Thomas J. (60) vor Gericht. Die Polizei entdeckte bei dem Kaufmann aus Berlin massenhaft Kinderpornografie.
Thomas J. (60) vor Gericht. Die Polizei entdeckte bei dem Kaufmann aus Berlin massenhaft Kinderpornografie. KE.

Ein Berliner Kaufmann und seine abscheuliche Sammlung: Er besaß so viel Kinderpornografie, dass es über neun Tage rund um die Uhr dauern würde, um alles zu sichten. Nun sein Tränengeständnis.

Seine schwarze Kapuze zog Thomas J. (60) zuerst tief in das Gesicht. Dann stand er auf: der grau melierte Vollbart sorgfältig gestutzt, Nerd-Brille, freundlicher Blick. Kaufmann, ehrenamtlich engagiert, zuletzt Hartz-IV-Empfänger, nun Angeklagter.

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Vor zwei Jahren hatten Polizisten in seiner Wohnung in Tiergarten diverse Speichermedien mit Kinderpornografie beschlagnahmt. Massenhaft Darstellungen von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen. Hinter jedem Bild steht eine zerstörte Seele.

Bei J. wurden insgesamt 73.669 kinderpornografische Bilder und 4122 kinderpornografische Videos mit einer Gesamtspiellänge von über neun Tagen gefunden. Zudem befanden sich auf den Speichermedien 464 jugendpornografische Bilder und 17 jugendpornografische Videos.

Die Polizei war J. durch Ermittlungen in einem anderen Fall auf die Spur gekommen. Die Auswertung der sichergestellten Kinderpornografie führte dann zu einem weiteren schlimmen Verdacht gegen J.: Er soll einen 13 Jahre alten Jungen missbraucht, davon auch Bilder gemacht und dem Teenager Cannabis überlassen haben.

Der Kaufmann: „Ich räume sämtliche Vorwürfe ein. Es tut mir aufrichtig leid, ich schäme mich.“

Vor vier Monaten wurde J. festgenommen, er sitzt seitdem in U-Haft. Mit tränenerstickter Stimme gestand er vor dem Richter: „Ich räume sämtliche Vorwürfe ein. Es tut mir aufrichtig leid, ich schäme mich.“

Den Jungen habe er 2015 in der Neuköllner Hasenheide kennengelernt – „auf der FKK-Wiese“. Anatol (Name geändert) habe mit anderen männlichen Personen dort gesessen – „er prostituierte sich im Internet und in der Hasenheide“. Es sei Ende 2015 zu sexuellen Handlungen gekommen – „sein Alter war mir bekannt“. Einmal habe Anatol Cannabis von ihm bekommen.

Er gestand weiter: „Ich besaß Kinderpornografie, über die Anzahl war ich schockiert.“ Oft seien es Container-Dateien gewesen, die er aus dem Internet heruntergeladen habe – „da sieht man vorher nur eine kleine Vorschau und weiß gar nicht, was genau in der Datei ist“. Eine Sexualtherapie habe er beginnen wollen – „doch die Inhaftierung durchkreuzte das“.

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Die Anklage lautet auf schweren Kindesmissbrauch, Besitz und Herstellung von Kinderpornografie, Überlassen von Betäubungsmitteln an eine Person unter 18 Jahren. Fortsetzung: Mittwoch.