Das nahezu alltägliche Bild: Stau auf der A100 vor der Ausfahrt Kaiserdamm.
Das nahezu alltägliche Bild: Stau auf der A100 vor der Ausfahrt Kaiserdamm. imago/Sabine Brose

Berlin, wie es sich staut und ärgert. Baustellen, Unfälle, Verkehrskleber: Autofahren in Berlin ist inzwischen nur etwas für Menschen mit Nerven wie Stahlseilen. Längst läuft es nicht mehr rund auf den Straßen der Hauptstadt. Nur in einer deutschen Großstadt stehen Autofahrer noch länger im Stau als in Berlin.

Nur knapp hat Berlin den traurigen Rekord verfehlt: Denn die meiste Zeit im Stau verbringen Autofahrer mit 74 Stunden im Jahr in Bayerns Landeshauptstadt München. Direkt danach folgt die Bundeshauptstadt: Berliner Autofahrer kleben im Stau im Schnitt 71 Stunden auf dem Asphalt fest.

Jeder Berliner Autofahrer verschenkt im Stau 714 Euro pro Jahr

Ein Berliner Autofahrer stand das gesamte vergangene Jahr über betrachtet durchschnittlich 71 Stunden im Stau, wie der Verkehrsdatenanbieter Inrix mitteilt. Das waren demnach neun Prozent mehr als im Jahr davor. Lediglich in München steckten die Menschen mit durchschnittlich 74 Stunden länger im Autoverkehr fest.

Mehr Stau heißt es aber nicht, dass mehr Leute aufs Autofahren verzichten. Das Verkehrsaufkommen, gemessen in Fahrzeugkilometern an Wochentagen, stieg deutschlandweit im vergangenen Jahr um 21 Prozent gegenüber 2021 und liegt damit sogar um acht Prozent über dem Niveau von 2019. Busse und Bahnen tun sich dahingegen weiterhin schwer – ihr Fahrgastaufkommen lag im ersten Halbjahr 2022 immer noch gut ein Fünftel (21 Prozent) unter dem vom ersten Halbjahr 2019.

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Berechnet hat Inrix auch, wie viel das die Autofahrer und die Stadt kostet. Trotz der Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe – der sogenannten Spritpreisbremse – in den Sommermonaten stiegen die Kosten für Berliner Autofahrer, die der Zeitverlust im Stau verursacht, um 104 Euro auf 714 Euro. Gesamtkosten für die Stadt: 963 Mio. Euro.

Auch Platz 1 im Ranking der zugestautesten Straßen Deutschlands gebührt München – mit der B2R, die die Autofahrer zwischen Stettner- und Plinganserstraße täglich 13 Minuten und aufs Jahr hochgerechnet 51 Stunden kostet. Doch kein Grund zur Schadenfreude für die Berliner Autofahrer. Die Stau-Hauptstadt taucht gleich drei Mal in dieser Top 10 auf – so oft wie keine andere Stadt.

Autofahrers Albtraum: die A1/B5 stadtein- und stadtauswärts

Berlins schlimmste Straße: Die A1/B5 stadteinwärts zwischen Myslowitzer Straße und Samariterstraße, die auf den neun Kilometern mehrmals den Namen wechselt: Frankfurter Allee, Alt-Friedrichsfelde, Alt-Biesdorf, Alt-Kaulsdorf. Autofahrer, die hier täglich pendeln, kennen das Fiasko. Hier bremst man sich von einem Mini-Stau zum nächsten.

Eine der dicht befahrensten und zugestautesten Strecken Berlins: die A1/B5, sowohl stadtein- als auch stadtauswärts
Eine der dicht befahrensten und zugestautesten Strecken Berlins: die A1/B5, sowohl stadtein- als auch stadtauswärts Markus Wächter

Laut Berechnungen von Inrix verlieren Autofahrer hier täglich acht Minuten – macht im Jahr 33 Stunden. Schlimmste Stau-Zeit: gegen 7 Uhr. Was bei den Berechnungen vergessen wird: Nachmittags müssen sich die Autofahrer, die in der Innenstadt arbeiten und am Stadtrand oder im Speckgürtel wohnen, wieder durch kaum kürzere Staus zurück kämpfen.

Berlins zweitschlimmste Straße ist die Oranienburger Straße (B96) am Stadtrand in Reinickendorf – die gut sieben Kilometer zwischen Roedernallee und Bieselheider Weg in Richtung Brandenburg. Hier summieren sich knapp acht Minuten pro Tag auf 32 Stunden pro Jahr. Wenn es geht, sollte man hier um 16 Uhr diese Strecke meiden.

Vier Kilometer Staufalle auf der A100

Berlins drittschlimmste Straße ist eine Autobahn. Die A100 in östlicher Richtung zwischen Hohenzollerndamm und A103 – gut vier Kilometer, die auch heute morgen schon wieder rot bei Google Maps aufleuchten. Rot heißt Stau. Die Zahlen: täglich acht Minuten, im Jahr 32 Stunden, Stoßzeit: 16 Uhr.

Nichts geht mehr auf der Stadtautobahn: Klima-Kleber haben hier den Verkehr zum Erliegen gebracht.
Nichts geht mehr auf der Stadtautobahn: Klima-Kleber haben hier den Verkehr zum Erliegen gebracht. dpa/Zinken

Zum Schluss noch ein wenig Balsam für die geplagte Autofahrer-Seele in Deutschland. Woanders ist es viel, viel schlimmer. Weltweit führend in Sachen Stau ist London. Sage und schreibe 156 Stunden gehen hier pro Autofahrer im Jahr für Stillstand drauf. Durchschnittsgeschwindigkeit: 16 km/h. Dahinter folgen Chicago (155 Stunden, 18 km/h) und Paris (138 Stunden, 18 km/h).

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