Torsten Scholz (r.) mit Frau Daniela Scholz und Sohn Christian Scholz (l.) vor dem Laden. Foto: Matthias Koch

Köpenick Beim Bundesligisten 1. FC Union ruht der Spielbetrieb. Und das macht auch den Partnern des Vereins Probleme. Stellvertretend nannte Präsident Dirk Zingler auf einer Pressekonferenz die Bäckerei Scholz.„Ich habe Frau Scholz getroffen, die uns seit Jahren mit Brötchen beliefert“, sagte Zingler. „Für die fällt ein riesengroßer Kunde weg. Fußball ist ein großer Wirtschaftszweig und Ernährer von Menschen. Um die mache ich mir Sorgen.“

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Ein Besuch beim Familienunternehmen Scholz. Im Geschäft an der Müggelheimer Straße, Ecke Wendenschloßstraße herrscht Betrieb. „Die Leute kaufen Brot wie die Bekloppten, um es einzufrieren. Das dürften Hamsterkäufe sein. Wir verkaufen auch mehr H-Milch. Da ist ganz viel Panik dabei“, sagt Bäckermeister Torsten Scholz. Fast im Minutentakt klingelt in der Bäckerei das Telefon. Das Geschäft mit Krankenhäusern wird schwieriger. Bistros schließen, weil sie keine Besucher mehr empfangen dürfen. Der RBB in der Masurenallee hat seine Bestellungen um die Hälfte gekürzt, weil auch dort etliche Beschäftigte jetzt von zu Hause aus arbeiten. Höffner Berlin fällt als Kunde vorerst ebenso weg.

Ausfallkosten pro Spiel zwischen 2500 und 4000 Euro

Zu den Fußballern aus seinem Stadtbezirk hat Torsten Scholz aber eine besondere Beziehung. Er ist Fan und Sponsor der Eisernen – und Auftragnehmer. Der Kontakt entstand 2005 über Unions damaligen Torwarttrainer Holger Bahra. „Holger Bahra war früher Lieferant beim Großhandel. Da ist eine Freundschaft entstanden. Irgendwann stand er im Laden und sagte, dass er jetzt bei Union arbeitet“, erinnert er sich.

Scholz liefert in dieser Saison pro Heimspiel 3500 bis 4000 Schrippen, 50 bis 80 Brote und 500 bis 600 Stück Kuchen. Scholz beziffert die Ausfallkosten pro Spiel auf 2500 bis 4000 Euro. Für Trainingstage mit Vormittagseinheiten ordert auch Mannschaftsleiterin Susanne Kopplin Brötchen. „Das sind kleinere Bestellungen für 20 bis 25 Euro. Aber das summiert sich auch. In zwei Monaten kommen mit den Spielen 15.000 bis 20.000 Euro zusammen“, sagt Scholz.

Theoretisch sollen die Union-Kicker am Freitag wieder gemeinsam trainieren. Für Sonnabend ist eine Früheinheit geplant, für die dann auch Brötchen aus dem Hause Scholz gebraucht würden. Aber was ist in Zeiten der Corona-Krise schon sicher. „Die Angestellten wollen trotzdem ihr Geld haben. Energie- und Mietkosten sowie Kredite laufen weiter“, sagt Torsten Scholz.