Die kranken Vögel hatten Glück im Unglück: Sie wurden gerettet, werden nun mit großem Aufwand im Tierheim gesund gepflegt. Foto: Berliner KURIER/Gerd Engelsmann

Immer wieder berichtet der KURIER über den illegalen Welpenhandel, der auch in Berlin ein großes Problem ist, doch die skrupellosen Tier-Dealer haben es nicht nur auf süße Hunde-Babys abgesehen. Wenige wissen: Auch mit Vögeln wird gehandelt! Unzählige Kanarienvögel leben etwa momentan im Berliner Tierheim – sie wurden erst kürzlich aus den Wohnungen von zwei Vogel-Händlern befreit.

Nicht nur das Geschäft mit Welpen, sondern auch der Handel mit Kanarienvögeln boomt. Besonders begehrt sind die sogenannten Positurkanarien – also Vögel, bei denen Federkleid oder Körperhaltung besonders schön gezüchtet werden, die nur zum Anschauen gedacht sind.

Gleich zwei Vogelhändler flogen dank Ermittlungen der Tierschützer in der letzten Zeit auf. Ein Fall spielte sich in Pankow ab, erzählt Tierschutzberater Alexander Heymann. „Hier bekamen wir einen Hinweis von einer Frau, die auf einer Kleinanzeigenseite im Netz nach Kanarienvögeln gesucht hatte“, sagt er. Sie wunderte sich über Fotos, die in einer Anzeige zu sehen waren. Darauf: Überfüllte Käfige, in denen die Tiere nicht artgerecht gehalten wurden. „Wir gingen dem Fall nach, fanden in Absprache mit den Amtstierärzten die Adresse des Verkäufers heraus.“

Ein Bild des Schreckens: Viele der Vögel sind jetzt noch so krank, dass sie mit Medikamenten behandelt werden müssen. Foto: Berliner KURIER/Gerd Engelsmann

In Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt wurde dem Verkäufer ein Besuch abgestattet. Vor Ort: Ein schockierendes Bild. Insgesamt 61 Kanarienvögel und zwei Nymphensittiche hielt er in seiner Wohnung – in völlig vollgestopften und verdreckten Käfigen, die überall verteilt waren. Der Verkäufer witterte offensichtlich das große Geschäft: 25 Euro wollte er für eines der Tiere haben. Die Vögel wurden beschlagnahmt, kamen ins Tierheim, mussten aber allein aus Platzgründen bereits auf andere Tierheime verteilt werden.

Schon kurze Zeit später der nächste Fall: Auf der gleichen Kleinanzeigen-Seite im Internet stießen die Tierschützer auf einen Händler aus Marzahn-Hellersdorf. In seiner Wohnung Kanarienvögel, gezüchtet für den Verkauf. „Auch sie lebten in zu kleinen und verdreckten Käfigen, nahezu alle waren krank, teilweise von Milben befallen“, sagt Tierschutzberater Michael Breest, der sich um den Fall kümmerte. Da es sich um Positurkanarien handelte, lag der Preis weitaus höher: Für 250 Euro pro Stück sollten die Tiere den Besitzer wechseln. Zunächst gab der Händler an, nur acht Vögel zu halten, doch als diese sichergestellt waren, hörte das Piepsen nicht auf. Weitere Käfige wurden dann etwa auf dem Balkon entdeckt. Die Bilanz am Ende: 56 Kanarienvögel wurden beschlagnahmt.

Das Federkleid ist völlig zerrupft: Vielen Tieren sieht man noch an, unter welchen miserablen Bedingungen sie leben mussten. Foto: Berliner KURIER/Gerd Engelsmann

Besonders traurig: „Als wir die Vögel aus der Wohnung holten, trafen wir Nachbarn, die sagten: Endlich passiert mal was“, sagt Breest. Sie hatten sich offenbar lange an den Geräuschen der Tiere gestört, aber nichts unternommen. Der Tierschutzberater rät: „Wer in seiner Nachbarschaft solche Dinge bemerkt, sollte sich auf jeden Fall an den Tierschutzverein wenden oder das Veterinäramt des Bezirkes informieren.“

Bei den sogenannten Positurkanarien wird das Federkleid in Form gezüchtet. Foto: Berliner KURIER/Gerd Engelsmann

Die Vögel leiden unter der Haltung noch jetzt: „Alle sitzen noch in der Quarantäne-Station – und alle sind noch in medizinischer Behandlung“, sagt Tierheim-Sprecherin Annette Rost. Sechs der Vögel ging es zwischenzeitlich so schlecht, dass sie neben einem Mittel gegen den Milbenbefall auch Schmerzmittel und ein Antibiotikum bekommen mussten. Rost: „Die Rote Vogelmilbe konnte erfolgreich behandelt werden, jedoch sind die Vögel nicht vermittlungsfähig, da sie an einem speziellen Stamm von Viren erkrankt sind.“ Für das Tierheim bedeute das einen immensen Aufwand und hohe Kosten.

Das Tierheim geht in der letzten Zeit verstärkt gegen Tierhändler vor. „Wir schreiben Menschen, die auf den einschlägigen Seiten im Internet nach Welpen suchen, gezielt an und schicken ihnen ein Informationsschreiben zum Thema“, sagt Rost. Sie appelliert an alle, die auf solche Angebote im Netz eingehen wollen. „Tiere sind Lebewesen mit Gefühlen und Bedürfnissen. Unterstützen Sie nicht die Machenschaften der illegalen Händler, sondern wenden Sie sich unbedingt an einen guten Tierschutzverein oder einen seriösen Züchter – auch wenn es auf diese Weise vielleicht länger dauert, bis Sie einen Hund bekommen.“