Auf einer LKW Zugmaschine ist bei einer Lkw-Demonstration gegen hohe Kraftstoffpreise ein Schild mit der Aufschrift "Stoppt die Tankabzocke" angebracht. In Berlin und wie hier in NRW wollen Fuhrunternehmen protestieren. Henning Kaiser/dpa

Diesel kostet 2,30 Euro und mehr und auch bei Benzin kennt der Preis derzeit keine Grenze.  Das lässt keinen Autofahrer kalt, und betrifft viele Branchen sehr unmittelbar: Transportunternehmen gehen im schlimmsten Fall Pleite, weil sie die Preise fürs tägliche Tanken nicht mehr zahlen können. In der Folge drohen Lieferketten zu schwanken, Supermarkt-Regale bleiben im schlimmstenfalls länger leer. Hart trifft die Preisexplosion aber auch Pendler und Landwirte, die auf eine regelmäßige Tankfüllung angewiesen sind, um  arbeiten zu können.

Lkw-Konvoi auf dem Weg zum Berliner Ring

Deshalb haben sich am Mittwochmorgen Lastkraftwagen zu einer Protestfahrt aufgemacht. Dafür reicht der Sprit offenbar noch.  Wegen der gestiegenen Energiepreise sind mehrere Lkw-Konvois seit dem Mittwochmorgen auf dem Weg zum nördlichen Berliner Ring. Wie die Polizeidirektion Nord in Neuruppin mitteilte, war eine Gruppe von 15 bis 20 Fahrzeugen vom Anschluss Falkensee in Richtung Dreieck Havelland unterwegs. Weitere Konvois näherten sich der Autobahn von der A24 aus Richtung Hamburg sowie von der Bundesstraße 96.  Die Verkehrsinformationszentrale warnte in einem Tweet vor Stau. Aus Richtung Neukölln seien ebenfalls viele Lkw im Schleichtempo über die A100 unterwegs. Betroffen sind auch die A113 und die A111. Die Verkehrsinformationszentrale hat Einschränkungen für das gesamte Berliner Stadtgebiet angekündigt.

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Rund 500 Lkw-Fahrer wollen sich an dem Protest beteiligen, berichte der Sender RBB. Allein in Oranienburg hätten sich bereits sich fast 300 Laster angeschlossen. Die Lkw-Fahrer wollen auf der rechten Spur mit Tempo 30 fahren einmal um den Berliner Ring fahren und so die A10 blockieren.

Lkw-Fahrer wollen Berliner Ring blockieren

Einem Bericht der „Tagesschau“ und des WDR zufolge wollen Lkw-Fahrer ab 7.00 Uhr den Autobahnring blockieren, um gegen die Rekordpreise für Benzin und Diesel zu protestieren. Die Fahrer wollen demnach auch Autobahnen in NRW blockieren - und so ein Verkehrschaos auslösen.

Erste Fuhrunternehmen legen Lkw-Flotte still

Wie dringend der Handlungsbedarf ist, zeigt ein Fall aus Sachsen -Anhalt: Wegen der hohen Spritpreise legen hier erste Fuhrunternehmen ihre Lkw still, berichtet die Volkstimme aus Sachsen-Anhalt. „Ab Montag werden sechs unserer Fahrzeuge vorerst auf dem Hof bleiben“, sagt Daniel Milde, Chef der Milde Handel & Transport aus Steigra.  In Verhandlungen mit Kunden aus der Baubranche habe man sich nicht auf Preisanpassungen, die die steigenden Dieselkosten spiegeln, einigen können. Er verstehe teilweise die Kunden, die ihrerseits Kalkulationen für Bauprojekte einhalten müssten, so Milde. „Wir können es uns aber nicht leisten, mit jeder Fahrt Verluste einzufahren.“

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Droht ohne Transporter eine Versorgungslücke?

„Ohne den Diesel-Lkw bleiben morgen die Supermarkt-Regale leer“, sagte Vorstandsprecher des Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) Dirk Engelhardt. Der Verband fordert als Sofortmaßnahme unter anderem die Einführung eines „Gewerbediesels“ als verbilligten Kraftstoff für das Transport- und Lkw-Gewerbe. Die Politik müsse schnell reagieren.

„Das mittelständische Transport- und Logistikgewerbe befindet sich aktuell im Existenzkampf und ist mit Herausforderungen in einem bisher nicht gekannten Ausmaß konfrontiert“, so die BGL-Mitteilung weiter.  Nachdem sich seit vielen Monaten zahlreiche Kostenbestandteile im Transportgewerbe deutlich verteuert hätten, fordert der Bundesverband  schnelle und praktikable Gegenmaßnahmen von der Politik.

Henning Kaiser/dpa
Bei einer Lkw-Demonstration wird der Ärger über die hohen Kraftstoffpreise deutlich. Schilder mit der Aufschrift "Stopp die Tankabzocke" sind zu lesen.

Vorschläge liegen auf dem Tisch: Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hatte etwa eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer für Kraftstoffe ins Gespräch gebracht: So könnte der Preis für einen Liter Benzin um rund 50 Cent gesenkt werden, sagte der Minister. Die Polen haben es uns vorgemacht. Dort ist Diesel und Benzin 60 Cent günstiger als hier. „Ausgehend von aktuell 2,15 Euro für den Liter Super E 10, können wir mit einer Spritpreisbremse einen Preis von 1,62 Euro pro Liter erreichen, also 53 Cent billiger als derzeit“, sagte Hans der Düsseldorfer Rheinischen Post. Möglich würde das durch eine temporäre Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent, sagte Hans.

Auch Christian Linder hatte einen Tankrabatt von 20 Cent an den Tankstellen vorgeschlagen, der kurzfristig Linderung verspricht.