Mitte 2021 waren zehn Prozent der 380 Stellen der Senatskanzlei frei. Die Behörde der Regierenden Bürgermeister brauchte im Schnitt 121 Tage, um eine neu zu besetzen. imago

Das Berlins öffentliche Verwaltung in mancherlei Dingen eher lahm ist, überrascht niemanden mehr. Überall fehlen Mitarbeiter, und es dauert „ewig“, bis freie Stellen besetzt sind. Das belegen jetzt die Zahlen, die der CDU-Abgeordnete Christian Zander auf seine Anfrage hin vom Senat geliefert bekam.

135 Kalendertage, also viereinhalb Monate, brauchte die Senatsgesundheitsverwaltung im Jahr 2020 im Durchschnitt, um eine Stelle neu zu besetzen. Bei der Stadtentwicklungsverwaltung waren es je nach Abteilung 90 bis 130 Tage, vergleichsweise windhundgeschwind gelang es der Justizverwaltung, im Wettlauf mit den anderen Hauptverwaltungen am schnellsten neue Mitarbeiter zu gewinnen: Nach „nur“ 68 Tagen, ebenfalls im Schnitt.

Über alle Senatsverwaltungen und ihre nachgeordneten Behörden hinweg waren dennoch Mitte 2021 mit 3651 nicht einmal vier Prozent der Stellen frei. Doch man sollte nicht in die Statistik-Falle laufen, denn große Lücken in kleineren Einheiten sind bei einem Gesamtüberblick nicht erkennbar.

In manchen Behörden ist ein Fünftel der Stellen frei

Da hilft der genauere Blick: Im Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (LAGetSi) waren mehr als 20 Prozent der 194 Stellen unbesetzt, in der Verwaltung der Haftanstalten fast elf Prozent. Dem Landesfinanzservice, der für die Berliner Verwaltung die Finanzen regelt, fehlten 14 Prozent.

Voll bestückt waren nur der „vollzugsnahe Polizeidienst“ (Wachschutz, Gefangenenwesen) und die Verwaltungsakademie.

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Keine Antwort gab es vom Senat, wie viele Stellen in den Bezirksämtern offen waren. Das lag aber nicht an ihm: Dem Abgeordneten war ein Fehler unterlaufen. Er hatte zwar nach den Planstellen gefragt, aber der Teil nach offenen Positionen fiel unter der Tisch. Deshalb wird es noch eine Nachfrage geben müssen.

372 leere Schreibtische in nur einem Bezirksamt

Ralf Olschewski, der Zahlenkenner der CDU-Fraktion in der BVV Tempelhof-Schöneberg, kann dem Abgeordneten Zander zumindest für ihren gemeinsamen Bezirk aushelfen: Mit Stand 31. Dezember 2021 habe es 233 freie Stellen für Angestellte und 139 für Beamte gegeben. Damit sei ein knappes Fünftel aller Stellen der Bezirksverwaltung nicht besetzt gewesen, deutlich mehr als in den Hauptverwaltungen.

Ähnlich hatte es Anfang des Jahres der Stadtentwicklungs-Stadtrat von Mitte dem KURIER geschildert. Ephraim Gothe (SPD) hat zwar genügend Stellen in seinem Ressort, aber auf vielen Stellen sitzt niemand. Die Verwaltung könne nicht leisten, was von ihr verlangt wird, wenn von rund 500 Stellen für technische Berufe mindestens hundert frei seien. Wie überall in der Stadt sind gerade in diesen Bereichen Bewerber rar.

Das liegt unter anderem daran, dass einerseits ein „absurd kompliziertes“ Stellenbesetzungsverfahren Neueinstellungen behindert, zum anderen entgegen aller Beteuerungen in den Senatsverwaltungen besser bezahlt werde als in den Bezirken, wie Olschewski und Zander die seit Jahren umgehenden Klagen wieder aufnehmen. Bei gleicher Qualifikation werde ein „Neuer“ beim Senat höher eingestuft als in einem Bezirksamt.