Psychologie-Studentin Hedda Heß beim Eislaufen im Urbanhafen am Landwehrkanal in Kreuzberg.

Foto: Berliner Kurier/Benjamin Pritzkuleit

Hedda Heß schnürt noch kurz die Schlittschuhe zu. Dann dreht die 25-Jährige ihre Pirouetten auf der Eisfläche mitten im Urbanhafen in Kreuzberg. Dort laufen auch am Montagmittag Dutzende Menschen dort herum, wo normalerweise nur Wasser ist. „Heute hat es noch minus 1 Grad, ab Morgen geht es in den Plusbereich“, sagt Heß kurz vor Abfahrt, „wenn das Eis schmilzt, dann brauche ich auch nicht mehr drauf.“

Nachdem am Wochenende Hunderte Menschen auf den gefrorenen Gewässern Berlins unterwegs waren, schien der Montag für viele Mutige die letzte Gelegenheit, sich nochmal aufs Eis zu wagen. Am Dienstag soll der Schnee dann bei Temperaturen zwischen zwei und sechs Grad allmählich in Regen übergehen, durch das Tauwetter steigt die Gefahr von Einbrüchen in vereisten Seen, Flüssen oder Kanälen, wo das Eis dünner wird.

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Am Montag ist, bei bewölktem Himmel und Temperaturen um den Gefrierpunkt, auf dem Landwehrkanal in Kreuzberg nicht so viel los wie am Wochenende, als sogar ein DJ seine Lautsprecher auf dem Eis am Görlitzer Park aufgebaut hatte. Doch es sind wieder Familien mit Kindern und Schlitten unterwegs, Fahrradfahrer, Jogger, Schlittschuhläufer, Eishockey- und Tennisspieler, Spaziergänger und Hunde, auch im Urbanhafen.

Das Flatterband, dass die Polizei am Rand des Hafenbeckens gespannt hatte, hängt nur noch zur Hälfte und hält fast niemanden ab. Zwei Fitnesstrainer absolvieren Strecksprünge auf dem Eis, das keinen Knacks erkennen lässt. „Wir sind von der Fitnessfirma Beat 81“, sagt der Serbe Marko Bates, der soeben mit Helm auf dem Eis herumgehüpft ist. „Wir können ja gerade nur Online-Kurse anbieten, also filmen wir etwas Material für das Internet.“ Der rutschige Untergrund sei da eine Herausforderung. Die Stimmung auf dem Eis ist heiter.

Fitnesstrainer Marko Bates von Beat 81 traut sich sogar Sprünge auf dem Eis zu. Foto: Berliner Kurier/Benjamin Pritzkuleit

Psychologiestudentin Heß berichtet, ihr „am Anfang schon mulmig“ gewesen auf dem Eis. Zunächst habe sie sich nur in die Schattenbereiche gewagt, obwohl doch so viele Leute in der Mitte unterwegs waren. Seit einem halben Jahr ist sie kein Schlittschuh mehr gefahren, die Eisstadien sind ja zu. Polizei ist weit und breit nicht zu sehen. Aber zum Ufer ist es nicht weit und am Urbanhafen ist ja eine Rettungsstelle des Vivantes-Klinikums.

„Ich war die letzten zwei Tage auf der Krummen Lanke, da waren noch mehr Leute unterwegs“, berichtet Heß, zwischendurch sei ein Helikopter gekommen, der Durchsagen gemacht habe, „aber man wusste nicht, ob man Abstand halten oder vom Eis gehen sollte.“ Man habe nichts verstanden. „Es war einfach zu laut.“

Wie viele Einsätze Polizei und Feuerwehr am Wochenende fahren musste, können sie am Montag selbst nicht beziffern. „Ich kann es nicht mehr hören“, sagte eine Polizei-Sprecherin zur Nachfrage nach dem Eis. „In zwei Tagen ist die Chose Gottseidank vorbei.“ Es habe viele Alarmierungen gegeben, aber kaum schwere Vorfälle. Auf dem Schlachtensee brachen vier Menschen ins Eis ein, darunter ein Vater mit Kind, ohne gravierende Folgen.

Ein Polizeihubschrauber als taktisches Mittel

Zu schwerem Schaden kam auch am Montag in Berlin bis zumindest bis zum frühen Nachmittag niemand. Den schlimmsten Vorfall gab es noch am vergangenen Mittwoch, als ein 43-Jähriger beim Eisbaden im Treptower Park verunglückte. Der Mann verstarb im Krankenhaus. Viele Vorfälle landen dabei gar nicht erst bei den Rettungsstellen, weil sich die Betroffenen selber befreien, oder werden nicht eigens in Berichten festgehalten.

Grundsätzlich ist es in Berlin nicht verboten, Eisflächen zu betreten, auch wenn Polizei und Feuerwehr sie nicht freigeben und streng davon abraten. „Wir können die Leute nur warnen“, sagt eine Sprecherin. Als „taktisches Mittel“ setze man einen Polizeihubschrauber ein, wo Warnungen vom Ufer aus nicht erfolgreich oder sinnvoll sind, an Seen beispielsweise. Auch am Montag stand der Helikopter für den Bedarfsfall zumindest bereit.

Eis begehrt. Auch am Montag waren zahlreiche Spaziergänger und Sportler auf dem Landwehrkanal unterwegs. Foto: Berliner Kurier/Benjamin Pritzkuleit

Auch bei der Feuerwehr zieht man als Bilanz vom Wochenende, dass „zum Glück niemand schwerer zu schaden gekommen ist“, wie ein Sprecher sagt, auch wenn man viele Einsätze gefahren sei, „wie bei jeder Wetterlage.“ Es hätten einige Bürger angerufen und gefordert, dass man die Unbelehrbaren dringend vom Eis holen solle.

Das Eis zum Begehen freigeben, wie etwa die Binnenalster in Hamburg, könne in Berlin ohnehin nur ein Gewässer-Amt, heißt es bei Polizei und Feuerwehr. Doch dafür gäbe es gar keine Experten, die Probebohrungen durchführen könnten, um einzuschätzen wie dick das Eis ist.

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Ein Feuerwehr-Sprecher fürchtet in den kommenden Tagen könnten sich bei wärmeren Temperaturen vermehrt Kinder auf das Eis trauen. „Das wird aber nicht mehr so tragfähig sein.“ Mit bloßen Augen sei oft nicht zu erkennen, wie dick das Eis sei, das hänge auch von Strömungen und Sonneneinstrahlung ab.

Spätestens am nächsten Wochenende dürfte es vorbei sein mit dem Eisspaziergängen, dann werden Temperaturen von bis zu 14 Grad erwartet.