Alexander S. Kekulé imago/Christoph Hardt (Archivbild)

Seit einigen Tagen gibt es sie in Hamburg als sogenanntes Corona-Optionsmodell, nun greift sie ab kommendem Wochenende auch in Berlin: die 2G-Regel. In Hauptstadt-Clubs kann dann wieder ohne Abstand und Maske getanzt werden, vorausgesetzt, die Club-Gängerinnen  und -Gänger sind geimpft. Diese Regel klingt für viele plausibel, denn Geimpfte haben ein geringeres Risiko, sich anzustecken und somit andere anzustecken.

Der Virologe Alexander S. Kekulé hält sie nicht nur für falsch, sondern nennt sie nun im Focus „Unsinn“. Seine Argumente hatte er zuvor im MDR-Podcast Corona-Kompass erläutert. Kekulé weist darauf hin, dass auch eine vollständige Impfung nur zu 50 bis 70 Prozent gegen die inzwischen dominante Delta-Variante des Coronavirus schützt. Geimpfte können sich also durchaus mit Corona anstecken und die Krankheit weitertragen, auch wenn dies weniger wahrscheinlich als bei Ungeimpften ist.

Impf-Schutzwirkung gegen Corona möglicherweise inzwischen unter 50 Prozent

Tatsächlich, so Kekulé, könne der Impfschutz sogar schon unter 50 Prozent gesunken sein, dies gelte vor allem für Impfungen mit Astrazeneca, aber auch mit Biontech. Darauf deuten jüngste Studien hin. Hinzu komme, dass der Impfschutz mit der Zeit abnehme.

Ein weiteres Problem sei, dass die Impfung die Atemwege nicht ausreichend schütze, sodass im Falle von Durchbruchsinfektionen „für einen kürzeren Zeitraum ähnlich hohe Virusmengen“ nachweisbar seien wie bei ungeimpften Infizierten. Kekulé verweist auf ein Superspreading-Ereignis in den USA, bei dem 900 Personen mit Corona infiziert wurden, 80 Prozent von ihnen seien vollständig geimpft gewesen.

„Welle der Geimpften“, die „wie ein Tarnkappen-Bomber durch die Bevölkerung“ rausche

Als weiteres Argument gegen 2G führt Kekulé an, dass sich Geimpfte tendenziell unvorsichtig verhalten, eine mögliche Corona-Infektion ignorierten und sich nicht testen ließen. Kekulé spricht von einer „Welle der Geimpften“, die „wie ein Tarnkappen-Bomber durch die Bevölkerung“ rausche. Gefährdet würden dadurch auch Ungeimpfte, mit denen möglicherweise Geimpfte außerhalb von 2G-Bereichen ja auch zusammentreffen.