Zehn Jahre ist es her, dass der Berliner Senat die Weichen für eine fußgängerfreundlichere Stadt gestellt hat. Nun ist endlich auch im Neufahrwasserweg in Marzahn etwas geschehen, um zu diesem Ziel beizutragen, doch die Umsetzung lässt Anwohner mit riesigen Fragezeichen über den Köpfen zurück: Was ist daran fußgängerfreundlich?

Fußweg in Marzahn ist nur 40 Zentimeter breit

Die Situation ist aberwitzig. Am Rand des Neufahrwasserweg im Herzen von Marzahn wurde ein rund 40 Zentimeter breiter Fußweg eingerichtet. In Worten: vierzig Zentimeter – und das nur, wenn die Hecke auf der anderen Seite des Fußwegs gut beschnitten ist. 5000 Euro haben die aufgemalte durchgehende Linie und die inzwischen wieder entfernten Fußgänger-Symbole auf der Straße gekostet, zudem wurden vereinzelt Poller aufgestellt, die die 40 Zentimeter noch einmal gegenüber der Straße abgrenzen sollen. Doch so richtig glücklich ist damit niemand!

In der Marzahn-Hellersdorf-Zeitung beschweren sich zahlreiche Anwohner über diesen Fußweg. Besonders für ältere Menschen, die unter Umständen auf einen Rollator angewiesen sind, ist dieser Weg ein Graus. Wegen der Poller kommen sie nun nicht einmal mehr auf dem Fußweg am Poller vorbei, sondern müssen auf die Straße ausweichen.

Gehwege sollen keine Restflächen mehr sein

Und das ist auch kein Wunder, denn eigentlich sollten Gehwege nicht so schmal sein - schon gar nicht, wenn es darum geht, die Stadt fußgängergerechter zu machen. So heißt es beispielsweise auf der Website des Fachverbands Fußverkehr: „Gehwegbreiten ergeben sich seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr als Restflächen bei der Straßenaufteilung. Vielmehr stehen im Allgemeinen die Kriterien ‚Bewegungsfreiheit und Annehmlichkeit‘ im Vordergrund, nicht primär das Verkehrsaufkommen“. Das ist hier nicht gegeben. Und auch die gerichtlich festgelegte Mindestbreite von 75 Zentimetern wird hier nicht erreicht. 

„Die Lösung sieht auf den ersten Blick sehr unglücklich aus“, gab die zuständige Bezirksstadträtin Nadja Zivkovic (CDU) zu, nachdem sich Anwohner bei ihrem Parteifreund Mario Czaja beschwert hatten und der einmal bei Zivkovic nachfragte. Und: „Die Straße ist sehr schmal, so dass andere Maßnahmen leider nicht möglich waren.“ Außer natürlich, man hätte der Straße noch ein bisschen Raum weggenommen, denn Gehwege sollen eben keine Restflächen mehr sein.

Lesen Sie auch: Sohn sorgt sich um Frank Zander: „Meinen Eltern geht es sehr schlecht“ >>

Gut möglich, dass das noch geschieht. Die Marzahner Bezirkspolitik-Posse und ihre Lösung dürften zumindest für die Anwohner im Berliner Wahlkampf eine Rolle spielen.