Sieht so die Einhaltung der Abstandsregeln zu Corona-Zeiten aus? Foto: AFP

Die Corona-Krise ist nicht vorbei, die Abstandsregeln gelten noch - doch das schöne Wetter schien am Sonntag dafür zu sorgen, dass viele die Sicherheitsgebote vergaßen. Vor allem in Kreuzberg: Hier tummelten sich 1500 Menschen bei einem Boots-Rave auf und am Landwehrkanal. Abstände, Kontaktverbote, Masken? Fehlanzeige.

Zu der Aktion aufgerufen wurde auf der Facebook-Seite „Rebellion der Träumer“. Grund: Das zum 30. Mai aufgehobene Demo-Verbot. „Wir können euch jetzt auch ganz offiziell einladen mit Kanus, Schlauchbooten oder vom Ufer aus an unserer Wasserdemo teilzunehmen“, hieß es auf Facebook. Die Organisatoren baten darum, Masken zu tragen, „Abstand zueinander zu halten und in jedem Boot maximal Mitglieder von zwei Haus- und Knutschgemeinschaften an Board zu nehmen“.

Laut Polizei hätten sich auf dem Weg vom Startpunkt in Alt-Treptow nach Kreuzberg immer wieder Boote angeschlossen, „sodass der Verkehr von Fahrgastschiffen auf dem Landwehrkanal zwischen der Unter- und Oberschleuse eingestellt werden musste“, heißt es. Gegen 15.50 Uhr seien bis zu 400 Boote beteiligt gewesen. Rund 1500 Menschen hätten teilgenommen - auf dem Wasser und an Land.

Auch an Land drängten sich die Teilnehmer dicht an dicht. Foto: AFP

An die Aufforderung, die Abstände einzuhalten, hielten sich viele nicht: Auf Bildern und Videos ist zu sehen, dass nur wenige Teilnehmer einen Mundschutz tragen, dass sie eng an eng an Ufer und in den Booten stehen und sitzen. „Aufgrund der nicht eingehaltenen Abstände zueinander und von Beschwerden über zu laute Musik, beendete der Anmelder nach einem Gespräch mit der Polizei seine Versammlung gegen 17.35 Uhr.“ Die Boote wurden durch die Wasserschutzpolizei zurück zum Startpunkt im Treptower Hafen geleitet. Erst gegen 21 Uhr herrschte Ruhe.

Die Veranstalter selbst hätten sich zunächst über den großen Zulauf gefreut, heißt es in einer Stellungnahme von „Rebellion der Träumer“. Hinter der Demo stehe ein loses und breites Bündnis verschiedener Initiativen. „Als Kulturschaffende sind unsere beruflichen Existenzen und unsere Veranstaltungsorte akut bedroht.“ Man habe extra die Form der Wasser-Demo gewählt, „um das Ansteckungsrisiko so gut es geht zu minimieren.“ Keiner der Beteiligten habe aber mit einer solchen Größenordnung gerechnet. „Wir haben in der Mobilisierung wiederholt und deutlich auf die Abstandsregeln hingewiesen und dazu aufgefordert Gesichtsmasken zu tragen. Dennoch hat unsere Kommunikation nicht alle Teilnehmenden erreicht - hier wäre in Anbetracht der Menschenmenge ein umfassenderes Sicherheitskonzept, auch in Zusammenarbeit mit den Behörden, wichtig gewesen“, heißt es. Entschuldigen wolle man sich für den „mehr als schlecht gewählten und symbolisch völlig unangemessen Demo-Endpunkt vor einem Krankenhaus.“

Das Amateurvideo auf Youtube zeigt die teilweise voll besetzten Schlauchboote.

Video: Youtube

In der Senatsverwaltung für Inneres ist man von der großen Sause auf dem Wasser wenig begeistert. „Wir bewegen uns auf einem schmalen Grat, damit wir nicht wieder in eine Situation wie vor einigen Wochen geraten. Die Lockerungen, auf die alle lange gewartet haben, sollten jetzt nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden“, teilt ein Sprecher auf KURIER-Nachfrage mit. Viele seien bei der Protest-Aktion zu achtlos und unbedacht gewesen.

Die Gefahr, dass es bei dem Outdoor-Event zur massenhaften Ansteckung gekommen ist, schätzt die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Institut für Infektionsforschung in Braunschweig aber als einigermaßen gering ein. Bei Partys, bei denen die Menschen dicht an dicht sitzen, bestehe aber auch draußen erhöhte Gefahr durch Tröpfchen, die bei lautem Reden und Singen ausgestoßen werden. „Um diesen Ansteckungsweg zu verhindern, wäre ein Mund-Nasen-Schutz wichtig gewesen“, sagt Brinkmann. Einzelne Ansteckungen könnten daher durchaus erfolgt sein.