Vor der vergangenen Silvesternacht konnten noch Feuerwerkskörper gekauft werden. In ganz Berlin wurde damals geknallt. Foto: imago images/Marius Schwarz

Trotz des von Bund und Ländern beschlossenen Verkaufsverbots von Böllern geht die Gewerkschaft der Polizei (GdP) davon aus, dass es in Berlin keine stille Silvesternacht geben wird. Denn es gibt kein grundsätzliches Böllerverbot. „Wer böllern will, fährt nach Polen und besorgt sich dort Feuerwerk“, sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro am Sonntag dem KURIER. In Berlin gibt es nur wenige ausgewiesene Feuerwerks-Verbotszonen: die Schöneberger Pallasstraße und den Alexanderplatz.

Lesen Sie auch: Lockdown: Berlin macht ab Mittwoch dicht >>

Dass es in der Silvesternacht laut werden wird, liegt auch daran, dass viele Fans von Pyrotechnik oft Vorräte aus den Vorjahren horten. Außerdem gibt es junge Männer, die gar nicht auf Böller setzen, sondern mit Schreckschusspistolen schießen – in die Luft oder auf Feuerwehrleute oder Polizeibeamte. „Solche Leute haben sich sicher schon mit Munition eingedeckt“, sagte Jendro.

In Polen können das ganze Jahr legal Tischfeuerwerk und auch in Deutschland erlaubte Raketen gekauft werden. Aber eben auch Feuerwerk, das in Deutschland nur zugelassene Pyrotechniker mit einer Erlaubnis einkaufen dürfen. Wer diese Raketen einführt, handelt illegal.

Tonnenweise Feuerwerk wird aus Polen eingeschmuggelt

Der Schmuggel läuft privat im Auto oder per Bahn, aber auch professionell. So wurde kürzlich ein belgischer Fahrer mit einem Kleinbus erwischt, der 942 Kilo Feuerwerkskörper illegal über die Grenze brachte. Im Jahr 2019 wurden 5,6 Tonnen von der Polizei gefunden, zwei Jahre davor sogar 18,8 Tonnen.

Die hiesige Feuerwerksbranche rechnet nach dem Verkaufsverbot mit einem massiven Umsatzeinbruch, denn 95 Prozent würden im Dezember erwirtschaftet. „Das nun ausgesprochene Verkaufsverbot wird die Branche hart treffen“, sagte Verbandschef Thomas Schreiber dem KURIER. „Im Zweifel droht nun die Insolvenz des gesamten Wirtschaftszweiges.“ Dort sind 3000 Leute beschäftigt.

Lesen Sie auch: Eine Entscheidung für das Leben – und gegen die maßlose Arroganz der Corona-Leugner   >>

Die Polizeigewerkschaft in Berlin begrüßt ausdrücklich das bundesweite Versammlungsverbot am Silvestertag, denn ab 11 Uhr war eine „Querdenken“-Demo angekündigt. Die Sicherheitskräfte rechnen damit, dass viele Anhänger versuchen werden, sich trotz des Verbots zu versammeln. „Nun können wir frühzeitig eingreifen“, sagt GdP-Sprecher Jendro. Das sei leichter, als eine Demo mit bis zu 20.000 Leute aufzulösen.

In Berlin geht die Gewerkschaft der Polizei davon aus, dass auch dieses Silvester eine Ausnahmenacht wird und dass dieses Mal sogar mehr Beamte und Feuerwehrleute angegriffen werden. Denn es gilt nicht nur ein Demoverbot, sondern eben auch ein Ansammlungsverbot. „Trotzdem wird es ganz sicher größere Gruppen geben, die sich irgendwo in der Stadt treffen“, sagte der GdP-Sprecher. Solche Gruppen wurden sonst nie aufgelöst. Nun müssen die Polizisten aber handeln. „Viele, die Alkohol trinken, werden aggressiver. Und wenn wir Verbote durchsetzen müssen, kommt es sicher zu mehr Konflikten und Angriffen auf Polizisten.“