Zwei populäre Attraktionen im ehemaligen Spreepark: Die Achterbahn Spreeblitz und das Riesenrad. Im neuen Kulturpark wird die Achterbahn zum Kunstobjekt, das Riesenrad soll sich wieder drehen. Fotos: imago

Es ist lange her, dass im Berliner Spreepark, dem einstigen Freizeit-Juwel der Hauptstadt, zum letzten Mal Besucher in den bunten Fahrgeschäften durch den Park sausten – genauer gesagt: Es ist 20 Jahre her! Denn: Im November 2001 machte Norbert Witte, der heimliche Chef und König des Parks im Plänterwald, die Pforten dicht. Insolvenz, alles aus, der Rest ist eine Berliner Legende. Aber: Die Geschichte der Attraktionen, die den Berlinern so ans Herz wuchsen, ist damit noch lange nicht beendet…

Lesen Sie jetzt auch: Neue Prognosen beim Wetter: Droht uns ein arktischer Rekord-Winter? DAS sind die Vorhersagen für die kommenden Monate! >>

Nach dem Spreepark-Ende: Was wurde aus den Achterbahnen?

Erinnern Sie sich noch an die Looping-Achterbahn „Mega-Loop“, an das Überschlag-Karussell „Flic Flac“ und die Wildwasserbahn „Wild River“? Unzählige Attraktionen gab es schon zu DDR-Zeiten im Kulturpark Plänterwald – und auch später, als der Freizeitpark nach der Wende unter dem Namen Spreepark firmierte. Einige Fahrgeschäfte rosteten nach der Schließung vor sich hin… aber nicht alle.

Die Achterbahn Mega-Loop steht heute noch in Frankreich - ist aber anders lackiert als zu Spreepark-Zeiten. Foto: imago

Was ist damit passiert? Das weiß keiner besser als Christopher Flade: Der Berliner betreibt seit Jahren die Website www.berliner-spreepark.de, pflegt dort das Archiv des einstigen Vergnügungs-Juwels. Er ging schon als Kind gern in den Park ,verbrachte dort unzählige Nachmittage. „Ich war sogar am letzten Tag vor der Schließung im Park“, erzählte Flade dem KURIER. „Ich erinnere mich noch, dass es sehr ruhig war, nur wenige Gäste waren da. In der letzten Saison kamen aber sowieso nicht mehr viele Menschen – es war ja der Grund, warum der Park Insolvenz anmeldete.“

Lesen Sie dazu auch: Metallhaufen im DDR-Freizeitpark: DAS war mal unser Riesenrad! KURIER verrät, was jetzt aus dem ehemaligen Spreepark wird >>

Unzählige Male sei er mit jedem Karussell, mit jeder Bahn gefahren. „So wie an dem Tag habe ich den Park nie erlebt“, sagt Flade. „Aber richtig verstanden habe ich als Kind nicht, dass damit endgültig Schluss sein sollte.“ Inzwischen hat Flade über die Geschichte des Geländes mehrere Bücher geschrieben, unter anderem seine große Spreepark-Chronik „Rummel im Plänterwald“.

Die alte Gespensterbahn stand schon zu Kulturpark-Zeiten im Spreepark. Sie wurde auch als Kulisse für Spuk unterm Riesenrad genutzt, tourt heute noch über die Rummelplätze. Foto: berliner-spreepark.de/Nico Schimmelpfennig

Der Rest ist eine Berliner Legende: Witte reiste mit der Familie und mehreren Fahrgeschäften nach Peru, versuchte dort den Neustart. Etwas später dann sein legendärer Versuch, im Stahl-Mast eines Fahrgeschäfts Kokain nach Deutschland zu schmuggeln. Es folgten Verhaftung, Verurteilung, Knast – sein Sohn Marcel saß in Peru ein. Und der Park? Er wird aktuell von der Grün Berlin GmbH wieder aufgebaut, zum Kunst- und Kulturpark gemacht. 

