So soll die Endhaltestelle am U-Bahnhof Turmstraße aussehen. Mittelfristig soll die Neubaustrecke in Richtung Mierendorffplatz und Jungfernheide verlängert werden. Foto: Ingenieurbüro Dipl-Ing. H. Vössing

Das Straßenbahnnetz darf wieder in Richtung Westen wachsen. Der Planfeststellungsbeschluss für die Neubaustrecke, die vom Hauptbahnhof zum U-Bahnhof Turmstraße führen soll, liegt vor. Die Genehmigung erging am 14. Dezember, nun ist sie auch im Internet verfügbar.

Sofern es keine Klage mit aufschiebender Wirkung gibt, könnte der erste Spatenstich vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus im September stattfinden. Damit wäre die Moabiter Trasse nach Adlershof-Schöneweide das zweite Straßenbahnprojekt, das während der jetzigen Amtszeit von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) beginnt.

2210 Meter Strecke, fünf Haltestellen und gestiegene Kosten – statt von zuletzt 20 Millionen Euro ist jetzt von rund 30 Millionen Euro die Rede. 52 Bäume sind zu fällen, mehrere Dutzend Parkplätze fallen weg. Das sind die Grunddaten für die geplante Strecke. Sie soll westlich vom Hauptbahnhof an die bestehende Strecke in der Invalidenstraße anschließen, vor der Haftanstalt Moabit in die Rathenower Straße abbiegen und dann links in die Turmstraße einschwenken.

Zwar schnitt die Verlängerung der U-Bahn-Linie U5 in den Bewertungen besser ab. Ihr Nutzen würde sich auf das 1,43-Fache der Kosten summieren – bei der Straßenbahn beträgt der Nutzen-Kosten-Indikator nur 1,2. Doch die U-Bahn sei teurer, der Bau aufwendiger. Die Tramstrecke ließe sich zügiger errichten.

Wenn sie fertig ist, wird die Linie M10 zum U-Bahnhof Turmstraße an der Linie U9 verlängert. Die Züge sollen tagsüber und abends alle fünf Minuten, sonst alle zehn Minuten verkehren. Die Straßenbahnlinie, die am U-Bahnhof Warschauer Straße beginnt, schlägt in Friedrichshain und Prenzlauer Berg einen Halbkreis um die Innenstadt.

Unterwegs kreuzt sie viele andere Strecken – und schafft damit neue Verbindungen. Würde die Trasse nicht gebaut und bliebe es beim Busverkehr, wären auf dem Neubauabschnitt künftig 10.950 Nahverkehrsnutzer unterwegs, so die Prognose. Wenn die Trasse gebaut wird, stiege die Zahl auf 16.000. Davon entfielen 10.000 auf die Straßenbahn. Erwartet wird, dass sich der Kraftfahrzeugverkehr in dem Bereich um bis zu 13 Prozent reduziert.

Das Projekt hat sich allerdings um Jahre verzögert. Zwar reichte die BVG im November 2017 erstmals Planfestellungsunterlagen ein, doch der Senat hielt Gutachten zu Lärm und Erschütterungen nicht für ausreichend. Zuletzt rechnete man bei der BVG damit, dass die Strecke im ersten Vierteljahr 2023 fertig wird. Doch wenn alles gut läuft, könnte die erste Bahn möglicherweise Ende 2022 fahren.