Der Komplex mit dem CineStar-Kino an der Elsenstraße: Er soll abgerissen werden, aber wann, ist ungewiss. imago/Sabine Gudath

Das Rätselraten darf weitergehen: Es ist offenbar völlig unklar, wann das CineStar-Kino am Treptower Park einem Neubau weichen muss. Das hängt vor allem an der Bauverwaltung des Bezirks Treptow-Köpenick ab, dem Leute für die Planung fehlen. Der Neubau soll den erst 1997 fertiggestellten Komplex mit dem Kino (2400 Plätze) ersetzen, das nicht ausgelastet sein soll, für das es aber weiterhin ein Mietverhältnis gibt – CineStar beantwortete die Frage nicht, ob es gekündigt sei.

Seit 2018 ist von Abriss die Rede. Bereits 2019 befasste sich das Berliner Baukollegium, ein Beratungsgremium für die Senatsbauverwaltung, mit den Planungen des Eigentümers für das Grundstück Elsenstraße 115 und stellte fest: Der Bestandsbau ist „langfristig nicht funktions- und ausbaufähig“.

Das Gremium war von der Idee begeistert, ein 77 Meter hohes, 22-geschossiges Haus am spitzen Ende des Grundstücks zu errichten, also zur Spree hin. Dem „skulpturalen Entwurf“ wurde „eine hohe Qualität und eine sensible städtebauliche Einpassung“ bescheinigt.

Landesdenkmalamt: Ein Hochhaus stört das Sowjetische Ehrenmal

Das fanden nicht alle so: Das Landesdenkmalamt befand, 77 Meter seien zu hoch. Zahlreiche Einzeldenkmale und Denkmalbereiche würden berührt werden, sodass mit der Planung „eine Beeinträchtigung des dringenden Gesamtinteresses“ einhergehe.

Das Plangebiet befinde sich im Umfeld des Gartendenkmals Treptower Park mit den Platanenalleen Puschkinallee und Am Treptower Park, des Sowjetischen Ehrenmals und seiner Sichtachse, dem Baudenkmal der ehemaligen Kaserne des „Telegraphenbataillons Nr. 1“ sowie gleichfalls geschützter Villen-Gruppe und einer Ringbahnbrücke.

Im Januar 2021 legte der Bauherr, das Immobilien-Unternehmen Aroundtown, deshalb einen neuen Plan vor. Danach soll der Neubau höchstens 38 Meter hoch sein. Das Erdgeschoss werde für Einzelhandel und ein Fitnessstudio ausgestattet, in den acht Etagen darüber sollen ein Hotel und Büros Platz finden. In der obersten Etage stellen sich die Bauherren ein Restaurant samt Terrasse vor, erfuhr die Linke-Abgeordnete Katalin Gennburg auf Anfrage vom Senat.

Abgeordnete: Treptow braucht einen neuen Treffpunkt

Sie hat einige Bedenken: Ohne das Kino würde der Treptower Kiez einen Treffpunkt verlieren, es müsse dringend ein neuer her. Sie verlangt vom Bezirksamt außerdem, ein Verkehrskonzept für die Zeit des Neubaus vorzulegen. Sonst drohe ein Verkehrschaos, vor allem, wenn der Bau mit der Fertigstellung der Verlängerung der A100 einhergeht – und auch danach, falls der Neubau viel Verkehr anziehe.

Der Senat erklärte dazu, das Bebauungsplan-Verfahren sei noch in einem so frühen Stadium, dass dazu noch nichts gesagt werden könne. Nur, dass Aroundtown „stark auf alternative Mobilitätsformen“ setze – Öffis und Fahrrad.

Der Fortschritt beim B-Planverfahren 9-70 VE ist allerdings eine Schnecke. Das Bezirksamt teilte dem Senat mit, es habe „aufgrund personeller Engpässe“ entschieden, das Verfahren nicht „in erster Priorität“ zu bearbeiten. Die „Durchführung weiterer Verfahrensschritte“ hinge davon ab, wie andere B-Pläne vorankommen.

Aroundtown ließ mitteilen, sich gegenwärtig nicht zu dem Vorgang und den Planungen äußern zu wollen.