Rio Reiser bei einem Konzert in Berlin. Bald soll in Kreuzberg ein Platz nach ihm genannt werden.
Rio Reiser bei einem Konzert in Berlin. Bald soll in Kreuzberg ein Platz nach ihm genannt werden. imago/BRIGANI-ART

Überraschung in Kreuzberg! Nach einigem Hin und Her und mehrere Widersprüchen aus der Anwohnerschaft ist nun beschlossen: Der Bezirk bekommt einen Rio-Reiser-Platz! Der Musiker, der vor fast 26 Jahren starb, wird damit im Herzen des links-alternativen Kiez SO36 gewürdigt. Die Pläne dafür gab es bereits im vergangenen Jahr, vier Widersprüche von Anwohnern wurden abgeschmettert. Und nun wird kräftig gefeiert…

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Die Pläne des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg waren im April des vergangenen Jahres im Amtsblatt veröffentlicht worden. Von Anwohnerseite gab es daraufhin vier Widersprüche. Diese wurden im Oktober allerdings als unzulässig zurückgewiesen.

Gegen die Entscheidung gab es keine Klagen beim Verwaltungsgericht

Dagegen habe es keine Klagen beim Verwaltungsgericht gegeben, heißt es. Somit ist die Ehrung von Reiser (1950-1996) durch. Die Entscheidung war umstritten, etwa weil die notorisch männerlastige Liste von Straßen und Plätzen eigentlich durch Frauennamen aufgelockert werden müsste.

2005 hatte die Bezirksverordnetenversammlung beschlossen, Straßen und Plätze nur noch nach Frauen zu benennen, bis es 50 Prozent sind. Daran hat sich der Bezirk aber auch schon bei der Umbenennung der Gabelsberger in Silvio-Meier-Straße und eines Teils der Koch- in Rudi-Dutschke-Straße nicht daran gehalten. Beim zuvor namenlosen Platz gegenüber des Jüdischen Museums griff man zu einer besonderen Variante, nannte ihn „Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz“. Fromet war die Ehefrau des jüdischen Berliner Philosophen Moses Mendelssohn.

Der Heinrichplatz in Kreuzberg soll nach Rio Reiser benannt werden.
Der Heinrichplatz in Kreuzberg soll nach Rio Reiser benannt werden. dpa/Monika Skolimowska

Der in der Szene populäre Platz an der Oranienstraße mit vielen Kneipen, Bars und Clubs heißt bisher Heinrichplatz. Er ist benannt nach Heinrich von Preußen (1781-1846), einem jüngeren Bruder des Königs Friedrich Wilhelm III. (1770-1840).

Statt seiner oll nun der selbsternannte „König von Deutschland“ gefeiert werden. Die Straßenschilder seien bereits fertig, der Bezirk erwarte am 21. August auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth, die früher für ein paar Jahre Managerin der Band „Ton Steine Scherben“ war.

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„Mit dieser Einweihung feiern wir die symbolische Rückkehr von Rio Reiser nach Hause, in einen Bezirk, in dem er jahrelang zuhause war“, sagte Roth nun zur Umbenennung des Platzes. „Rios Kreuzberger Zeit war eine kreative, aufrührerische und schwierige Zeit, politisch-künstlerisch wie persönlich. Sein privates und künstlerisches Leben war avantgardistisch in jeder Hinsicht.“

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Es sei seine politische Überzeugung gewesen, sich offen und selbstbewusst zur eigenen Homosexualität zu bekennen. „Wie kaum ein anderer Künstler in Deutschland hat er gezeigt, dass das Private politisch ist.“