Sternekoch Tim Raue aus Berlin verschickte während der Corona-Zeit seine Menüs in Boxen. Damit nicht genug, reiste er für MagentaTV um die Welt, um neue Gerichte zu entdecken. Benjamin Pritzkuleit

Köttbullar aus Schweden, Flammkuchen aus dem Elsass, Tarte Tatin aus Frankreich, Piroggen aus Polen und Marhapörkölt aus Ungarn. Die Kulinarik der Welt ist voller Leckereien, aber leider auch voller Klischees. Zwei-Sterne-Koch Tim Raue will diese Klischees endlich wegbrutzeln, und der Star-Anrichter aus Berlin ist auf dem besten Weg, sich damit einen neuen Namen zu machen.

Raue, der in der Pandemie, zumindest mit seinen Restaurants, arg in die Bredouille geriet, führte für MagentaTV sechs exklusive kulinarische Expeditionen rund um den Globus durch und arbeitet so an der Rückkehr der rosigen Vor-Corona-Zeiten.

Tim Raue testet die türkische Küche in Istanbul. MagentaTV/Katy Wagner

Das Konzept der Sendung ist so anspruchsvoll wie die Küche von Raue. Der Chef ist geradezu besessen von der Suche nach Antworten auf Fragen wie „Haben wir Deutschen ein realistisches Bild von der Küche anderer Länder? Gibt es bei uns überhaupt authentisches Essen aus Italien, China, Mexiko oder Griechenland? Tim Raue sagt ganz klar: Nein! Und er will zeigen, warum das so ist.“ So wird die brandneue Serie „Herr Raue reist! So schmeckt die Welt“ vollmundig und ebenso höchstsympathisch angekündigt. Und ganz ehrlich? Das macht Appetit auf mehr.

Der Berliner besuchte Food-Märkte und Mikro-Landwirte, schlemmte sich durch Street-Food-Buden

Für die Antworten auf die eben gestellten Fragen ist dem Berliner Zwei-Sterne-Koch kein Weg zu weit und kein Ziel zu exotisch, heißt es. Rund um den Globus besuchte er Kochfreunde, um gemeinsam mit ihnen die Ehre ihrer jeweiligen Länderküchen zu retten.

Man darf mit Spannung auf Raues genussvolle Auflösung warten, um dann die Gerichte gleich nachzukochen, alles andere kann einen echten Welt-Gourmet kaum sättigen.

Pasta Norma mit Ricotta Salata aus Sizilien. Eines der am Dienstagabend vorgestellten Raue-Gerichte. Karim Mahmoud

Die erste Reise von Raue führt am 28. November an den Bosporus nach Istanbul, an die Nahtstelle zwischen Europa und Asien. Und das duftet schon in der Vorankündigung herrlich nach Börek, Saibling und Köfte. Der Berliner besucht Food-Märkte und Mikro-Landwirte, schlemmt sich durch landestypische Street-Food-Buden, und am Ende des Tages kocht er gemeinsam mit Spitzenköchen vor Ort die Gerichte nach, die ihm besonders gefallen haben, erweitert und verfeinert intuitiv die Rezepte und beweist sich und seinen begierigen Zuschauern, dass man selbst Gold noch einen Tick edler aussehen lassen kann, wenn man nur will.

Tapas Garnele mit Knoblauch, Olivenöl und Weißbrot aus Madrid

Geschmack ist natürlich Ansichtssache, aber gerade weil Tim Raue nicht nur seinem eigenen vertraut, durfte am Dienstagabend eine handverlesene Schar bestens geschulter Vorkoster testen, wie die neuen Raue-Gerichte, diese Weltgericht-Variationen, sich auf der Zunge so machen. Raue lud in sein Restaurant in die Rudi-Dutschke-Straße ein und stellte verführerische Eigenkreationen vor wie Staudensellerie-Salat mit Ananas und Kokosnuss (Phuket), Saibling mit Ayran und Molasse (Istanbul), Tapas Garnele mit Knoblauch, Olivenöl und Weißbrot (Madrid), Pasta Norma (Sizilien), Taube und Papaya (Mexico City) und Beignet (New Orleans). Dazu gab es erlesene Weine, die die Aromen aufschlossen und herrlich ergänzten.

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Und weil vieles, ja gerade das Wunderbare an diesen neuen Genüssen, erklärungsbedürftig bleiben muss, schickte der Sterne-Koch einen pikanten Satz voraus: „Das, was bei uns als Chinesisch, Spanisch oder Kroatisch verkauft wird, hat wenig mit der echten Küche dieser Länder zu tun. Die meisten Menschen haben ein völlig verschobenes Bild von den Küchen dieser Welt – und leider viel zu oft ein schlechtes.“

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Warum aber macht er das alles eigentlich, der Tim Raue? Warum nimmt er kühn all die Strapazen auf sich, die so eine beschwerliche Reise gerade in Zeiten der Pandemie mit sich bringt? Nun, es ist „Sehnsucht und die Liebe zur Vielfältigkeit des Essens“, die ihn antreibt. „Ich leide regelrecht darunter, wenn Essen nicht gut ist“, sagt er. „Wenn etwas als Chinesisch, Französisch oder Kroatisch bezeichnet wird, und es das einfach nicht ist. Wenn der Name missbraucht wird, um Schund zu verkaufen. Dem habe ich den Kampf angesagt. Ich möchte, dass möglichst viele Menschen die Chance bekommen, echtes, authentisches und ehrliches Essen aus aller Welt zu erleben. Dafür reise ich um den Globus!“

KURIER-Reporter Karim Mahmoud mit Sternekoch Tim Raue bei der Vorstellung der neuen Küchen-TV-Show. Karim Mahmoud

Und das ist ehrlich und es ist schön, denn es hat neben der genussvollen Komponente ja auch eine völkerverbindende Dimension. Alles in allem ist das also ein TV-Projekt, das sich sehen und schmecken lässt. Und es schmeckte Raue wohl auch selbst. „Wer mich in der Doku sieht, denkt, ich sei im 7. Monat schwanger“, so der Sternekoch augenzwinkernd. „Fünf Kilo habe ich unterwegs zugenommen.“ Kein Wunder, wenn man sich wie er täglich durch bis zu acht Restaurants schlemmt.

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Adrenalin bekam der Kreuzberger Spitzenkoch übrigens auch noch frei Haus. Bei der nächtlichen Landung in Mexico City musste sein Flieger durchstarten, und später wurden gleich um die Ecke von seinem Hotel elf Polizisten ermordet.

„Herr Raue reist! So schmeckt die Welt“ gibt es in zwölf Folgen – immer zwei pro Monat. Die Länge pro Folge beträgt zwischen 35 und 45 Minuten. Premiere bei MagentaTV ist am 28. Oktober 2021 um 17 Uhr.