Marleen Franke mit ihrem Roséwein im „Chateau Moabit“. Foto: Berliner KURIER/Sabine Gudath

Manch einer schraubt in seinem Keller an einer großen Modelleisenbahn, andere lagern dort nur all den Krempel, der nicht mehr in die Wohnung passt. Bei Marleen Franke sieht es ein bisschen anders aus: Die Berlinerin hat sich unter einem Wohnhaus in der Birkenstraße einen Weinkeller errichtet! Hier, im „Chateau Moabit“, entsteht ein gleichnamiger Wein, mit dem sich die 36-Jährige einen kleinen Traum erfüllt.

Den Weinstein holte Franke mit der Hilfe von Freunden aus den Flaschen. Foto: Berliner KURIER/Sabine Gudath

Franke habe immer gern Naturwein getrunken, erzählte sie dem KURIER. „Und darüber philosophiert, wie man so einen guten Tropfen auch in Berlin salonfähig machen kann“, sagt sie. „Denn viele essen hier bio, aber getrunken wird immer konventionell.“ Sie habe Umwelttechnologie studiert, sich immer für nachhaltige Landwirtschaft interessiert. Schon vor zwei Jahren erfüllte sie sich im Wohnhaus ihrer Großeltern in der Birkenstraße dem Traum vom eigenen Weinkeller – um auch andere für natürliche Weine zu begeistern. Eine enge Treppe führt im Hinterhof nach unten, in einem kleinen Raum, umgeben von Steinwänden: Flaschen über Flaschen.

Wo andere Krempel lagern, hat Franke einen kleinen Weinkeller eingerichtet. Foto: Berliner KURIER/Sabine Gudath

Die Trauben kommen allerdings nicht aus der Hauptstadt. „Ich fand zwei begeisterungsfähige Winzer in der Pfalz. Daniel und Jonas Brand sind Brüder, hören gern Techno, waren angetan von der Idee, einen Wein für Berlin zu machen“, sagt Franke. Also fuhr sie zur Weinlese, half bei der Verarbeitung der Trauben. „Sie hatten sogar Kontakt mit meinen Füßen“, sagt sie und lacht. Die gefüllten Flaschen kamen nach Berlin, wurden im Keller in Moabit eingelagert, jeden Tag gedreht und auf den Steinboden geklopft, damit sich die Ablagerungen im Wein verdichten. Außerdem konnte der Wein gären. „Im Hinterhof haben wir dann die Flaschen degorgiert, also von der Hefe und dem abgelagerten Weinstein befreit, und wieder verschlossen.“

Den Wein Chateau Moabit gibt es unter anderem im Internet. Foto: Berliner KURIER/Sabine Gudath

Tausende Flaschen lagern nun im Keller – ein Rosé aus den Rebsorten Spätburgunder und Portugieser, ein weißer Müller-Thurgau und ein Weißwein-Cuvee aus Silvaner und Pinot Blanc. Jede Flasche besprüht Franke gemeinsam mit Grafikdesignerin Katja Koeberlin (36) mit Graffiti-Farbklecksen – der Farbton spiegelt unter anderem die orangefarbene Eingangstür des Hauses wieder. „Das ganze ist zwar im Moment noch ein Hobby, es wird aber mehr und mehr zum Beruf“, sagt Franke. Den Wein (22 Euro / Flasche) gibt es momentan online und in einem Laden in der Kastanienallee 101.

Handarbeit: Designerin Katja Koeberlin verziert jede Flasche mit Graffiti-Farbklecksen. Foto: Berliner KURIER/Sabine Gudath

Für Franke ist Wein vor allem „ein schönes Kommunikationsmedium“, sagt sie. In ihrem Weinkeller bekomme sie immer wieder Besuch von Freunden, die sich für das Thema interessieren. „Und ich liebe es, davon zu erzählen.“ Ihren kleinen Weinkeller will sie nun sogar noch weiter ausbauen. „Ich denke darüber nach, noch einen Apfelwein in Angriff zu nehmen“, sagt sie.