Der Sieger: Mit dem Entwurf für einen Neubau mit heller Fassade neben dem denkmalgeschützten Bestandsgebäude hat das Büro rw+ Gesellschaft von Architekten den Wettbewerb für ein neues Labor- und Verwaltungsgebäude des Umweltbundesamts Unter den Eichen gewonnen. Foto: rw+ Gesellschaft von Architekten mbH

„Lieber den Bestand verbessern, als neu bauen“ empfiehlt das Umweltbundesamt (UBA) in einer Broschüre mit dem Titel „Nachhaltiges Bauen und Wohnen“. Bei einem seiner eigenen aktuellen Bauprojekte hält sich das Umweltbundesamt aber nicht daran. Am sogenannten Dahlemer Dreieck in Steglitz-Zehlendorf, einem Areal zwischen der Straße Unter den Eichen, Boetticher Straße und Thielallee, soll ein Gebäude aus den 1960er-Jahren für ein neues Labor- und Verwaltungsgebäude des UBA abgerissen werden. Das ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, der Ende Mai entschieden wurde. Der Neubau soll an ein denkmalgeschütztes Gebäude angebaut werden, das saniert werden soll. Gewonnen hat den Wettbewerb das Büro rw+ Gesellschaft von Architekten aus Berlin. Ihr Konzept sieht ein Gebäude aus drei aufeinander gestapelten Kuben mit einer Fassade aus hellen Fertigbetonplatten vor.

Fassade erfülle nicht die heutigen energetischen Anforderungen

Das Umweltbundesamt verteidigt die Abrissplanung gegen Kritik. „Immer da wo es sinnvoll und möglich ist Bestandsgebäude weiterzuführen, praktiziert das Umweltbundesamt dieses Vorgehen“, erklärt eine Sprecherin. Grundsätzlich sei die Verlängerung der Nutzungsdauer vorhandener Gebäude durch Modernisierung und Weiterverwendung oder Umnutzung ein Weg zur Ressourcenschonung und Umweltentlastung. Dieses Vorgehen müsse aber „in einem sinnvollen Kontext“ stehen. Das Haus aus den 1960er-Jahren sei vorher untersucht worden. Dabei sei deutlich geworden, dass in dem Gebäude „nicht das notwendige Potenzial für die Herrichtung von hochtechnisierten und normgerechten Laborflächen, die über die 20er-Jahre unseres Jahrhunderts hinaus Bestand haben sollen, steckt.“ Gründe seien „unter anderem nicht ausreichende Raumhöhen, nicht zeitgemäße Laborraumraster, zu geringe Technik- und Installationsflächen“, so die Sprecherin. Zudem erfülle die bestehende Fassade nicht die heutigen energetischen Anforderungen.

Soll abgerissen werden: Das Gebäude aus 1960er-Jahren, das für die geplante Nutzung angeblich nicht geeignet ist. 
Foto: Volkmar Otto

Im Wettbewerb seien keine verbindlichen Vorgaben zum Abriss festgelegt worden, teilt das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) auf Anfrage mit. „Es oblag den Entwurfsverfassern, überzeugende Lösungen für die komplexe Aufgabenstellung zu unterbreiten“, so ein BBR-Sprecher. In zwei der 22 Wettbewerbsentwürfe hätten die Architekten den Erhalt von jeweils drei Geschossen des Bestandsgebäudes vorgesehen. Dies sei durch die Jury zwar als „sehr positiv wahrgenommen“ worden, doch hätten die Entwürfe in der Gesamtbetrachtung „nicht vollends überzeugen“ können. Einer der Entwürfe sei aber „insbesondere aufgrund des Ansatzes, Teile der Gebäudesubstanz zu erhalten, mit einer Anerkennung ausgezeichnet“ worden.

Denkmalschützer üben Kritik

Dabei handelt es sich um den Entwurf des Büros Behnisch aus Stuttgart. Die Stuttgarter erhalten in ihrem Entwurf nicht nur einen Teil des 1960er-Jahre- Baus. Ihr Entwurf versucht auch deutlich stärker in Farbe und Form zwischen Altbau und geplantem Neubau zu vermitteln, während der Wettbewerbssieger auf den scharfen Kontrast zwischen den Gebäuden setzt. Das Preisgericht findet diese klare Architektursprache aber offenbar gut. In seiner Beurteilung lobt es jedenfalls die „Eigenständigkeit und signifikante Adressbildung des UBA durch den Neubau“ als „außerordentlich positiv“. Denkmalschützer sind dagegen weniger erfreut. „Seitens des Denkmalamtes und der Stadtplanung bestehen Bedenken bezüglich der städtebaulichen Einfügung des Gebäudes“ – unter anderem „hinsichtlich der Konkurrenz zwischen Neu- und Altbau“, heißt es laut Beurteilung des Preisgerichts. Im Sinne der Genehmigungsfähigkeit müsse der Entwurf in Abstimmung mit Denkmalamt und Stadtplanung überabreitet  werden.

Bekam eine Anerkennung: Der Entwurf des Büros Behnisch aus Stuttgart. Zumindest drei Geschosse des Hauses aus den 1960er-Jahren sollten danach erhalten bleiben. Bei der äußeren Gestaltung orientieren sich die Stuttgarter stärker am denkmalgeschützten Nachbargebäude.  Foto: Behnisch Architekten Partnerschaft mbB, Stuttgart

Das 1974 gegründete Umweltbundesamt ist die zentrale Umweltbehörde des Bundes mit Hauptsitz in Dessau-Roßlau. Dort arbeiten gut 970 der rund 1600 Mitarbeiter. Weitere Standorte hat das Umweltbundesamt in Berlin, Bad Elster (Sachsen), Langen (Hessen) und Salzgitter (Niedersachsen). Die in Berlin ansässigen Einrichtungen des UBA sollen zukünftig an zwei Standorten in Marienfelde und Grunewald konzentriert werden. An beiden Standorten stehen jedoch Arbeiten aus. Das Bauvorhaben am sogenannten Dahlemer Dreieck dient deswegen nur der vorübergehenden Unterbringung mehrerer Forschungsbereiche des UBA. Anschließend sollen die Flächen an andere Bundeseinrichtungen vermietet werden.

Für Neubau und Sanierung des Standorts Unter den Eichen ist laut Ausschreibung eine Kostenobergrenze von 39,5 Millionen Euro festgelegt worden. Im Jahr 2026 will das UBA dort die Arbeit aufnehmen. Eine „zeitnahe“ Fertigstellung des Projektes ist nach Angaben des UBA notwendig, da die derzeitigen Arbeitseinheiten überwiegend im Hauptgebäude am benachbarten Corrensplatz untergebracht sind,  in dem eine Generalsanierung „sehr dringend erforderlich“ sei.  Die Sanierung des Hauptgebäudes am Corrensplatz könne nicht solange warten, bis die Baumaßnahmen am Standort Berlin Marienfelde fertiggestellt seien. Dafür sei der Sanierungsbedarf zu groß. Außerdem gebe es für die beabsichtigen Baumaßnahmen in Marienfelde noch „kein verlässliches Fertigstellungsdatum“.