich entflogen – doch weil es die Tiere in Zoohandlungen schon für ein paar Euro gibt, wird kein Aufwand betrieben. Der Vogel ist weg, ein neuer wird gekauft. Und das entflogene Tier? Das wird sicher irgendwann gefunden – und landet im Tierheim.

Wer Vögel richtig halten will, braucht nicht nur einen ausreichend großen Käfig, sondern muss auch die Möglichkeit zum Freiflug anbieten. Außerdem sollten in der Wohnung geeignete Start- und Landeplätze für die Tiere geschaffen werden. Wer das und noch mehr bieten kann, dem stehen im Tierheim Berlin alle Türen offen. Nur bitte: Gehen Sie ins Tierheim, nicht zu einem Straßenhändler. So unterstützen Sie im Zweifel nur Menschen, die ihre Vögel am Ende lieblos im Karton auf der Straße entsorgen.

Florian Thalmann schreibt jede Woche im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com