Hagen Engelmann, Landschaftsarchitekt und Galanthophiler (begeisterter Kenner von Schneeglöckchen, lateinisch Galanthus), steht in einem Gewächshaus und zeigt die Schneeglöckchenarten E. A. Bowles (l.) und Felius (r.). dpa/Pleul

Meist sind sie kleiner als eine Handfläche. Sie können aber auch größer sein. Die zarten Blütenblätter und grazilen grünen Stängel sind ihr Markenzeichen: Schneeglöckchen sind die ersten Frühlingsboten. In einem Gewächshaus blühen sie zu Hunderten.

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Im Gewächshaus von Hagen Engelmann in der Nähe von Cottbus blüht es derzeit hundertfach in den Töpfen auf Tischen und Regalbrettern: Es ist die Zeit der Schneeglöckchen. Üblicherweise zeigen sich die zarten hellen, meist weißen Blüten in Gärten erst, wenn der Boden schon frostfrei ist und kündigen den Frühling an. Im Gewächshaus verströmen die Schönheiten auch einen feinen Duft, der in der freien Natur nicht immer gleich wahrnehmbar ist.

Schneeglöckchen: Raritäten kosten schon mal 100 Euro und mehr

Engelmanns Hobby ist das Vermehren, Sammeln und Züchten dieser kleinen Zwiebelpflanzen. Sie wachsen in seinem etwa drei mal zwölf Meter großem Gewächshaus. „Weltweit gibt es etwa 2000 verschiedene Sorten“, sagt der Schneeglöckchen-Fan, der sich bereits als Kind für diese Pflanzen interessierte. Er konnte sich an den Frühlingsbringern erfreuen, die die den Winter verkürzen. Mittlerweile hat er mehrere hundert Sorten, einige davon sind seine Züchtungen.

Verschiedene Arten und Sorten von Schneeglöckchen im Garten von H. Engelmann, Landschaftsarchitekt und Galanthophiler (begeisterter Kenner von Schneeglöckchen, lateinisch Galanthus). dpa/Pleul

Schneeglöckchen sind fast überall in Europa zu finden. Der lateinische Name Galanthus kommt aus dem Griechischen und steht für Milch (gala) und Blüte (anthos). Außen haben sie drei meist weiße Blütenblätter, dann drei innere, die kleiner sind und je nach Sorte unterschiedlich grün gezeichnet. Über Jahrhunderte waren die Pflanzen beliebte Mitbringsel. Noch heute sind Raritäten teuer und können nach Angaben von Sammler Engelmann schon mal 100 Euro und mehr auf speziellen Märkten kosten.

Schneeglöckchen gelten als Symbol der Hoffnung, dass das Leben weitergehe

„Schneeglöckchen sind Symbolpflanzen“, sagt Anja Birne, Vizepräsidentin der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur. Als Winterblumen seien sie ein Symbol der Hoffnung, dass das Leben weiter gehe. „Die Teuersten sind zuerst ausverkauft“, sagte sie zur Galanthophilie, der Jagd nach Schneeglöckchen. Gerade sei eine einzelne Zwiebel der neuen Sorte Galanthus plicatus „Golden Tears“, gezüchtet vom englischen „Schneeglöckchen-König“ Joe Sharman, für eine dreistellige Summe bei einer Auktion auf eBay verkauft worden, sagt sie.

Doch Engelmann, von Beruf Landschaftsarchitekt, würde sich kaum für Geld und selten für gute Worte von seinen grazilen Schönheiten trennen. „Von Zeit zu Zeit tausche ich Pflanzen mit anderen Sammlern, um meinen Bestand zu erweitern“, sagt der 68-Jährige.

Im Garten von Hagen Engelmann wachsen Frühjahrsblüher wie Schneeglöckchen, Winterlinge und Krokusse. dpa/Pleul

Große Freude macht ihm die Züchtung einer neuen Sorte, die er dann auch benennt. In Kürze wird zur Landgartenschau in Torgau (Sachsen) eine neue Sorte getauft. „Der Name ist noch geheim“, sagt er. Seine Kreationen sind unter anderem „Grüne Schwerter“, „Grüne Splitter“ oder „Schorbuser Irrlicht“. Bei den Züchtungen interessiert ihn vor allem die Farbgestaltung. Da gibt es bei den drei weißen äußeren Blütenhüllblättern und den drei inneren einigen Spielraum.

Zeit für zarte Schönheiten: Schneeglöckchen-Sammler Hagen Engelmann in Cottbus dpa/Pleul

Eines mag Engelmann nicht: Schneeglöckchen für ein Sträußchen abschneiden

„Normalerweise erfolgt die Bestäubung durch Insekten“, sagt der Experte. In seinem Gewächshaus stellt er Pflanzen nebeneinander, schüttelt die Blüten und der Blütenstaub fliegt heraus. „Ich warte dann ab, was herauskommt“, sagte er und meint, dass Botaniker natürlich anders an Züchtungen herangehen. Bei ihm sei das einfach Spaß und Freude an den Pflanzen.

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In seinem Gewächshaus muss der Pflanzensammler jetzt viel lüften. Er trifft auch die Auswahl, wer mit wem „zusammenstehen“ darf. Eines mag Engelmann aber gar nicht: Pflanzen für ein Sträußchen abzuschneiden.