Ein Arzt zeigt einen Tuberkulose-Fall anhand eines Röntgenbildes in seinem Büro im Tuberkulosezentrum (Symbolfoto). Foto: Gregor Fischer/dpa

Immer weniger Berliner erkranken an Tuberkulose. 2019 wurden nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) 361 Fälle registriert, im Jahr davor waren es noch 397. Damit wurden im vergangenen Jahr so wenig Fälle registriert wie zuletzt im Jahr 2014. In den ersten vier Monaten des Jahres 2020 wurden in Berlin bereits knapp 90 weitere Fälle registriert. Um das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu erreichen, Tuberkulose bis 2050 zu eliminieren, ist nach Experten-Meinung ein jährlicher Rückgang um zehn Prozent erforderlich. In Berlin lag die Quote im vergangenen Jahr bei rund neun Prozent.

Im Schnitt waren 9,63 von 100.000 Einwohnern infiziert. In Steglitz-Zehlendorf und Mitte erkrankten verhältnismäßig viele Menschen (je rund 10 von 100.000). Durchschnittlich die wenigsten Infektionen hatten Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick (je rund 5) und Pankow (knapp 6). Die höchste Rate gab es aber wie schon seit Jahren im Bezirk Lichtenberg (36). Dort befindet sich das Gesundheitsamt für Tuberkulose, das auch Menschen ohne festen Wohnsitz registriert - was die hohe Zahl erklärt.

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Besonders in Flüchtlingsheimen besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko 

Oft treten bei Tuberkulose sogenannte Cluster auf: Wenn eine Person erkrankt, sind auch die Familie, Freunde oder Mitbewohner in einer Gemeinschaftsunterkunft betroffen, erklärt Ralf Otto-Knapp vom Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) die regionalen Unterschiede. Besonders Wohnheime für Geflüchtete, wo viele Menschen auf engem Raum leben, seien ein Risiko. Dort werden Röntgenuntersuchungen gemacht, bevor Leute aufgenommen werden. So soll Tuberkulose in der Lunge, wo rund 90 Prozent der Fälle auftreten, ausgeschlossen werden.

Otto-Knapp betont, dass die Fallzahlen in Deutschland im weltweiten Vergleich sehr gering sind. 2019 erkrankten 4789 Menschen, zwölf Prozent weniger als im Jahr davor. Weltweit gibt es laut DZK rund zehn Millionen Erkrankte, pro Jahr sterben rund 1,5 Millionen Menschen an einer Tuberkulose-Infektion - also rund 4000 Menschen pro Tag.

«Um bei den aktuell niedrigen Fallzahlen in Deutschland weitere Erfolge zu erzielen, muss man an die sogenannten latent Infizierten ran», sagt Otto-Knapp. Das heißt, dass Träger des Erregers präventiv behandelt werden müssen, bevor die Krankheit ausbricht. Dazu gebe es Präventionskampagnen.

Tuberkulose ist behandelbar, aber langwierig

Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird. Häufig wird die Krankheit von Mensch zu Mensch durch Einatmen von infektiösen Tröpfchen übertragen. Man müsse etwa acht Stunden in einem Raum mit einer erkrankten Person gewesen sein oder besonders intensiven Kontakt wie Mund-zu-Mund-Beatmung gehabt haben. Die Krankheit ist in der Regel gut behandelbar - aber langwierig. Mindestens sechs Monate lang müssen Infizierte behandelt werden.

2015 gab es bei der Tuberkulose wie auch bei anderen Krankheiten einen ungewöhnlichen Anstieg. Das ist auch auf die Einwanderung, die in diesem Jahr besonders stark war, zurückzuführen. Geflüchtete stecken sich den Angaben nach oft während ihrer Flucht oder in Sammellagern an. Und Infektionskrankheiten übertragen sich da besonders schnell, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben müssen.