Ein Lieferfahrer des Lieferdienstes Getir fährt mit seinem Fahrrad durch Berlin.
Ein Lieferfahrer des Lieferdienstes Getir fährt mit seinem Fahrrad durch Berlin. dpa/Michael Kappeler

Lust zu kochen, aber keine Lust, in den Supermarkt zu gehen? Dann kann man sich in Berlin innerhalb kürzester Zeit von verschiedenen Anbietern den Einkauf bequem an die Haustür liefern lassen. Doch welche Nachteile oder Risiken hat das Online-Shopping von Lebensmitteln? Das hat die Verbraucherzentrale Berlin stichprobenartig bei Gorillas, Flink und Getir überprüft. DAS ist das Ergebnis – und dafür gab es sogar Abmahnungen.

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Was müssen Online-Verkäufer von Lebensmitteln bieten?

Online-Verkäufer von Lebensmitteln müssen in ihrem Shop dieselben Informationen liefern, die man auch auf den Verpackungen und im Supermarkt findet. Dazu gehören unter anderem die Bezeichnung des Lebensmittels, Zutatenliste inklusive Allergenkennzeichnung, Füllmenge, Nährwertkennzeichnung, Preis inklusive Grundpreis und die Herkunft des Lebensmittels, wenn diese Angabe – so wie für die meisten Obst- und Gemüsesorten – verpflichtend ist. Nur das Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum müssen nicht angegeben werden, auch wenn Hinweise wie „nach Lieferung noch mindestens 3 Monate haltbar“ im Onlineshop natürlich nützlich sind.

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Halten sich die Anbieter dran?

Nach Beschwerde einer Verbraucherin bezüglich einer fehlenden Allergenkennzeichnung wurden die Apps von Gorillas, Flink und Getir von der Verbraucherzentrale Berlin geprüft. Gefunden wurden unzureichende Lebensmittelkennzeichnungen und nicht zulässige Vertragsklauseln. Das Ergebnis: Alle drei Anbieter wurden wegen unterschiedlicher Verstöße abgemahnt. Gorillas und Flink sicherten zu, diese abzustellen. Bei Getir war dafür eine Klage nötig, die nun zugunsten der Verbraucherzentrale Berlin entschieden wurde.

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„Selbst wenn es schnell gehen soll, müssen Verbrauchern alle vorgeschriebenen Angaben auch im Onlineshop finden können. Gerade im Fall von Allergien und Unverträglichkeiten sind Zutatenlisten und Allergene schließlich besonders wichtig“, sagt Dr. Britta Schautz, Projektleitung Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Berlin.

Dabei fiel beim Lieferdienst Gorillas, der kürzlich von Konkurrent Getir übernommen wurde, bei einigen Produkten auf, dass alle Pflichtangaben fehlten, da die Kennzeichnung nicht lesbar war. Bei anderen Produkten war mindestens ein Teil der Kennzeichnungselemente nicht vorhanden. Dies zeigte sich auch bei Flink. Auf den ersten Blick sah die Kennzeichnung in der Getir-App besser aus, bei näherer Betrachtung zeigten sich jedoch fehlende Nährwertdeklarationen oder auch fehlende Herkunftsangaben, zum Beispiel bei Paprika. Bei allen Anbietern fehlten die verpflichtenden Grundpreisangaben, die einen Preisvergleich ermöglichen.

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Werden Lebensmittel direkt an die Haustür geliefert, ist das praktisch. Aber nicht immer halten sich die Lieferdienste an ihre Pflichten.
Werden Lebensmittel direkt an die Haustür geliefert, ist das praktisch. Aber nicht immer halten sich die Lieferdienste an ihre Pflichten. imago/Sven Simon

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Werden Kunden bei Lieferdiensten wie Gorillas, Flink und Getir über den Tisch gezogen?

Nicht unbedingt. Aber alle drei bieten dazu zumindest Schlupflöcher. Allen Vertragsbedingungen zufolge waren Verbraucher zur Zahlung des Kaufpreises bereits mit Abschluss des Bestellprozesses verpflichtet, obwohl ein Kaufvertrag erst später durch die ausdrückliche Annahme der Bestellung zustande kommen sollte.

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„Diese Verfahrensweise widerspricht rechtlichen Grundsätzen, wonach eine Leistung immer erst auf Grundlage eines Vertragsverhältnisses gefordert werden kann und ist geeignet, Verbraucher:innen unangemessen zu benachteiligen, wenn zum Beispiel die Bestellung nicht bestätigt wird“, sagt Claudia Both, Rechtsreferentin bei der Verbraucherzentrale Berlin.

Dies wurde im Sinne des Verbraucherschutzes nun durch das Landgericht Berlin (Urteil v. 8.11.2022, 15 O 34/22 – nicht rechtskräftig) in dem Verfahren gegen Getir bestätigt. Gorillas und Flink sicherten bereits nach der Abmahnung zu, in Zukunft verbraucherfreundlicher zu kennzeichnen sowie unwirksame Klauseln zu ändern.