In Escape Rooms gilt es, sich alles genau anzuschauen - denn es müssen versteckte Codes gefunden, Rätsel gelöst und Schlösser geknackt werden. imago/David Heerde

Sind Sie schonmal aus einem Gefängnis ausgebrochen – oder in ein Kunstmuseum eingebrochen, um ein Gemälde zu stehlen? Wollten Sie immer schonmal wie Indiana Jones nach versteckten Schätzen suchen oder einen Serienmörder überführen? Ich habe das alles schon gemacht. Wie, fragen Sie? In „Escape Rooms“. Dieser Freizeit-Trend breitete sich vor ein paar Jahren auf der Welt aus, zieht seitdem Millionen Menschen in seinen Bann. Aber: Warum sind diese Abenteuerspiele so beliebt – und warum geben Menschen Geld dafür aus, sich einsperren zu lassen?

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Falls sie noch nie von „Escape Rooms“ gehört haben: Hinter diesem Begriff (übersetzt „Flucht-Raum“) verbirgt sich ein Spiele-Trend, der im Jahr 2013 aus dem asiatischen Raum nach Europa schwappte. Escape Rooms sind speziell präparierte Zimmer, in denen man sich einsperren lassen kann. Man hat eine Stunde Zeit, um aus dem Raum zu fliehen. Um das zu schaffen, müssen bestimmte Aufgaben erfüllt werden – Dinge untersuchen, Rätsel lösen, Schlösser knacken, Türen öffnen.

Escape Rooms waren mal ein Computerspiel, wurden dann Realität

Ursprünglich gab es das digital, als Computerspiel. Mit der Maus klickte man sich durch virtuelle Räume. Also: Auf dem Schrank liegt ein Schlüssel – und daneben befindet sich eine abgesperrte Tür. Ein Klick auf den Schlüssel, ein Klick auf die Tür, die Tür öffnet sich. Findige Köpfe kamen aber auf die Idee, diesen Spielspaß in die Wirklichkeit zu holen. Weg vom PC, rein in ein echtes Abenteuer.  Was klein begann, ist heute eine ganze Industrie: Tausende Escape Rooms gibt es auf der ganzen Welt.

Der Klassiker: In manchen Escape Rooms muss man es schaffen, aus einer Gefängniszelle zu entkommen. imago/Reichwein

Wer nun meint, das werde mit der Zeit langweilig, der irrt. Denn jeder Escape Room bietet ein anderes Abenteuer, andere Kulissen, andere Aufgaben. Mal sitzt man in einer Gefängniszelle und flieht kurze Zeit später durch einen Lüftungsschacht hinter dem Klo in die Freiheit, mal bricht man in der Wohnung der schrägen Nachbarin ein, um den eigenen Hund zu retten – denn die nette Dame von nebenan ist in Wirklichkeit eine Hexe, die süße Haustiere fängt.

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Bei manchen Escape Rooms geht es eher um die Rätsel, bei anderen stehen Geschichten im Vordergrund. Manchmal wird man gefesselt. Manchmal sind Schauspieler im Raum, mit denen man interagieren muss, um die Aufgaben zu lösen. Und bei manchen sind die Kulissen derart Filmreif, dass es schwer fällt, nach der Stunde wieder in der realen Welt anzukommen.

Zum ersten Mal kam ich damit in Kontakt, als ich 2014 über „The Room“ in Lichtenberg schrieb. Die Firma war eine der ersten in Berlin – und gehört heute aufgrund mehrerer Auszeichnungen zu den renommiertesten der Welt. Damals spielte ich, gemeinsam mit einer Kollegin, das Spiel „Go West“, bei dem es darum geht, aus einem originalgetreu eingerichteten DDR-Wohnzimmer in den Goldenen Westen zu fliehen. Wir schafften es nach 58 Minuten… und waren sofort Feuer und Flamme.

70 Escape Rooms habe ich bisher gespielt – und es wird nicht langweilig

Bis jetzt habe ich rund 70 solcher Räume in ganz Deutschland, aber auch in anderen Ländern gespielt. Ich zahle also regelmäßig nicht wenig Geld dafür, mich für eine Stunde einsperren zu lassen. Warum, fragen Sie? Für mich sind diese Erlebnisse kleine Fluchten aus dem Alltag: Für eine Stunde gebe ich mein Smartphone ab und befinde mich an einem Ort, in dem ich an einer Aufgabe arbeiten muss: Entkommen. Ich bin fokussiert. Und mir gelingt es, die ganze Welt zu vergessen, alle Probleme und Sorgen. Weil ich mich völlig darauf einlassen kann, was der jeweilige Raum mir bietet.

Es gibt auch Escape Rooms, in denen es durchaus gruselig und blutig zugehen kann. Hier ein Ausschnitt aus einem Raum in Berlin - welcher? Das wird nicht verraten... Berliner KURIER/Markus Wächter

Das sorgt manchmal für einschneidende Erlebnisse: In Hamburg spielte ich mit meinem Freund mal einen Escape Room mit Horror-Thema. Ein Serienkiller trachtete uns nach dem Leben… und uns blieb eine Stunde zum Entkommen. Nach etwa zehn Minuten bemerkten wir, dass wir nicht allein in diesem Escape Room waren – und nach einer halben Stunde standen wir kurz davor, das Abenteuer abzubrechen, weil wir fest davon überzeugt waren, dass es gerade wirklich um Leben und Tod geht.

Escape Room in Prag: Wir ließen uns in eine Folterkammer sperren

Erst neulich ließen wir uns in Prag in eine mittelalterliche Folterkammer entführen, da wurde ich am Anfang sogar auf einer Streckbank festgekettet. Bevor wir irgendetwas tun konnten, mussten wir die Fesseln lösen – und später, mittendrin im Spiel, hörten wir immer wieder das Schlurfen des Kerkermeisters. Dann ging es zurück auf die Ursprungsposition. Schließlich sollte er nicht merken, dass wir an unserer Flucht arbeiteten. Viele dieser Räume haben für mich zwei Dinge gemeinsam: Erstens verlasse ich sie schweißgebadet, weil es einfach aufregend ist. Und zweitens kann ich mit meinen Mitspielern danach noch stundenlang darüber reden.

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Sie sollten es unbedingt ausprobieren – in Berlin gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Ich persönlich empfehle unter anderem „The Room“ in der Ruschestraße in Lichtenberg, außerdem „Final Escape“ in der Prenzlauer Allee, „House of Tales“ in der Zimmerstraße und „Illuminati Escape“ in der Abbestraße. Hier gibt’s überall tolle Kulissen und spannende Aufgaben zu erledigen. Aber grundsätzlich ist jeder Escape Room in Berlin einen Besuch wert. Zumindest für alle, die gern ein Abenteuer erleben.

Florian Thalmann schreibt eigentlich jeden Mittwoch über Tiere in Berlin, aber nun auch montags über Berliner und Brandenburger Befindlichkeiten. Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com