Konzern-Chef Elon Musk im Tesla-Werk in Grünheide. nach einem Bericht sind seine Beschäftigten mit den Arbeitsbedingungen in der Fabrik unzufrieden.
Konzern-Chef Elon Musk im Tesla-Werk in Grünheide. nach einem Bericht sind seine Beschäftigten mit den Arbeitsbedingungen in der Fabrik unzufrieden. dpa/Patrick Pleul

Es sind Berichte, die aufhorchen lassen. In der Gigafabrik von US-Elektroautobauer Tesla in Grünheide soll „totales Chaos“ herrschen. Den Mitarbeiter fehle es an Motivation, seien mehr krank, als dass sie zur Arbeit kämen, würden am liebsten aufhören. Über diese Personalprobleme haben Tesla-Angestellte jetzt dem britischen Online-Wirtschaftsportal Wired berichtet. Laufen Tesla-Chef Elon Musk nun die Leute weg?

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Mit einigen Monaten Verspätung wurde das Werk in Grünheide am Berliner Stadtrand in diesem Jahr im März eröffnet. Als größter Arbeitgeber in Brandenburg wollte der US-Konzern ins Rennen gehen, ganz nebenbei den Autobau in Deutschland revolutionieren, bis Ende diesen Jahres bis zu 5.000 Elektroautos pro Woche herstellen. Dafür braucht man viel Personal. 12.000 Leute wollte Tesla einstellen. Bisher sind es jedoch nur 7.000 Mitarbeiter.

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Laut dem Wired-Bericht sei Tesla von den ehrgeizigen Personalzielen weit entfernt. Auf dem Internet-Portal der Bundesarbeitsagentur werden derzeit, meist über Zeitarbeitsfirmen, um die 5.800 Mitarbeiter in verschiedenen Positionen für den Standort Grünheide gesucht. Aber Tesla bekäme für die Gigafabrik nicht nur schwer neue Leute, heißt es bei Wired. Erschwert würde das Personalproblem auch dadurch, dass erfahrene Mitarbeiter das Werk in Grünheide bereits wieder verlassen hätten.

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Dabei bezieht sich Wired auf Berichte von Mitarbeitern, die anonym bleiben wollen. Als „totales Chaos“ bezeichnet einer dieser  Mitarbeiter die Situation in der Gigafactory. Aus Angst vor dem Jobverlust bat er um Anonymität.

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Der Haupteingang zur Fabrik der Tesla Gigafactory in Grünheide: Mirtarbeiter berichten über Probleme.
Der Haupteingang zur Fabrik der Tesla Gigafactory in Grünheide: Mirtarbeiter berichten über Probleme. dpa/Patrick Pleul

Tesla in Grünheide: „Manche Leute sind länger krank, als sie tatsächlich gearbeitet haben“

„Manche Leute sind länger krank, als sie tatsächlich gearbeitet haben“, behauptet dieser Mitarbeiter. „Es gibt Leute, die ich in sechs Monaten drei Wochen lang nicht arbeiten gesehen habe. Viele Menschen werden krankgeschrieben, weil die Motivation fehlt.“

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Die Angestellten geben in dem Wired-Bericht dafür den schlechten Arbeitsbedingungen im Werk die Schuld. Unter den Leuten, die Tesla in Grünheide verlassen hätten, seien Aushilfen und Festangestellte, die seit über einem Jahr dort sind, bereits vor der offiziellen Eröffnung des Werkes eingestellt wurden.

In dem Wired-Bericht kommt auch ein ehemaliger Mitarbeiter zu Wort, der Tesla im September gemeinsam mit anderen Mitarbeitern verließ und ebenfalls um Anonymität bat. Er bemängelte plötzliche, unangekündigte Änderungen der Arbeitsbedingungen. Der Ex-Mitarbeiter war über dem Portal LinkedIn für eine Position auf mittlerer Ebene angeworben worden. Für den Job verließ er seine angeblich „um Hunderte von Kilometern entfernte Heimatstadt“ und sei nach Berlin gezogen.

