Für medizinisches Personal in Kliniken und Pflegeheimen gilt auch in Berlin eine Impfpflicht. epd/Lohnes

Im Bundestag ist am Donnerstag nach langem Hickhack eine bundesweite Impfpflicht gescheitert, für medizinisches Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen gilt sie aber schon seit dem 15. März. Und doch sind in Berlin bis heute noch nicht alle Mitarbeiter im medizinischen Bereich geimpft. Stichproben ergaben, dass 94 Prozent aller medizinischen Mitarbeiter der Charité und 96 Prozent in den Häusern des landeseigenen Vivantes-Konzerns geimpft sind. Über mögliche Betretungs- und Beschäftigungsverbote für Nichtgeimpfte gibt es aber noch keine Angaben.

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„Erste vorliegende Meldezahlen werden derzeit durch das Lageso bearbeitet und geprüft“, erklärt ein Sprecher von Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne). Erst wenn aus dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) verlässliche Daten vorlägen, werde die Gesundheitsverwaltung darüber informieren. „Die Impfquote für vollständig Geimpfte liegt einer Abfrage unserer Verwaltung zufolge in den Berliner Krankenhäusern zwischen 82 und 100 Prozent und bei den Beschäftigten in Pflegeeinrichtungen bei rund 90 Prozent.“

In der Charité sind 94 Prozent des medizinischen Personals geimpft

Die Charité spricht von einer Impfquote von 94 Prozent beim medizinischem Personal. „Wir haben in der bisherigen Pandemie die am schwersten Erkrankten in Berlin und Brandenburg versorgt, dadurch haben viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unmittelbar erlebt, welche Folgen eine Covid-19-Infektion mit sich bringen kann“, erklärte ein Sprecher.

Bei anderen Beschäftigten lägen aber zum Beispiel Kontraindikationen vor, sie konnten sich nicht impfen lassen. „Wieder andere haben aktuell aufgrund eines Sabbaticals, Elternzeit und anderer Abwesenheit noch keinen aktuellen Impfstatus vorgelegt“, so der Sprecher.

In den Häusern des landeseigenen Vivantes-Konzerns liege die Impfquote unternehmensweit bei über 96 Prozent. „Es wurden aktuell noch keine Betretungsverbote oder Ähnliches von den zuständigen Gesundheitsämtern zugestellt“, sagt eine Sprecherin. Vivantes versuche, auch die Mitarbeiter noch zu überzeugen, die noch nicht geimpft sind. Es würden weiterhin Impfungen angeboten.

„Die übergroße Mehrheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist voll immunisiert, und für diese hohe Impfbereitschaft sind wir sehr dankbar“, teilt eine Helios-Sprecherin mit, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Im Sana Klinikum Lichtenberg sei die „überwältigende Mehrheit“ der Mitarbeitenden vollständig geimpft, so ein Sprecher.

94 Prozent des medizinischen Personals der Charité sind bisher geimpft. dpa/Carstensen

Im Gesundheits- und Pflegebereich gilt seit 15. März eine einrichtungsbezogene Corona-Impfpflicht. In Berlin bewerten die Gesundheitsämter, wie stark die Gesundheitsversorgung in einem bestimmten Bereich oder Bezirk gefährdet sein könnte. Sie können ein Verfahren gegen die Ungeimpften notfalls aussetzen. Es werden also nicht automatisch Betretungs- oder Tätigkeitsverbote für diese Beschäftigten ausgesprochen, sondern sie dürfen in bestimmten Fällen zunächst weiter arbeiten.

Impfpflicht: Die Gesundheitsämter fordern fehlende Nachweise bei den Beschäftigten an.

Das Lageso prüft die Daten aus den Einrichtungen und gibt die Informationen zur Impfsituation der Beschäftigten und zu drohenden Engpässen an die Gesundheitsämter der Berliner Bezirke weiter. Die Gesundheitsämter fordern fehlende Nachweise bei den Beschäftigten an. Sie helfen ihnen gleichzeitig, eine Impfberatung und eine Impfmöglichkeit zu finden.

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Die Berliner Krankenhausgesellschaft spricht sich indes für eine weiter gefasste Impfpflicht aus: „Auch in Zukunft darf die Gesundheitsversorgung nicht an ihre Grenzen kommen – und Krankenhauspersonal nicht immer weiter überlastet werden. Deshalb setzen wir auf alles, das Schutz bietet – und damit grundsätzlich auch auf eine allgemeine Impfpflicht“, erklärt Geschäftsführer Marc Schreiner.