Die Röntgenaufnahme zeigt Anastasias Trichterbrust-Problem. Professor Dr. Pfannschmidt hat es erfolgreich behoben. Helios-Klinikum/Thomas Oberländer

Anastasia hat einen langen Leidensweg hinter sich. In der Pubertät bekam sie beim Treppensteigen Atemnot und bei jedem Essen spürte sie eine unangenehme Enge in ihrer Speiseröhre. Hinzu kam ein ästhetisches Problem, das ihr sehr zu schaffen machte. Weil ihr Brustbein stark eingesunken war, sah es aus, als hätte sie im Oberkörper ein großes Loch.

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Die Schülerin aus Charlottenburg  ist eine von 10.000 Menschen in Deutschland, die mit einer Trichterbrust zur Welt kam. Doch im Helios-Klinikum Emil von Behring in Zehlendorf bekam sie Hilfe. Dort wurde die 19-Jährige erfolgreich operiert. Im KURIER erzählt sie von ihrer Beeinträchtigung, die ihr viel Lebensqualität nahm.

„Die Trichterbrust drückte auf mein Herz und ich konnte früher kaum in die Brust atmen“, sagt sie. Zudem habe das Loch in ihrem Brustkorb unschön ausgesehen und sie habe es immer unter weiter Kleidung versteckt. Doch im Sommer und im Sportunterricht war es nicht ganz so einfach, den Makel zu verbergen. „Ich musste mich dann deshalb ständig bei meinen Schulkameraden erklären. Das fand ich unangenehm.“

Anastasia bekam immer schlechter Luft

Ihre Mutter hatte sich große Sorgen gemacht, weil ihre Tochter immer schlechter Luft bekam. Vor vier Jahren überwies ihr Kinderarzt sie in die Klinik. Professor Dr. Joachim Pfannschmidt, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie am Helios-Klinikum Emil von Behring diagnostizierte bei einer Ultraschalluntersuchung eine besonders stark ausgeprägte Form einer Trichterbrust. „Ihre Lungenfunktion war stark eingeschränkt. Wir mussten handeln, um ihre Lebensqualität zu verbessern“, erklärt der Mediziner, der als Experte in Deutschland die spezielle Operationsmethode hauptsächlich bei Kindern und Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 12 und 35 Jahren anwendet.  Sie wurde 1987 nach dem amerikanischen Kinderchirurgen Dr. Donald Nuss entwickelt.

Helios-Klinikum/Thomas Oberländer
Im Sommer 2021 konnte Anastasia der eingesetzte etwa 30 Zentimeter lange Metallbügel entfernt werden.

Der Eingriff, der ein bis zwei Mal im Monat von Professor Dr. Pfannschmidt und seinem Team durchgeführt wird, verläuft so: „Dabei haben wir mit einer Ein-Lungen-Beatmung eine Video-Thorakoskopie des rechten Brustkorbs durchgeführt und einen Metallstab (etwa 30 Zentimeter) unter das Sternum implantiert,“ erklärt Prof. Pfannschmidt. Da Operationen an der Lunge fast immer eine seitengetrennte Beatmung erfordern, wurde während der Narkose nur der nicht operierte Lungenflügel mithilfe spezieller Beatmungsschläuche beatmet.

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Bei der Video-Thorakoskopie handelt es sich um einen minimalinvasiven Eingriff, bei dem die Operation mehr oder weniger innerhalb der geschlossenen Brusthöhle stattfindet. Der Zugang erfolgte über einen kleinen Schnitt, über den zwischen den Rippen hindurch eine kleine Kamera und spezielle Instrumente in die Brusthöhle eingeführt wurden. Der Metallstab wurde seitlich vom Brustbein im Zwischenrippenraum auf den Rippen platziert. Auf diese Weise wird der Brustkorb passiv verformt und der Metallstab drückt das Brustbein in seine natürliche Stellung.

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Schülerin Anastasia hat einen langen Leidensweg hinter sich. Sie kam mit einer Trichterbrust zur Welt.

Anastasias Metallbügel kann erst nach zwei bis drei Jahren wieder entfernt werden

Doch Anastasia musste auch lange nach der Operation noch tapfer sein. Denn erst nach zwei bis drei Jahren kann der Metallbügel wieder entfernt werden. „Er hat anfangs stark gedrückt, wenn ich abends im Bett lag, und ich musste auf einem Stapel Kissen liegen, um einschlafen zu können“, erinnert sie sich.

Auch beim Schwimmen habe sie der Bügel gestört und immer, wenn sie mit ihrer Mutter in den Urlaub fliegen wollte, mussten sie der Fluggesellschaft im Voraus Bescheid geben. „Das Metall in meinem Körper hat bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen ausgelöst und das war sehr nervig“, so die junge Frau. Doch sie konnte sich auch schon über erste Erfolge freuen, weil sich ihre Lungenfunktion nach dem ersten Eingriff stark verbessert hatte. Nur das Atmen musste sie in einer Therapie wieder neu lernen.

Erst im Juni 2021 konnte Anastasia der Bügel wieder entfernt werden. Eine solche Operation ist nicht viel eher möglich, da sonst die Gefahr besteht, dass das Brustbein wieder in die alte Position zurücksinkt. Mithilfe von Physiotherapie muss die Schülerin jetzt nur noch ein wenig an ihrer Haltung arbeiten, da sie durch die Wachstumsdeformität in der Vergangenheit nicht aufrecht gehen konnte.

Jetzt kann Anastasia wieder fröhlich lachen und lernt ein ganz neues Körpergefühl kennen. „Ich verarbeite meine schwere Zeit, in dem ich meine Gedanken aufschreibe und eine Art Tagebuch führe“, erzählt sie. Auch am Sport hat sie jetzt mehr Freude, weil sie das Metall nicht mehr beeinträchtigt. Nun muss es nur noch mit ihrem Berufswunsch klappen. „Ich möchte eine Ausbildung im sozialen Bereich machen“, sagt sie. Weil Anastasia selbst weiß, wie gut es sich anfühlt, wenn man in der Not Hilfe bekommt, möchte sie nun andere Menschen unterstützen.