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Kurz bevor sie anfingen, sagt dieser Ex-Mitarbeiter, habe er einen aktualisierten Vertrag mit einer neuen Berufsbezeichnung erhalten. Die ursprüngliche Stellenbeschreibung hatte festgelegt, dass die Mitarbeiter „bereit sein mussten, an Wochenenden und Nächten zu arbeiten, die vom Projekt bestimmt werden“, worunter er gelegentliche Nacht-  und Wochenend-Schichten unter besonderen Umständen verstanden hatte.

Blick in die Tesla-Produktion  in Grünheide: Elektroautos vom Typ Model Y stehen auf einem Band. 
Blick in die Tesla-Produktion  in Grünheide: Elektroautos vom Typ Model Y stehen auf einem Band.  dpa/Patrick Pleul

Ein Mitarbeiter erzählt, warum er nicht mehr für Tesla arbeitet

Doch die neue Stellenbeschreibung hätte nun Früh-, Nacht- und Wochenendschichten vorgeschrieben.  „Nach zwei Monaten haben sie meine Schicht auf ein 24/7-Dreischichtsystem umgestellt. Ich habe einen kleinen Sohn, und für uns war es schwer das Ganze zu bewältigen“, sagt der ehemalige Mitarbeiter. Er habe um Unterstützung gebeten, weil er doch für den Job von seiner Familie wegezogen sei. Doch Tesla habe darauf nicht reagiert. „Es mangelte an Empathie“ von Tesla, behauptete der Mitarbeiter. Daraufhin habe er das Werk verlassen.

Das Magazin Wired habe laut Bericht Tesla um Stellungnahme zu den Vorwürfen der Mitarbeiter gebeten, aber keinen Kommentar dazu erhalten.

Den Wired-Artikel hat man auch bei der Gewerkschaft IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen gelesen, die sich um die Anliegen der Beschäftigten im Tesla-Werk kümmert. Ihre Sorgen kennen die Gewerkschafter aus Gesprächen mit Arbeitern, die im Gewerkschaftsbüro nahe der Fabrik in Grünheide stattfinden. „Der Bericht gibt sehr gut das Arbeitsgeschehen bei Tesla wieder“, sagt IG-Metall-Sprecher Markus Sievers dem KURIER. „In der Tat ist dort die Situation sehr chaotisch, geht zu Lasten der Mitarbeiter.“

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Die Gewerkschaft IG Metall hat in der Nähe des Werkes ein Ansprechbüro für die Mitarbeiter, das sich in einem Haus am Bahnhof Fangschleuse befindet.
Die Gewerkschaft IG Metall hat in der Nähe des Werkes ein Ansprechbüro für die Mitarbeiter, das sich in einem Haus am Bahnhof Fangschleuse befindet. Imago/Thomas Bartilla

Gewerkschaft sind die Probleme bei Tesla in Grünheide bekannt

So könnten sich die Beschäftigten nicht auf bestehende Dienste verlassen, was auf Kosten des Familienlebens ginge. So mancher werde krank oder verlasse wieder das Werk. „Schichten werden geändert, Mitarbeiter müssen plötzlich für Nacht- und Wochenendschichten einspringen“, sagt Sievers.

Ein Problem sei auch die Bezahlung. Im Sommer hatte die IG Metall beanstandet, dass auf der Grundlage von Arbeitsverträgen und Stellenbeschreibungen Tesla fast 20 Prozent weniger als vergleichbare Unternehmen zahlen würde. Mittlerweile habe der US-Konzern die Löhne um sechs Prozent angehoben.

„Dennoch besteht eine Ungerechtigkeit bei den Löhnen“, sagt der Gewerkschaftssprecher. „Um Mitarbeiter zu bekommen, zahlt Tesla nun den Neuangestellten mehr Lohn, aber die, dort schon länger da sind, bekommen weniger Geld für die gleiche Arbeit.“ Das würde zur Unzufriedenheit unter dem Personal beitragen.