Mitglieder vom Verein Kloster-Winzer e. V. ernten auf dem Scheibenberg am Kloster Neuzelle Weintrauben der Sorte Muskateller.
Mitglieder vom Verein Kloster-Winzer e. V. ernten auf dem Scheibenberg am Kloster Neuzelle Weintrauben der Sorte Muskateller. dpa/Pleul

Das Klima ändert sich, es wird bei uns im Sommer wärmer. Und das hat manchmal auch etwas Gutes. Jedenfalls, wenn man Wein anbaut. In der Region Berlin/Brandenburg gibt es immer mehr Winzer – und der angebaute Wein wird immer besser. Auch auf dem Scheibenberg in der Klosteranlage Neuzelle (in der Nähe von Eisenhüttenstadt) holen die Hobbywinzer gerade eine gute Ernte ein.

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Schon im 12. Jahrhundert brachten Zisterziensermönche den Weinanbau nach Brandenburg. In der DDR kam der Weinbau zum Erliegen. Erst Mitte der 80er-Jahre wurden wieder die ersten Reben gepflanzt, auf dem Wachtelberg in Werder an der Havel.

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Der nördlichste Weinberg des Landes Brandenburg liegt in der Uckermark. Winzer gibt es inzwischen auch in Schlieben (Landkreis Elbe-Elster) und in den ehemaligen Tagebauen rund um Großräschen. Wiederhergerichtet wird derzeit mitten in Potsdam der Königliche Weinberg auf dem Klausberg.

Kloster Neuzelle: Seit 20 Jahren wird hier wieder Wein angebaut

Die Neuzeller Hobbywinzer hatten vor 20 Jahren damit begonnen, den Weinanbau wiederzubeleben, der einst von Zisterziensermönchen in der einstigen Klosteranlage im Landkreis Oder-Spree begründet worden war. Die Anlage des 1,3 Hektar großen Weinbergs auf einer ehemaligen Streuobstwiese war damals eine Kompensationsmaßnahme für Bodenversiegelungen und Rodungen im Zuge der Sanierung der Neuzeller Klostermauer.

Gerd Hahn zeigt den frisch gepflückten Muskateller.
Gerd Hahn zeigt den frisch gepflückten Muskateller. dpa/Pleul

„Bei der Wiederherstellung und Erhaltung der Klosteranlage geht es nicht nur um den Erhalt von Gebäuden, sondern auch um die Bewahrung von Traditionen“, sagt Norbert Kannowsky, Geschäftsführer der Stiftung Stift Neuzelle. 1763 war das Kloster Neuzelle mit sieben klösterlichen Weinbergen auf über 16 Hektar Anbaufläche der größte Weinproduzent östlich der Elbe.

Insgesamt 420 Rebstöcke stehen auf dem Scheibenberg

Mit Handschuhen und Gartenscheren arbeitet sich rund ein Dutzend Helfer durch die Reihen mit Weinstöcken auf dem Scheibenberg in der Klosteranlage Neuzelle. Nach und nach landen immer mehr üppige gelbe Trauben in bereitstehenden Kisten. „Das wird eine gute Ernte in diesem Jahr, dafür haben wir aber auch viel getan“, sagt Cornelia Schwarz, Vereinschefin des gemeinnützigen Kloster-Winzer e. V. Zielgerichtet sei gedüngt, Laub herausgenommen und ausgegeizt worden: Zwischentriebe mussten entfernt werden, damit die Kraft der Weinstöcke in die Trauben geht.

Insgesamt 420 Rebstöcke stehen auf dem Scheibenberg. Zwei Weißweinsorten und der rote Regent sind bereits Anfang September geerntet worden. Jetzt sind die späteren Sorten dran – Aron und Muskat. Schwarz zerdrückt eine Traube auf dem Refraktometer, einem kleinen Gerät ähnlich einer Taschenlampe, und blickt hindurch. „81 Grad Oechsle Zuckergehalt“, meint die Vereinschefin zufrieden. Das eigentliche Aroma und auch der Zucker sitzen hinter der Schale, erklärt die 64-Jährige.

