Schauspieler Michael Pink freut sich über mehr Achtsamkeit. Foto: Robert Notsch 

Viele sind zurzeit verunsichert und erleben neue Zeiten. Nichts wird nach Corona mehr so sein, wie es war, darüber sind sich viele einig. Das Virus hat unseren Alltag schlagartig verändert. Viele bangen zu Recht um ihre Jobs und ihre Zukunft, vermissen Freunde und lockere Abende in den Kneipen und Restaurants. Aber vielleicht kann man dieser Krise auch Positives abgewinnen. Chancen erkennen, die man vorher nicht so wahrgenommen hat. Neue Erkenntnisse über sein Leben gewinnen, die Momente der Entschleunigung genießen und des Innehaltens. Viele besinnen sich plötzlich auf sich. Manche entrümpeln ihre Wohnungen, andere misten Kleiderschränke aus. Schauspieler wie James-Bond-Bösewicht Michael Pink erleben mehr Achtsamkeit in der Branche, auch wenn er sich darauf freut, endlich wieder mit seinen lachenden Kindern auf einem Spielplatz zu tollen. Seinem Kollege Harald Schrott fehlt ebenso die Nähe zu Menschen. Er überdenkt aber auch das Konsumverhalten. Schauspielerin Leslie Malton nimmt plötzlich wieder Vogelgezwitscher wahr, und erfährt, wie wichtig es ist zu helfen. Lesen Sie mal, was die Menschen trotz Corona glücklich macht.

Eine Zeit des Zusammenwachsens

Schauspieler Michael Pink (43): „Meine Tochter sagt, positiv ist, dass mehr Menschen Sport machen. Das gefällt mir, auch wenn ich nicht weiß, ob das wirklich stimmt. Aber zumindest sieht es so aus, wenn man sich in den Berliner Parks umsieht. Ich persönlich habe in der Film-Branche eine neue Achtsamkeit bemerkt. Weil wir alle im gleichen Boot sitzen, fühlen wir uns einander mehr zugehörig. Dieses Gefühl zu stärken, bietet viele Chancen für eine großartige Zukunft. Ich verbringe mehr Zeit mit meiner Familie. Auch wenn das einerseits sehr anstrengend ist, verbindet uns das auf eine ganz neue Weise. Meine größte Erkenntnis in Corona-Zeiten: Freiheit ist kostbar und diese sollte  nicht selbstverständlich sein.“

Man wird verbindlicher mit seinen Freunden

Judith Hoersch hat gelernt, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden Foto: Jeanne Degraa

TV-Hebamme Judith Hoersch (39): „Ich glaube, in der Krise liegt auch eine Chance. Man wird verbindlicher mit seinen Freunden, wird auf sich selbst zurückgeworfen und kann das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden lernen. Außerdem habe ich einen viel „geregelteren“ Alltag zum Schreiben und bin ziemlich produktiv. Wenn ich Filme drehe, bin ich ja immer unterwegs. Und: Wir wachsen als kleine Familie zusammen. Aber natürlich möchte ich bald wieder drehen! In Restaurants  sitzen. Crossfit und Yoga in Gruppen machen und nicht vor dem Bildschirm.“

Jeden Tag entschleunigt man mehr

Johann von Bülow geht zurzeit oft spazieren. Foto: Marc Vorwerk 

Schauspieler Johann von Bülow (47): „Der lang gehegte Wunsch nach Entschleunigung ist wahr geworden. Ich schaffe es von Tag zu Tag besser, die Filme zu gucken und Bücher zu lesen, für die sonst keine Zeit bleibt. Oder lange Spaziergänge zu machen. Wenn die Krise vorbei ist, freue ich mich darauf, meinen Beruf auszuüben.  Live auf einer Bühne oder am Set mit den Teamkollegen und Filme zu drehen. Kurz – unter Menschen zu sein!“

Helfen gibt einem in der Krise ein gutes Gefühl

Schauspielerin Leslie Malton freut sich über Vogelgezwitscher. Foto: Aufbau Verlag/Joachim Gern 

