Die Mädchen der Gruppe „Dö Kaasawinkla Reit im Winkl“ stoßen im Dirndl auf der Grünen Woche an.
Die Mädchen der Gruppe „Dö Kaasawinkla Reit im Winkl“ stoßen im Dirndl auf der Grünen Woche an. dpa/Riedl

Sich innerhalb weniger Stunden einmal um die ganze Welt futtern. Das ist wieder in Berlin möglich. Nach zwei Jahren Zwangspause öffnet Deutschlands größte Fressmeile, die Grüne Woche, ab kommendem Freitag (20. Januar) wieder für Besucher. Die internationalen Aussteller aus 65 Ländern versprechen eine Weltreise von A wie Ägypten und Algerien bis V wie Venezuela und Vietnam. KURIER verrät hier die Highlights, was Sie wo finden und was es kostet. 

Lesen Sie auch: Schön, schöner, Schönhauser Allee – neuer Radstreifen im Frühling. Parkplätze müssen weichen>>

Aufgepasst, hier kommt das Walachenschaf: Feingliedrig, mittelgroß, „mit wachem Ausdruck“, so beschreibt die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen die osteuropäische Schafart. Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin, die  vom 20. bis zum 29. Januar wieder ihre Tore öffnet, soll das Schaf als „Gefährdete Nutztierrasse des Jahres 2023“ gekürt werden. Der große traditionelle Treff der Ernährungsbranche soll aber auch wieder viele Neugierige zum Probieren und Informieren anlocken – auch in schwierigen Zeiten.

Grüne Woche, das heißt: Riechen, sehen, fühlen, schmecken und genießen

„Auf der Grünen Woche kann man Lebensmittel riechen, sehen, fühlen, schmecken, genießen“, sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied. Die Messe zeige die Vielfalt der landwirtschaftlichen Erzeugung. Das Motto des Bauernverbands: „Klima schützen, Artenvielfalt erhalten, Ernährung sichern“. Rund 400.000 Besucher und 1400 Aussteller zählten die Veranstalter in den Vor-Corona-Jahren.

Lesen Sie auch: Die verpatzte Berlin-Wahl und der große Faktencheck: Dauer-Chaos – und immer noch kein Ende. Denn gegen die Wiederholung laufen viele Beschwerden. Was passiert nun?>>

Für Kinder und das Fachpublikum aus der Agrarwirtschaft ist die wichtigste Leistungsschau der Branche gleichermaßen spannend. Während sich die Jüngeren auf Kühe, Pferde und einen Streichelzoo freuen, können sich die Eltern mit Weizenbier und Schweinshaxe an einem der zahlreichen Essensstände stärken.

Darf es ein bisschen schärfer sein: Meerrettich heißt in Bayern und Österreich Kren.
Darf es ein bisschen schärfer sein: Meerrettich heißt in Bayern und Österreich Kren. Messe Berlin GmbH

Machen Sie sich schon mal einen Futter-Plan: In acht Hallen stellen zwölf Bundesländer von der Küste bis zu den Alpen eine große Auswahl an heimischen Delikatessen vor. Im Ambiente der jeweiligen Landschaften, Städte und Dörfer gibt es auf dem Messegelände regionale Speisen bei Bayern (22b), Berlin (22a), Brandenburg (21a), Bremen (Halle 20), Hessen (22a), Mecklenburg-Vorpommern (6.2a), Niedersachsen (20), Nordrhein-Westfalen (5.2a), Rheinland-Pfalz (22a), Sachsen (21b), Sachsen-Anhalt (23b) und Thüringen (20).

Lesen Sie auch: „Polizei, raus hier, raus!“: Rabiat von der Straße gezerrt! So sieht es aus, wenn die Polizei die Klima-Kleber am Kleben hindert – mit Video>>

In der Bayernhalle 22b etwa gibt es Allgäuer Bergkäse, Wurstspezialitäten vom Bayerischen Strohschwein oder besondere Biere. Dazu kommt der beliebte Biergarten vom „Entenwirt“, viele bunte Musik- und Trachtengruppen sowie eine Frankenwein-Lounge.

