Endlich lächelt sie wieder: Monique M. kann ihre Kneipe am Dienstag wieder öffnen. Foto: Sabine Gudath

Rund 1500 Berliner feierten am Landwehrkanal eine riesige Party, dicht an dicht, ohne Masken, ohne Abstand. Sie gefährdeten damit nicht nur sich selbst, sondern auch die Existenzen zahlreicher Berliner: Vielen Kneipenwirten, Einzelhändlern und Veranstaltern dürfte im Fall eines neuen Lockdown das wirtschaftliche Aus drohen. Dabei durften sie gerade erst jubeln - weil sie endlich wieder Geld verdienen dürfen.

Lange musste Monique M. bangen - doch nun gibt es endlich wieder einen Hoffnungsschimmer: Die Berliner Kneipen-Wirtin, deren Lebensgefährte 2015 erschossen wurde und die nun um ihr Lokal „Attenzione“ in der Oderbruchstraße kämpfte, kann ihren Laden wieder öffnen! „Wir sind total happy über die Entscheidung, die nun endlich getroffen wurde“, sagt sie dem KURIER. „Und auch meine Mitarbeiter, die ich zwischenzeitlich entlassen musste, freuen sich, dass sie nun endlich ihre Familie wiederhaben.“ Und auch für die Gäste sei die Freude groß. „Denn es gibt Menschen, die allein leben, niemanden haben - für sie ist die Kneipe ein wichtiger Anlaufpunkt. Auch, um einfach mal einen Kaffee zu trinken und zu quatschen“, sagt die Wirtin. Doch am größten ist die Freude bei Monique selbst. „Endlich hat sie wieder ein Lächeln im Gesicht - in den letzten Monaten gab es keine Perspektive, dieses ständige Gefühl der Nutzlosigkeit“, sagt Oli K., Moniques neuer Lebensgefährte. „Ich habe ihr deutlich angemerkt, dass ihr ein riesiger Stein vom Herzen fiel.“

Monique M. musste ihre Kneipe, wie alle anderen Wirte, zu Beginn der Krise schließen, um die eigene Existenz fürchten. Nun geht es endlich weiter, wenn auch unter Auflagen. „Ich habe mich direkt mit Desinfektionsmitteln und anderem Zubehör eingedeckt. An unserem Tresen darf niemand mehr sitzen, die Tische müssen auf Abstand stehen und beim Bedienen müssen wir eine Maske tragen. Aber alles ist besser als ein geschlossener Laden.“ Es werde aber nicht mehr möglich sein, die entstandenen Verluste in diesem Jahr auszugleichen. „Viele Dinge im Lager, beispielsweise Milch und Kaffeesahne, sind ja inzwischen schlecht geworden, müssen nun neu eingekauft werden. Wir haben also einiges zu tun. “

Flohmarkt-Chefin Regina Pröhm darf wieder trödeln - wenn auch unter bestimmten Regeln. Foto: Sabine Gudath

Nach fast zwei Monaten Zwangspause darf Regina Pröhm (55) wieder trödeln. Mit ihrem Mann Michael Schrottmeyer (55) veranstaltet sie seit Jahren die Flohmärkte am S-Bahnhof Friedrichshagen und am Ostbahnhof, die zu Pfingsten trotz Corona-Krise wieder an den Start gingen. „Wir waren überglücklich, als wir dafür die Erlaubnis vom Senat bekamen“, sagt Pröhm. „Bisher konnten ja nur Wochenmärkte weiter machen. Die Flohmärkte mussten ab März schließen.“ So fiel am 1. Mai etwa der traditionelle Riesenflohmarkt am Ostbahnhof aus, der bekanntlich viele Berliner und Touristen anlockt (KURIER berichtete). 

„Die Zwangspause brachte die Händler und auch uns in wirtschaftliche Schwierigkeiten“, sagt Pröhm, die lange für eine Wiedereröffnung der Märkte bei der Politik kämpfte. „Wir mussten von den vier Mitarbeitern zwei entlassen. Jetzt haben wir sie zum Neustart wieder eingestellt. Denn es gibt viel zu tun.“ So müssen die Veranstalter auf die Einhaltung der Abstandsregeln der Besucher achten, und dass nicht zu viele Gäste auf einmal auf den Märkten sind. Auch die Stände müssen im größeren Abstand als als sonst aufgebaut werden. Dadurch verringert sich die Zahl der Buden auf den Antikmärkten am Ostbahnhof von 120 auf 60 und in Friedrichshagen von 100 auf 50. „Wir bekamen sogar Besuch aus anderen Bundesländern, wo noch keine Flohmärkte öffnen dürfen“, sagt Pröhm. „Sie wollten sehen, wie die Märkte trotz Corona bei uns funktionieren.“   

Sänger und Schauspieler Reimund Groß arbeitete bisher auf dem Spargelfeld, nun darf er als Künstler wieder durchs Havelland Touristen führen. Foto: Friedel

Endlich darf auch Reimund Groß (57) wieder als Künstler arbeiten. Er jammerte nicht, als wegen Corona die Theater schlossen. Stattdessen schuftete der Schausspieler fast sechs Wochen als Spargelstecher in Brandenburg (KURIER berichtete). Zwar bleiben die Theater noch zu. Aber Veranstaltungen unter freiem Himmel mit 150 Personen sind erlaubt. „So kann ich endlich wieder auf die Bühne“, sagt Groß. Diese ist das Havelland, wo der Schauspieler mit dem Kollegen Gernot Frischling in Ribbeck wieder an den Wochenenden die szenischen Touristen-Führungen „Von Birnen und Menschen“ aufführen kann. „Ab 6. Juni starten wir mit maximal 150 Besuchern“, sagt er. „Zwar machte  das Spargelstechen Spaß. Aber nun freue ich freue mich riesig,  wieder in meinem Beruf arbeiten zu dürfen.“