Am Freitagabend wurde in Reinickendorf eine Radfahrerin getötet. Foto: Pudwell

Wieder war es ein rechts abbiegender Lkw. Am Freitagabend wurde in Reinickendorf eine Radfahrerin getötet. Laut bisherigen Ermittlungen der Polizei fuhr der 62-jährige Fahrer eines Lkw auf der Roedernallee. Als er nach rechts in die Lindauer Allee einbog, erfasste er die Fahrradfahrerin. Die Identität der Frau und der genaue Unfallhergang waren nach Angaben der Polizei am Sonntag noch nicht geklärt.

Im gesamten Jahr 2018 kamen in Berlin elf Radler ums Leben. 2019 zählte die Polizei sechs getötete Radfahrer. In diesem Jahr starben bereits 14 Radfahrer im Berliner Straßenverkehr – und das, obwohl es mehr geschützte Radwege gibt. Allein in den vergangenen Monaten richteten die Bezirke kurzfristig rund 20 Kilometer sogenannte Pop-up-Radwege ein. Sie sollen nach Vorstellung der Senatsverkehrsverwaltung den Radverkehr sicherer machen.

Grafik: Sabine Hecher, Quelle: ADFC

Die zahlreichen Radfahrunfälle stehen entgegengesetzt zum sonstigen Unfalltrend. Das Statistische Bundesamt verzeichnete im ersten Halbjahr in Deutschland einen historischen Tiefstand bei den Unfalltoten. Laut dem am Freitag veröffentlichten Zahlenwerk starben 1281 Menschen im Straßenverkehr. Das waren 13,2 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Wegen Lockdown und Homeoffice seien weniger Menschen auf den Straßen unterwegs gewesen.

Radfahrer profitieren von diesem Trend allerdings nicht, konstatiert Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Gegenüber dem KURIER nennt Brockmann zwei Gründe für die gestiegenen Zahlen der Fahrradunfälle. Zum einen seien mehr Radfahrer unterwegs. Nach Einschätzung des Unfallforschers gibt es noch eine andere Ursache: „In Berlin fördern Radfahrverbände zusammen mit dem Senat massiv die Schnelligkeit des Radverkehrs. Es gibt mehr breite Spuren und geschützte Radfahrstreifen, die für höhere Geschwindigkeit sorgen“, sagt Brockmann. „Das Problem aber sind die Kreuzungs- und Einmündungsbereiche, für die es bisher keine Lösungen gibt.“ In diesen Bereichen sei nicht die Geschwindigkeit des Kfz das Problem, sondern die Geschwindigkeit des Radfahrers. „Die Radwegeförderung sorgt nicht für mehr Sicherheit“, sagt Brockmann.

Im Juni wurde in Friedrichshain eine Radfahrerin getötet, als sie von einem Pop-up-Radweg kommend auf der Kreuzung Petersburger Straße Ecke Mühsamstraße von einem rechts abbiegenden Lkw erfasst wurde.