Das ist scharf: Auch Curry 36 kommt zur Messe

In der Berlin-Halle 22a trifft dann Tradition auf Innovation: Alteingesessene Berliner Unternehmen wie Curry 36 und Schokoladenhaus Rausch sind ebenso am Start wie der Bringdienst Zoomfresh, der asiatisches Abendessen in Kochboxen liefert. Itqan Food hat sich mit Hummus und türkischen Spezialitäten einen Namen gemacht. Die Cupcake-Konditorei „Tigertörtchen“ ist die Anlaufstelle für alle Süßmäuler.

Wie hier aus Litauen: Überall werden kleine Häppchen angeboten.
Wie hier aus Litauen: Überall werden kleine Häppchen angeboten. Messe Berlin GmbH

Die bunteste Halle ist wohl die Halle 2.2. – die Blumenhalle, die diesmal unter Motto „Wild about nature“ steht. Mit Tausenden Gehölzen, Frühblühern und exotischen Kakteen. Rund 15.000 Pflanzen wachsen auf 2200 Quadratmeter Hallenfläche. Seit dem 2. Januar wird aufgebaut.

Nicht wegzudenken von der Grünen Wiche: die „Hippologica“, das Reitturnier – mit Stadionatmosphäre und einem großen Vorführring, mit Zweispänner- und Springwettbewerb. 

Vier Tage dreht sich in Halle 25 alles rund ums Pony

Kleine Mädchen und junge Frauen werden nicht um Halle 25 herumkommen: Bei der Bundeshengstschau „Sportponys“ sind vom 20. bis 22. Januar rund 90 Hengste vertreten, darunter die Rassen Deutsches Reitpony, New Forest Pony, Connemara Pony und Welsh Pony sowie Welsh Cob. Am 23. und 24. Januar ist dann die Bühne frei für rund 80 vier- bis zwölfjährige Hengste der Rassen Shetland Pony, Deutsches Part-Bred Shetland Pony, Deutsches Classic Pony, Dartmoor Pony, Dülmener, Fell Pony, Highland Pony und Mérens.

Zum Wiehern: Vom 27. bis 29. Januar 2023 lädt die Grüne Woche zur „Hippologica“ ein.
Zum Wiehern: Vom 27. bis 29. Januar 2023 lädt die Grüne Woche zur „Hippologica“ ein. Messe Berlin GmbH

Die Halle 26c setzt auf beliebte, seltene und außergewöhnliche Heimtiere. Der Verein Berliner Pro-Kat e.V. zeigt Rassekatzen wie die Sibirische Waldkatze, Somali Cornish Rex, Maine Coon, Ragdoll, Britisch Kurzhaar und Perser.

Mit einer bunten Unterwasserwelt lockt der Deutsche Verein für Aquarien- und Terrarienkunde e.V., Sektion Berlin-Brandenburg. Hier geben Experten hilfreiche Tipps für die artgerechte Haltung – vom richtigen Futter über geeignete Luft- und Temperaturverhältnisse bis hin zu Tricks zur Aquariensäuberung.

In Halle 26c tanzen die Hunde

Tägliche Hundevorführungen laufen auf einer Aktionsfläche. Mit Schäferhund, Pudel, Eurasier, Husky, ungarische Hirtenhund, Dalmatiner und Foxterrier. Neu mit dabei sind die Bernhardiner sowie die britischen Hütehunde. Premiere feiert auch die Hundeschule Boese mit ihrem Dogdancing.

Den Fachbesuchern geht es hingegen vor allem um einen Austausch über akute Themen der Branche. Nach zwei Jahren ohne Grüne Woche, dem russischen Angriff auf die Ukraine und überall höheren Preisen gibt es viel zu besprechen. Bei den Geschäftserwartungen für 2023 bleiben die Landwirte, die ohnehin nicht zu euphorischen Prognosen neigen, lieber zurückhaltend. „Die Unsicherheiten sind groß“, sagt Rukwied.

Lesen Sie auch: Geniales Rezept zum Abendessen: Kennen Sie schon den 7-Tassen-Salat? Hier sind nur die leckersten Sachen drin!>>

Energie und Dünger wurden seit dem Ukraine-Krieg deutlich teurer. Und die Kosten können auch noch stark schwanken, ebenso wie die zu erzielenden Preise für Weizen und Co. „Da braucht man am Ende natürlich ein Stück weit eine glückliche Hand, um im richtigen Moment einzukaufen und im richtigen Moment zu verkaufen“, erläutert Rukwied.