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Sie sei fasziniert und erstaunt, dass sich das Winzern tatsächlich erlernen lasse, sagt Schwarz, die hauptberuflich als Abteilungsleiterin im Arcelor-Stahlwerk Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) arbeitet. „Die Mönche wussten schon, warum sie bis 1840 hier Wein anbauten. Der Wind muss die Rebstöcke umspielen, und es muss sonnig sein.“

Blick auf den Weinberg am Kloster Neuzelle
Blick auf den Weinberg am Kloster Neuzelle dpa/Pleul

Der vergangene Hitzesommer habe es den 22 Neuzeller Hobbywinzern jedoch nicht leicht gemacht, sagt sie. „Gerade in der Wachstumsphase bedeutet Hitze für die Weinstöcke puren Stress. Wir haben zwar kaum faulige Trauben, dafür hatten einige Sonnenbrand“, erzählt sie. Der Ertrag liegt bei rund 750 Kilogramm Trauben oder 850 Flaschen Wein. „Da wir alles von Hand pflücken, dabei schlechte oder faulige Trauben aussortieren, ist unser Wein so gut“, ist Schwarz überzeugt.

Das bestätigt auch Matthias Jahnke, der mit seinem Bruder und zwei Freunden das Weingut Patke mit Anbauflächen in Pillgram (Oder-Spree) sowie Frankfurt (Oder) betreibt. 2017 hatten die Neu-Winzer zudem das Weinbaugebiet rings um Guben (Spree-Neiße) übernommen. Dazu gehört eine alte Gutsscheune in Grano, die vom Förderverein Niederlausitzer Weinbau e. V. zu einer Schaukellerei umgebaut wurde.

Sabine Päschke bei der Weinlese. Sie ist eine von 22 Hobbywinzern in Neuzelle.
Sabine Päschke bei der Weinlese. Sie ist eine von 22 Hobbywinzern in Neuzelle. dpa/Pleul

Dort werden auch die Neuzeller Trauben verarbeitet – also vom Stiel getrennt und „angeschlagen“, damit sich der Saft während der Maische in den Gärbottichen leichter löst. Anschließend wird gepresst und gekeltert. „Fruchtig-floral, ordentlich in der Qualität und vollmundig“, beschreibt Jahnke den Wein der Neuzeller Hobbywinzer.

Am 1. Oktober kann der Neuzeller Wein beim Klostergartentag verkostet werden

In den Genuss der nicht kommerziellen Ernte kommen Besucher der Neuzeller Klosteranlage – entweder in der Touristeninformation oder direkt bei den Winzern. „Wir machen rund 40 Weinberg-Führungen im Jahr. Anschließend gibt es in unserem Winzerhaus eine Verkostung“, sagt die Vereinsvorsitzende.

Die nächste Gelegenheit, den Neuzeller Wein zu verkosten, bietet sich beim Klostergartentag am 1. Oktober. Der stammt aber noch aus der Ernte im vergangenen Jahr. Der jetzt gelesene Wein kann erst im Frühjahr 2023 gekostet werden.

Cornelia Schwarz, Chefin vom Kloster-Winzer e. V., benutzt ein Refraktometer zur Bestimmung des Zuckergehalts der Trauben.
Cornelia Schwarz, Chefin vom Kloster-Winzer e. V., benutzt ein Refraktometer zur Bestimmung des Zuckergehalts der Trauben. dpa/Pleul

Nach Ansicht von Birgit Kunkel von der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH ist das Kloster Neuzelle einer der bedeutendsten kulturtouristischen Schätze Brandenburgs. Zudem sei die Bewirtschaftung und Traditionspflege des Scheibenbergs in Neuzelle ein gutes Beispiel ehrenamtlichen Engagements, sagt sie.

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Wichtig sei das Gemeinschaftsgefühl unter den Neuzeller Winzern, meint Vereinsmitglied Rainer Päschke. „Ich trinke gern guten Wein und brauche im Garten immer etwas zu tun“, erzählt er schmunzelnd. Auf dem Scheibenberg ist dafür gesorgt: Mitte Februar beginnt das Weinjahr mit dem Beschneiden der Gehölze. Im März werden die Ruten fixiert, an denen die Trauben wachsen sollen. Weiter geht es mit Pflege und Düngen bis zur Ernte im Herbst.