Lesen Sie jetzt auch: Rummel-Legende Norbert Witte: Der Spreepark-König hat seinen Frieden gefunden >>

Nur ohne Fahrgeschäfte – obwohl es manche der Original-Attraktionen noch gibt! Denn: Nicht alle wurden zum Schrott-Lager. Beispiel gefällig? Die Looping-Achterbahn „Mega-Loop“, auf der die Park-Besucher einst über das Gelände sausten, kann sogar noch gefahren werden.

Einige Spreepark-Fahrgeschäfte touren noch über die Rummelplätze

„Sie wurde schon 2003 verkauft, ging erst einmal an einen deutschen Schausteller“, erklärt Flade. „Der verkaufte sie dann weiter nach Frankreich. Heute steht sie im Euro-Park, heißt ,Euro-Loop‘ und ist nicht mehr orange und grün, sondern lila und gelb.“ Flade selbst sei zu Spreepark-Zeiten nie damit gefahren. „Zuerst war ich zu klein, aber später hatte ich Bammel“, sagt er.

Jetzt auch lesen: Kommentar zum Spreepark-Neustart: Wer sich DAS ausgedacht hat, hat eine Chance für Berlin verschenkt! >>

Auch die Wildwasserbahn „Wild River“, die bis 2000 an der Westseite des Parks stand, gibt es noch – sie tourt heute unter dem Namen „Poseidon“ über die Rummelplätze, ist immer wieder auch in Berlin zu Gast, etwa auf dem Zentralen Festplatz. Sie wurde schon 2000 aus dem Spreepark verkauft, dafür kam das Überschlag-Karussell „Flic Flac“. Und was wurde daraus? „Das Geschäft stand noch bis 2008 im Park, wurde dann an eine Münchner Schaustellerfamilie verkauft. Die haben es aber nur als Ersatzteillager benutzt, weil sie schon so ein Karussell hatten.“

Die frühere Wasserbahn Wild River heißt heute Poseidon, ist auch immer wieder in Berlin, etwa auf dem Zentralen Festplatz. Foto: berliner-spreepark.de/Christopher Flade

Andere Geschäfte hatten da mehr Glück. Legendär etwa: Die alte Gespensterbahn, die schon zu Kulturpark-Zeiten fuhr, sogar als Kulisse für den Defa-Klassiker „Spuk unterm Riesenrad“ diente. Sie wurde nach der Wende verkauft, gehört heute der Schaustellerfamilie „Hahnemann und Sohn“ – und ist ebenfalls noch aktiv! Allerdings wurde die Bahn stark umgebaut und saniert. Die Schienen sind aber noch die gleichen – „und die Bahn ist auch immer wieder in Berlin“, sagt Flade.

Lesen Sie auch: Spreepark-Riesenrad: KURIER verrät zehn Geheimnisse des Vergnügungs-Wahrzeichens >>

Wer allerdings noch einmal mit dem Überschlag-Karussell Rollover „Jill“ oder der Schiffsschaukel fahren will, muss nach Asien reisen: Schausteller kauften die Fahrgeschäfte nach der Spreepark-Schließung, die Spur hat sich inzwischen aber verloren. Das Karussell „Calypso“, mit dem zu DDR-Zeiten viele Besucher führen, hat es immerhin auf das Münchner Oktoberfest geschafft. Was aber aus den Fahrgeschäften wurde, die Norbert Witte nach Peru verschiffte? Das bleibt unklar.

Die Schiffsschaukel wurde nach dem Ende des Spreeparks zu einem Schausteller nach Asien verkauft. Foto: imago

Die spektakuläre Geschichte der Flucht nach Peru, die immer wieder erzählt wird, ist laut Flade aber ein Märchen. „Es wird immer erzählt, Witte habe sich bei Nacht und Nebel dorthin abgesetzt“, sagt er. „Das entspricht aber nicht der Wahrheit. Er hatte schon vor der Park-Schließung Fahrgeschäfte abgebaut, deshalb kostete der Eintritt am Ende fünf D-Mark weniger. Und in Zeitungsberichten hieß es sogar, alle sollen nochmal kommen, der Park schließt.“