Douke Eekman mit seinen Pferde-Damen Lilly (l.) und Margriet. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Jeder kennt die großen Pflug-Maschinen, die über Brandenburgs Äcker fahren. Technik-Monster, die automatisch Furchen anlegen, damit die Felder bepflanzt werden können. Sie sind heute Standard. Und dennoch gibt es Menschen, die auf Tiere statt auf Technik setzen. Einer von ihnen ist Douke Eekman (47) – er pflügt mit Pferden unter anderem Brandenburgs Wälder um. Ein altes Handwerk, das heute immer seltener wird.

Wenn Douke Eekman und seine Pferde Lilly und Margriet im Einsatz sind, hinterlassen sie eine Schneise der Verwüstung – und das ist auch gut so. Kaum ist das Trio eine halbe Stunde unterwegs, schon ziehen sich, etwas abseits des Waldweges, tiefe Furchen durch den Waldboden. Lilly und Margriet ziehen den schweren Pflug, die Metallspitze reißt den Erdboden auf, trennt Wurzelwerk und mäht Äste ab. Augenblicklich erfüllt der Geruch von frischer Erde die Luft. Dahinter läuft Eekman, in der Hand ein blaues Seil, mit dem er seine Pferde steuert.

Douke Eekman bereitet den Pflug für den Einsatz vor. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Was die drei hier leisten, sieht nach wilder Zerstörung aus – und doch ist es ein sehr wichtiger Job. „Wir pflügen den Waldboden um, damit bald neue Bäume gepflanzt werden können“, erklärt Eekman. Momentan wachsen hier Kiefern, doch aus dem Stück Land nahe Zossen soll ein Mischwald werden. Denn gemischte Wälder sind resistenter als Monokulturen. „Wälder, in denen nur eine Baum-Sorte wächst, sind dem Wetter schutzlos ausgeliefert“, sagt Eekman. „Und sie sind anfälliger für Schädlinge. Wenn der richtige Käfer kommt, ist der ganze Landstrich tot.“ Der Wald wird deshalb – so nennt es der Fachmann – umgebaut.

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Eekman arbeitet schon lange mit seinen Pferden – und ist heute einer von wenigen, die diesem Job noch nachgehen. Viele Landwirte haben auf Maschinen umgestellt, doch der 47-Jährige bleibt den Tieren treu. Ursprünglich kommt er aus Belgien. Nach dem Gymnasium machte Eekman eine Facharbeiter-Ausbildung im Bereich Gartenbau, spezialisierte sich dann auf Forstwirtschaft, nebenbei ging er zur Hufschmied-Schule in Brüssel. Denn schon in Belgien arbeitete er mit Pferden, rückte in einer Spezialfirma Holz. Später wollte er sich selbstständig machen, zog 1995 nach Brandenburg. Hier arbeitet er heute auf einem Landgut, auf dem Kuhhaltung betrieben wird – und ist nebenher mit seinen Pferden unterwegs.

Eekman und seine Pferde hinterlassen eine Schneise der Verwüstung - und das ist gut so. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Ein Leben auf dem Trecker kann er sich nicht vorstellen. „Ich fahre gern mal, aber wenn ich das stundenlang mache, wird mir schlecht“, sagt er und lacht. „Das Wesen meiner Pferde finde ich so schön. Und es macht mir Freude, mit ihnen zu arbeiten – nicht stundenlang auf dem Reitplatz zu stehen und sinnlose Übungen zu machen.“ Lilly und Margriet holte er vor acht Jahren aus Belgien, trainierte sie für die Arbeit im Wald. „Sie haben sich daran gewöhnt. Nur Margriet guckt immer etwas kritisch, wenn ich sie zum Arbeiten von der Weide holen will. Sie versucht, sich zu verstecken, aber am Ende kommt sie doch gern mit.“ Seiner belgischen Herkunft bleibt Eekman übrigens treu: Mit den Pferden spricht er eine Mischung aus Deutsch und Flämisch. Beim Pflügen ruft er ihnen „hot“ und „wiest“ zu - rechts und links.

In die Furchen werden später die neuen Bäume gepflanzt. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

In die Furchen, die der Pflug im Wald anlegt, werden später die neuen Bäume gepflanzt. Es ist ein Job, den auch Maschinen übernehmen könnten, doch Pferde sind naturverträglicher. „Der Boden wird durch sie nicht so verdichtet wie durch große Maschinen“, erklärt er. „Es wurde mal berechnet, dass ein Pferd 16 Mal über die exakt gleiche Stelle laufen müsste, um den gleichen Verdichtungseffekt zu haben wie ein maschineller Pflug.“ Ein Trecker hinterlasse auch mehr Schäden im Wald. Sowieso hätten die Tiere eine bessere Ökobilanz. „Sie haben keine Abgase“, sagt Eekman und lacht. „Es sei denn, sie pupsen mal.“