Zu jedem Prozesstag bringen Fabiens Eltern ein neues Foto mit. Foto: Pressefoto Wagner

Die Zeuginnen stehen an diesem Dienstagmorgen schon bereit. Doch der fünfte Verhandlungstag in dem Verfahren um den Tod der 21-jährigen Fabien Martini kann nicht wie geplant fortgesetzt werden. Einer wichtiger Verfahrensbeteiligter fehlt: Peter G., der Polizist, der sich für den Tod der jungen Frau vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten muss. Morgens, gegen 8 Uhr, habe der Angeklagte angerufen und erklärt, er sehe sich aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, zu der Verhandlung zu kommen, erklärt der Vorsitzende Richter Sascha Daue.

Es ist ein hochemotionales Verfahren, das an diesem Dienstag wegen des Fehlens des 53-jährigen Beamten unterbrochen werden muss. Wie an jedem Verhandlungstag sind die Eltern Fabien Martinis erschienen. Sie sind in dem Verfahren gegen Peter G. Nebenkläger. Wie an jedem Verhandlungstag stellen sie ein neues Foto ihrer Tochter vor sich auf den Tisch. Sie haben schon vor Beginn des Prozesses Ende Oktober klargemacht, dass sie Gewissheit wollen, Gewissheit über einen Vorwurf, der zwar nicht angeklagt ist, der aber den Prozess an jedem Verhandlungstag begleitet. War Peter G. betrunken, als er mit seinem Funkwagen auf der Grunerstraße in Mitte in den Renault Clio der jungen Frau raste?

Peter G. muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Am Mittag des 29. Januar 2018 fuhr er mit seinem Funkwagen bei einer Einsatzfahrt mit Blaulicht und Martinshorn und offenbar Tempo 130 durch den Alextunnel. Auf der Grunerstraße erfasste das Fahrzeug mit mehr als 90 Kilometer pro Stunde den Renault Clio von Fabien Martini, die offenbar auf dem Mittelstreifen einparken wollte.

Die junge Frau starb an der Unfallstelle. Peter G. und sein Beifahrer kamen ins Krankenhaus. Doch erst Monate später wurde durch einen anonymen Hinweis bekannt, dass der Fahrer des Funkwagens alkoholisiert gewesen sein soll. Die Patientenakte wurde beschlagnahmt, auch Anklage wegen Trunkenheit am Steuer erhoben. Doch das Gericht ließ nur den Anklagepunkt der fahrlässigen Tötung zu, da die Staatsanwaltschaft die Patientenakte rechtswidrig beschlagnahmt habe. Die Blutprobe, die Peter G. im Krankenhaus entnommen wurde, war nicht richterlich angeordnet worden.

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Die Krankmeldung von Peter G. sorgt bei den Nebenklägern für Unverständnis. Christian Martini, der Vater der getöteten jungen Frau, sagt noch im Gerichtssaal, Peter G. lasse sich jede Woche etwas Anderes einfallen: angebliche Morddrohungen, dann die Personenschützer, die ihn begleiten. „Wie lange will er uns noch quälen?“, fragt der 51-Jährige. Das Verfahren ziehe sich nun schon fast drei Jahre hin. „Wer soll das verkraften, wer fragt uns, wie es uns geht?“, so der Vater. Richter Daue will den Prozess nicht ohne den Angeklagten weiterführen. Bei einer von einem Arzt attestierten Verhandlungsunfähigkeit sei dies ein Revisionsgrund, erklärt er. Das Verfahren soll in einer Woche weitergehen. Mittlerweile gibt es drei weitere Verhandlungstermine im Dezember.