Brandenburgs Politik denkt über Unterricht in den Ferien und am Sonnabend nach.  Foto: imago images/Westend61

Nach monatelanger Corona-Unterbrechung läuft für die Schüler in Berlin und Brandenburg wieder der geregelte Unterricht. Lehrkräfte sind jetzt aber im Stress: Denn sie müssen die Mädchen und Jungen testen und herausfinden, was an Lernstoff während des Lockdowns verloren gegangen ist.

Mathias Kreuzling*, Lehrer an einer Oberschule in Brandenburg, muss jetzt für jeden seiner Schüler eine „Lernausgangslage“ (LAL) erstellen. Das bedeutet: Jeder Schüler muss pro Fach eine schriftlichen Test von 90 Minuten machen. Neben den Corona-Regeln und dem normalen Unterrichtstoff bedeutet das für Kreuzling und seine Kollegen eine Zusatzbelastung.

Er macht sich Luft: „Wir müssen das alles korrigieren. Zum Stress, den wir haben, kommt die enorme Papierverschwendung. Kaum etwas läuft da digital. Für einen Schüler fallen da schon mal 100 Seiten an. Für die Schulen Brandenburgs wird also ein kleiner Wald abholzt.“ 

Doch damit noch nicht genug: Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) will die Ergebnisse der „Lernausgangslagen“ bis Mitte September vorliegen haben. Fallen die Ergebnisse schlecht aus, lässt die Bildungsministerin die Schüler einfach nachsitzen.   

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD)
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Britta Ernst teilt auf Anfrage mit: „Auf Grundlage dieser Rückmeldungen aus den Schulen und Schulämtern werden wir entscheiden, ob ein optionales schulisches Angebot in den Herbstferien 2020 notwendig ist und organisiert werden muss und ob Unterricht am Sonnabend erforderlich ist und wenn ja, jeweils für welche Zielgruppen.“ Bis Ende November will sie entscheiden, ob sie ein Unterrichtsangebot in den Osterferien schaffen will, schreibt sie.

Das klingt schon ziemlich konkret. Erstmals seit der Wende müssten dann Brandenburgs Kinder und Jugendliche wieder samstags die Schulbank drücken. In Berlin ist man von solchen Plänen, am Wochenende zu unterrichten, weit entfernt. Doch Schulsenatorin Sandra Scheeres plant ein freiwilliges Unterrichtsangebot in den Herbstferien für Schüler mit großen Lücken. Das bestätigt ihr Sprecher Martin Klesmann dem KURIER. 

Um den Wissensstand jedes Schülers zu ermitteln, nutzen die Berliner Lehrkräfte aber schon den Computer und das Internet. Scheeres’ Haus teilt mit: „Besonders erfreulich ist, dass die Individuelle Lernstandsanalyse (ILeA) für die 2. bis 6. Jahrgangsstufe bereits zum Schuljahresbeginn als Online-Version (ILeA plus) zur Verfügung steht.“ 

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) findet die Pläne von Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst nicht gerade erfrischend. GEW-Landeschef Günther Fischer sagt: „Die Masse an Korrekturleistung und die Masse an Papier, die verschwendet wird, haben wir früh kritisiert.“ Die Idee vom Samstagsunterricht hält Günther Fischer für einen  Schnellschuss, der zu logistischen Problemen führen wird. „Der Schülertransport muss organisiert. Nicht überall in Brandenburg kann man sich schnell in die Straßenbahn setzen wie in Potsdam. Und wir haben für den Samstagsunterricht nicht genug Lehrer“, kritisiert der GEW-Landeschef.

*Name geändert