Schauspielerin Leslie Malton (61): „Mein Tag ist trotz Corona sehr strukturiert. Um 7 Uhr treffe ich mich mit meinen Vorstandskollegen vom Verband der Schauspieler BFFS zu einer Telefonkonferenz. Wir gehen die Aufgaben durch, die Corona uns beschert hat. Suchen nach Lösungen und Abhilfen für unsere Kollegen, die zum Teil existenzbedrohende Zeiten erleben. Zu Helfen gibt einem immer ein positives Gefühl. Dazu kommt die Lust am Hören und Sehen und Altes neu zu entdecken  – wie  das Vogelgezwitscher am Kudamm. Aber ich freue mich darauf, meine Freunde wieder zu umarmen, zusammen bis in die späten Abendstunden zu sitzen und zu erzählen und keine Angst vor Berührung mehr zu haben. Und zu sehen, was das BFFS alles bewegt hat, was auch nach Corona Bestand haben wird!“

Manches ist befreiend

Harald Schrott verbringt die Zeit in Brandenburg. Foto: Jeanne Degraa

Schauspieler Harald Schrott (52): „Wir haben schon seit einigen Jahren eine kleine Wohnung in Brandenburg gemietet und sind dort seit mittlerweile fünf Wochen. Ich genieße die Nähe zu meinen Kindern und meiner Frau, die Natur und die Möglichkeit, so viele Bücher zu lesen wie schon lange nicht mehr. Es ist auch aufschlussreich, zu begreifen, wie sehr wir normalerweise alle in der Konsumfalle hocken und glauben, bestimmte Produkte besitzen zu müssen. Das spielt im Moment keine Rolle und das empfinde ich als befreiend. Was mich außerdem sehr berührt, sind die Solidarität und die Verbundenheit, die man bei vielen Menschen erlebt. Ich freue mich vor allem darauf, wieder Menschen zu begegnen. Und zwar so richtig. Ich bin ein körperlicher Mensch, berühre und umarme meine Freunde gerne. Das fehlt mir. Videokonferenzen sind zwar ein gutes Mittel, um in Kontakt zu bleiben. Aber mein Bedürfnis, den Leuten wirklich nahe zu sein, ist hinterher immer noch größer. Und natürlich freue ich mich darauf, wieder meinen Beruf ausüben und reisen zu können - wann und wohin ich will.“

Schöne Momente des Innehaltens

Theodora Kaiser genießt die Stille.  Foto: privat

Yogalehrerin Theodora Kaiser (54): „Wir erleben aus meiner Sicht gerade eine kollektive Meditation, in der wir, ob wir wollen oder nicht, uns nach innen kehren müssen. Es sind diese Momente des Innehaltens, die mir sehr wichtig geworden sind. Meine Familie und ich haben eine neue Vertrautheit entdeckt. Natürlich freue ich mich auch auf ein Nach-Corona – auf  einen Italien-Urlaub am Meer, auf Abende mit Freunden bei einem Glas Wein und leckerer Pasta. Und auf meine Yogaschüler, die ich dann nicht mehr nur online treffe.“

Der Himmel über Berlin ist so klar

Gabriele Grabowski geht joggen.  Foto: privat 

Gabriele Grabowski (58), Politik-PR: „Ich habe das Leben lange nicht mehr so entschleunigt erlebt. Kein Gedrängel, keine vollen Straßen. Und der Himmel ist klar, so habe ich ihn über Berlin noch nie erlebt. Man kann  Spaziergänge machen und joggen gehen. Zugegeben, es ist eine Ruhe, an die man sich erst einmal gewöhnen muss, aber die man dann auch genießen kann. Erstaunlich finde ich auch, was man im Homeoffice so alles bewerkstelligen kann. Ich freue mich trotzdem wieder auf den Kontakt mit Kollegen und Freunden. Das erste, was ich nach Corona mache, ist mich zu einer Pizza zu verabreden und mal wieder entspannt bummeln zu gehen. Und ich hoffe, dass ich nachher meine Wohnung auch weiterhin so schön aufräume, wie ich es gerade tue.“