Die Schloss-Kuppel mit dem umstrittenen Spruch ist fertig. Am Freitag kommt das Kreuz darauf. Foto: Gerd Engelsmann

Es wiegt 17 Tonnen und es ist in der Stadt wirklich schwer umstritten. Das Kreuz, das am Freitag auf das Kuppeldach des Stadtschloss-Neubaus aufgesetzt werden soll. Für Ärger sorgt es, weil ein historisches Spruchband an der Kuppel die Unterwerfung unters Christentum fordert.

Bautechnisch dürfte es keine Probleme geben. Weht kein heftiger Wind, kann am Freitag ab 6 Uhr das Kreuz samt Aufsatz auf das Kuppeldach montiert werden. Es ist, wie der 644 Millionen Euro teure Schloss-Neubau, eine Nachbildung.

Ein Sturm der Entrüstung weht aber der Stiftung Humboldt Forum, die das Schloss betreibt, entgegen. Seit Tagen debattieren Experten darüber, warum das Kreuz auf dem Kuppeldach des Schloss-Nachbaus stehen muss. Schließlich soll das Humboldt Forum als künftiges Kultur- und Ausstellungszentrum völker- und religionsübergreifende Fragen thematisieren. Das Kreuz sei da ein Problem. Denn unter diesem christlichem Symbol wurden einst Menschen in Amerika, Asien und Afrika verfolgt, versklavt und umgebracht, so die Kritiker.

Das Kreuz war ursprünglich nicht geplant

Ursprünglich war das Kreuz in den Schloss-Wiederaufbau-Plänen gar nicht vorgesehen. Es gibt von staatlicher Seite auch kein Geld dafür. Erst die Spende einer Industriellen-Erbin brachte vor etwa zwei Jahren das Kreuz ins Spiel und macht nun den Aufbau möglich.

Problematisch wird es durch ein Spruchband, das Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. 1854 am Kuppelrand des Original-Schlosses (von der DDR 1950 gesprengt) anbringen ließ. In dem Nachbau ist es wieder zu sehen. Die Inschrift, verknüpft mit Bibelversen, verkündet: Es gebe „kein ander Heil“ für die Menschen als das „Beugen der Knie“ vor Jesus Christus. Kritiker sehen darin die Unterwerfung Andersdenkender unter das Christentum.

Wie auf dieser Computer-Visualisierung wird das Kreuz mit einem Aufsatz auf der Schloss-Kuppel zu sehen sein. Foto: Stiftung Humboldt Forum

Man sei sich der Problematik bewusst, heißt es vonseiten des Humboldt Forums. „Es versteht sich von selbst, dass wir uns von jeglichen Macht-, Alleingültigkeits- oder gar Herrschaftsansprüchen distanzieren, die man aus diesen Zeichen oder Inschriften ableiten könnte“, sagt Generalintendant Hartmut Dorgerloh.

Kreuz und Spruch sollen aber die „komplexe und nicht widerspruchsfreie“ Entstehungsgeschichte des Ortes zeigen. Dies werde man  auf Infotafeln an der Kuppel, in Broschüren und in der Ausstellung verdeutlichen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sieht in dem Kreuz eine Einladung zur Diskussion. Es stehe vor allem als Symbol für Nächstenliebe, Freiheit, Weltoffenheit und Toleranz, sagt sie.