Immerhin konnten sich viele Höfe angesichts der Preissteigerungen in den Supermärkten finanziell stabilisieren. Im Ende Juni abgelaufenen vergangenen Wirtschaftsjahr 2021/22 stiegen die Gewinne im Schnitt auf 79.700 Euro, wie der Bauernverband bilanzierte. Das waren 49 Prozent mehr als der schlechte Vorjahreswert, und die seien auch „dringend notwendig“, damit die Betriebe gestiegene Risiken bewältigen könnten.

Die Blumenhalle bringt Berlin schon im Januar zum Blühen.
Die Blumenhalle bringt Berlin schon im Januar zum Blühen. Messe Berlin GmbH

Tagestickets für die Grüne Woche kosten 15 Euro

Sorgenkinder der Branche bleiben die Schweinehalter. Für sie kommt noch Unklarheit auf dem politischen Feld dazu, wenn es um die Bedingungen beim angestrebten Umbau zu mehr Tierschutz im Stall geht.

Für Verbraucher ist erst mal keine Entspannung bei den stark gestiegenen Lebensmittelpreisen in Sicht. Die Branche beobachtet, dass inzwischen vor allem günstigste Produkte gefragt sind. Bei lange erfolgreichen Bioprodukten, die oft mehr kosten, gab es 2022 wohl einen Dämpfer, wie der Bauernverband ermittelte. Die lange relativ niedrigen Lebensmittelausgaben der Haushalte könnten noch ein bisschen zulegen, machte Rukwied deutlich. „Aber nach wie vor sind Lebensmittel in Deutschland günstig einzukaufen.“

Doch auf der Grünen Woche soll es noch um mehr gehen. Die Entwicklung ländlicher Regionen, Biokraftstoffe oder die Rolle Osteuropas und Zentralasiens für die globale Ernährungssicherheit stehen auf Fachkongressen im Mittelpunkt. Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) lädt Amtskollegen aus aller Welt zu einer Konferenz.

Die Grüne Woche eröffnet am 20. Januar nach zwei Jahren Corona-Pause wieder.
Die Grüne Woche eröffnet am 20. Januar nach zwei Jahren Corona-Pause wieder. Messe Berlin GmbH

Schon lange ist die Messe auch ein Ansatzpunkt für diejenigen, denen Zustände in der konventionellen Landwirtschaft große Sorgen bereiten. Nach zwei Jahren Pause sollen am 21. Januar wieder Hunderte Traktoren des Bündnisses „Wir haben es satt“ durch die Hauptstadt rollen. Der Zusammenschluss aus Landwirten und Verbrauchern setzt sich für den Erhalt von Höfen sowie für „konsequenten Klima- und Tierschutz“ ein. Tausende Menschen erwartet die Initiative zur Abschlusskundgebung vor dem Brandenburger Tor.

Lesen Sie auch: Das Wetter dreht durch! Heftiger Wintereinbruch erwartet: Meteorologe warnt vor Schnee-Gewittern und mit „Whiteout“>>

Nachhaltigkeit soll auch einer Messesprecherin zufolge auf der Publikumsmesse ein Schwerpunktthema werden: Für die Tiere sind mehr Platz und wiederverwendbare Gehege aus Holz vorgesehen. Besucher können sich demnach in verschiedenen Workshops auf der Messe mit dem Thema auseinandersetzen.

Die Internationale Grüne Woche findet vom 20. bis 29. Januar statt. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr. Freitag, der 27. Januar ist der lange Freitag der Grünen Woche, hier können Besucher bis 20 Uhr die Grüne Woche entdecken. Tickets kosten 15 Euro, ermäßigt 10 Euro, in der Happy Hour (Montag bis Freitag ab 14 Uhr) 10 Euro. Für die Familien-Tageskarte (max. 2 Erwachsene + 3 Kinder bis 14 Jahre) müssen 31 Euro gezahlt werden.