Auf dem Weg zur Schule: In den Grundschulen muss zur Zeit keine Maske getragen werden. Imago/Zeitz

Trotz steigender Sieben-Tage-Inzidenz: Berliner Grundschüler können weiterhin ohne Masken in der Schule lernen. Der Interessenverband Berliner Schulleitungen (IBS) glaubt auch nicht, dass man an Grundschulen zur Maskenpflicht zurückkehren muss. Etwas anders sieht das der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid. „Möglich ist, dass über eine erneute Einführung der Maskenpflicht an Grundschulen diskutiert wird. Die Gründe dafür, dass sie hier zuerst abgeschafft wurden, waren pädagogischer und nicht infektiologischer Natur.“

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„Wir sind froh, dass die Maskenpflicht vor den Herbstferien gefallen ist“, erklärt dagegen IBS-Vorsitzende Astrid-Sabine Busse. „Wir haben schon den zweiten Jahrgang eingeschult, der Schule ohne Maske gar nicht kannte“, sagte Busse, die selbst Leiterin einer Grundschule in Neukölln ist. Sie plädiert dafür, in Klasse 1 bis 6 weiter auf die Maskenpflicht zu verzichten.

Die Sieben-Tage-Inzidenz bei den 10- bis 14-Jährigen liegt bei 348,7 

In Berlin liegt die Sieben-Tage-Inzidenz nach den Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag bei 156,1 – gegenüber 140,2 am Tag davor. Bei den 10- bis 14-Jährigen ist der Wert, der angibt, wie viele Menschen sich pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen nachweislich mit dem Virus infiziert haben, mit 348,7 noch viel höher.

„Wir starren natürlich auf diese Zahlen, weil wir entscheiden müssen, wie es an Kitas und Schulen weitergeht,“ sagt der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid. „Aber bei der Gruppe der fünf- bis neunjährigen Kinder – die ältere Kita-Kinder und junge Grundschüler erfasst – beobachten wir im Vergleich zur Vorwoche einen Stillstand. Und bei den zehn- bis 14-jährigen Kindern sehen wir einen milden Anstieg, der etwa bei zehn Prozent liegt.“ Insgesamt, so schlussfolgert Larscheid, zeigten die Zahlen keinen großen Durchbruch nach den Herbstferien. „Wir werden die laufende Woche abwarten, bevor am kommenden Montag erneut der Hygienebeirat tagt.“

Seit den Sommerferien waren an keiner Berliner Schule massive Ausbrüche zu verzeichnen. Deshalb standen und stehen sämtliche Schulen beim Stufenplan auf Stufe Grün. Im letzten Herbst hatte es hier von Woche zu Woche starke Bewegungen gegeben.

Eine Maske zu tragen, erschwere die Kommunikation und das Lernen - nicht nur beim Fremdsprachenunterricht, erklärt Astrid-Sabine Busse: „Und man darf die emotionale Seite darf man nicht vergessen: Ein kleines Mädchen aus der ersten Klasse hüpfte auf mich zu und sagte: Wie schön, jetzt kann ich sehen, wenn jemand lacht.“ Busse hat aber viel Verständnis dafür, dass das an Oberschulen anders gehandhabt wird, wo nach wie vor Maskenpflicht gilt.

Astrid-Sabine Busse, Leiterin der Grundschule in der Köllnischen Heide und Vorsitzende des Interessenverbandes Berliner Schulleitungen (IBS) dpa/Christoph Söder

„Alle Kinder, die wir positiv getestet haben, hatten keinerlei Symptome, Gott sei Dank“

Oberschüler könnten sich zum einen impfen lassen, zum anderen seien die Krankheitsverläufe in der Regel schwieriger als bei kleineren Kindern. „Alle Kinder, die wir positiv getestet haben, hatten keinerlei Symptome, Gott sei Dank“, sagte Busse. „Da ist schon ein großer Unterschied zwischen Grund- und Oberschule.“

Die IBS-Vorsitzende spricht sich dafür aus, in den Schulen verstärkt auf Corona-Tests zu setzen. „Es ist das einfachste Instrument, das der Sicherheit dient.“ Aus ihrer Sicht wäre es besser, weiterhin dreimal pro Woche Corona-Tests zu machen. Das war nur für die beiden ersten Wochen nach den Herbstferien geplant, danach sind es wöchentlich zwei.

Außerdem plädierte Busse dafür, dass sich auch vollständig geimpfte Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher regelmäßig testen lassen sollten - angesichts der steigenden Inzidenzwerte und der Infektionen trotz Impfung. Eine Impfpflicht für pädagogisches Personal hält Busse für unrealistisch: „Ich persönlich würde es begrüßen, weiß aber, es wird nicht kommen.“