Im Ballettsaal des Friedrichstadt-Palast können die Tänzerinnen und Tänzer nun für die neue Show proben.
Foto: Volkmar Otto

Mitte Wer momentan einen Blick in den Ballett-Saal des Friedrichstadt-Palast in Mitte wirft, der könnte meinen, die Pandemie sei überstanden: Hier wird wieder getanzt – und zwar end umschlungen! Die Vorbereitungen für die Show „Arise“, die im August starten soll, laufen auf Hochtouren. Aber: Wie geht Profi-Tanz in Zeiten der Pandemie? In den vergangenen Monaten wurde im Palast, aber auch an anderen Bühnen, ein neues Konzept erprobt. KURIER verrät, wie das Corona-Geheimrezept funktioniert.

Auf der Bühne wird gewerkelt, die ersten Showtreppen sind montiert, in den Werkstätten in den Katakomben des Palast-Gebäudes wird verziert, gebastelt und geklebt. Und auch im Ballettsaal kann der Theater-Fan fast wieder an ein Leben nach der Corona-Krise glauben. Hier wird getanzt, mit Körperkontakt, mit Freude! „Wir sind einfach erleichtert und fühlen uns befreit von den permanenten Sorgen der Ansteckungsgefahr unserer Tänzer und Tänzerinnen“, sagt Ballettdirektorin Alexandra Georgieva dem Berliner KURIER. „Deshalb kann ich endlich wieder strahlen!“

Im März 2020 musste der Friedrichstadt-Palast schließen

Rückblick. Im März 2020 musste der Palast, wie auch die anderen Bühnen Berlins, schließen. Man rechnete nur mit einer kurzen Pause, doch die Corona-Krise begann da erst richtig. „Wir sind schnell ins Online-Training gegangen, das Ballett probte zu Hause, jeder für sich, in Wohnzimmer oder Küche“, sagt sie. „Das hält eine gewisse Form, aber es war klar, dass wir eine Lösung finden müssen.“

Solche engen Posen wären noch vor einem Jahr unmöglich gewesen.
Foto: Volkmar Otto

Ab Mai begann das Training wieder, aber nur in Mini-Gruppen und mit Abstand. Danach die Sommerpause. „Im August kamen wir zurück, voller Hoffnung, aber die Situation war die gleiche.“ Ein neues Konzept musste her. Der Palast tat sich mit fünf anderen Häusern zusammen, es entstand das „Berliner Modell Tanz“. Mit dabei außerdem: Das HAU Hebbel am Ufer, das Maxim Gorki Theater, Sasha Waltz & Guests, Staatsballett und Volksbühne.

Ballettdirektorin Alexandra Georgieva leitet die Proben des Ballett-Ensembles im Palast.
Foto: Volkmar Otto

Damit scheint das Geheimrezept gefunden – und das geht so: „Es gab zwei Initialtestungen, PCR-Tests, die in Laboren ausgewertet wurden. Danach begann ein System mit wöchentlichen PCR-Tests“, sagt Georgieva. Das Ballett wurde dafür in Gruppen eingeteilt, jede dieser Gruppen wird zweimal pro Woche durchgetestet. Bei Anomalien folgt eine Nachtestung, um herauszufinden, welcher Tänzer oder welche Tänzerin betroffen ist. „So schaffen wir es, den- oder diejenige im ersten Stadium herauszupicken, bevor überhaupt die Gefahr einer Ansteckung besteht“, sagt sie.

Bei der Show „Arise“ wird auch das neu gebaute Wasserbecken zum ersten Mal im Einsatz sein.  Foto: Friedrichstadt-Palast

In einer Auswertung des Modells nach 100 Tagen hieß es, in den teilnehmenden Ensembles hätten seit Anfang Februar bereits Infektionen im Frühstadium ermittelt werden können. Sie wurden gemeldet, die Infektionsketten unterbrochen. Das Konzept gibt allen Beteiligten Sicherheit. Und auch Georgieva sagt: „Wir hatten bisher noch keinen einzigen Fall.“ Nun wird trainiert – dank Test-Regime sogar ohne Maske! Gut für das Ensemble. „Es ist nicht unmöglich, ab

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er belastend, beim Tanzen eine Maske zu tragen“, sagt die Ballettdirektorin. „Sie behindert die Atmung. Außerdem ist sie nach kurzer Zeit nass. Unser Ballett trainiert täglich bis zu sieben Stunden. So ein Tag ist sowieso anstrengend, aber mit Maske noch härter.“ Dass es nun weitergeht, ist auch deshalb gut, weil die Corona-Zeit selbstverständlich ihre Spuren hinterließ. „Es hat drei Monate gedauert, das Ballett wieder in die Form des vergangenen Jahres zu bringen“, sagt sie. „Die Tanzkompanie im Palast muss vielseitig sein, die unterschiedlichsten Stile beherrschen. So lange Pausen sind nicht gut.“

Der Show-Trailer der neuen Revue „Arise“.

Video: Youtube

Bis zur Premiere ist nun noch etwas Zeit. Doch dann, ab August, wird „Arise“ zu sehen sein, eine Elf-Millionen-Euro-Revue, die erneut das Leben feiert. „Jeder musste in seinem Leben schon einmal Angst haben um die eigene Gesundheit, die Menschen, die man liebt. Es gibt diese Situationen, die dem Leben plötzlich den Stecker ziehen“, sagt Intendant Berndt Schmidt. „Das Stück wird aber auch zeigen: Man soll nie aufgeben, sondern darf im Kampf zwischen Hell und Dunkel darauf vertrauen, dass am Ende das Licht gewinnt.“

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Dass es nach Corona Licht am Ende des Tunnels gibt, glaubt auch die Ballettdirektorin. „Die Pandemie ist zwar noch nicht vorbei, aber ich glaube, dass wir inzwischen ganz anders damit umgehen“, sagt Georgieva. „Wenn wir strikt und diszipliniert sind, jede und jeder für sich, dann kommen wir da durch. Und die Premiere wird es definitiv geben!“