Die Eichhörnchen kommen oft unterkühlt, ausgehungert und krank in die Not-Station. Foto: Gerd Engelsmann

Wer Tanya Lenn (56) in ihrem Domizil in Teltow besucht, erlebt einen Spagat, wie er größer nicht sein könnte. Ein Häuschen, im Garten eine riesige Voliere, darin rund 40 Eichhörnchen. Sie hüpfen umher, sie klauen sich Nüsse von kleinen Tellern. Es ist die konzentrierte Putzigkeit. 

Drinnen, in der Küche, sitzt Lenn – und man erwartet, das sie fröhliche Geschichten über Eichhörnchen erzählt. „Aber das, was man beobachtet, ist für unsereins unglaublich schmerzvoll“, sagt sie. „Man muss es als Tierschützer verkraften, dass die Hörnchen, die man bekommt, dem Tod geweiht sind. Und das aufgrund der von Menschen gemachten Probleme.“ Der Mensch müsse begreifen, dass er die Natur schützen muss. „Wenn es so weitergeht, werden die nächsten Generationen Eichhörnchen nur noch aus Bilderbüchern kennen.“

Tanya Lenn kümmert sich liebevoll um ihre Pflege-Eichhörnchen. Foto: Gerd Engelsmann

Seit 20 Jahren betreibt Lenn, zusammen mit anderen ehrenamtlichen Helfern und unterstützt von Aktion Tier, in Teltow eine Not-Station für Eichhörnchen. Alles begann mit einem Hörnchen-Baby, das sie von einer Freundin zum Aufpäppeln bekam. „Ich wusste zuerst gar nichts über die Tiere, hatte aber eine Tierärztin, die mich unterstützte“, sagt sie. „Nach drei Tagen war ich dem Charme des Hörnchens verfallen.“ Sie lernte: Zwar sind Eichhörnchen beliebt. „Jeder meint, sie zu kennen, aber so ist es nicht.“ Sie beschloss, sich weiter mit den Tieren zu befassen, Lobbyarbeit zu leisten. „Ich sehe mich als Sprachrohr der Hörnchen.“

Man muss es als Tierschützer verkraften, dass die Hörnchen, die man bekommt, dem Tod geweiht sind. Und das aufgrund der von Menschen gemachten Probleme. Wenn es so weitergeht, werden die nächsten Generationen Eichhörnchen nur noch aus Bilderbüchern kennen.

Tanya Lenn, Tierschützerin

Im Garten entstand über die Jahre eine große Voliere. Immer wieder ziehen hier Eichhörnchen ein, die in Notsituationen geraten sind. Lenn und ihre Helfer pflegen sie gesund. „Dann kommen sie in Auswilderungsvolieren in Gärten von anderen Hörnchen-Freuden überall in Brandenburg.“ Rund 1800 Hörnchen habe sie so gerettet und wieder in die Wildnis entlassen können. Inzwischen hat sie einen Verein gegründet, die Arbeit finanziert sich über Spenden.

KURIER-Reporter Florian Thalmann auf Tuchfühlung mit einem der putzigen Hörnchen. Foto: Gerd Engelsmann

Und sie sei nötiger denn je, sagt sie. Die Tierschützerin beobachtet: Den Eichhörnchen geht es nicht gut. „Wir haben keine richtigen Winter mehr, deshalb können sie keine Winterruhe mehr halten“, sagt sie. „Aber sie brauchen sie, damit sich ihr Stoffwechsel regeneriert und sie Reserven anlegen können.“ Noch dazu werden ihre Lebensräume von den Menschen vernichtet, Bäume gefällt. Die Folge: „Die Eichhörnchen kommen nicht mehr zur Ruhe, haben keine Widerstandsfähigkeit mehr und werden leichter von Krankheiten befallen.“ So, sagt Lenn, beginne das Aussterben von Tieren.

Gerade im Frühjahr werden besonders viele hilfsbedürftige Hörnchen gefunden. Deshalb appelliert die Tierschützerin an alle, mit offenen Augen durch die Natur zu gehen. „Es kommt immer wieder vor, dass junge, verwaiste Eichhörnchen dem Menschen hinterherlaufen. Das ist ein letzter Hilferuf. Wenn dem Tier nicht geholfen wird, wird es sterben.“ Ängste seien fehl am Platz. „Eichhörnchen übertragen keine Krankheiten auf den Menschen. Wenn ein Hörnchen einem Spaziergänger folgt, dann definitiv nicht, weil es Tollwut hat!“

Auf Facebook dokumentieren Lenn und ihr Team die kleinen Besucher. Foto: www.facebook.com/EichhoernchenHilfeBerlin

Lenn rät, das Jungtier mit nach Hause zu nehmen, es in eine Box zu packen, ein kleines Nest zu bauen. „Dazu sollte eine Wärmflasche gelegt werden, denn die Hörnchen sind oft völlig ausgekühlt.“ Dann brauche das Tier Ruhe. Betroffene sollten sich bei Experten informieren, etwa bei einer Auffangstation. Informationen gibt es im Netz etwa auf den Seiten www.eichhörnchen-in-not.de oder www.eichhoernchenhilfe-berlin.de.

Erst Anfang Januar kam dieses Hörnchen in die Station.

Foto: www.facebook.com/EichhoernchenHilfeBerlin

Auch ohne akuten Notfall kann aber jeder etwas zur Rettung der Hörnchen beitragen. Etwa Wasserschalen im Freien aufstellen. „Gartenbesitzer können Haselnusssträucher pflanzen, Regentonnen abdecken oder Laubhaufen anlegen, das hilft auch Igeln.“ Falls ein Eichhörnchen sein Nest im Blumenkasten gebaut und dort Jungtiere zur Welt gebracht hat, ist das auch kein Grund zum Verzweifeln. „Es rufen Leute an, die das Hörnchen entfernt haben wollen. Bitte lassen Sie die Tiere in Ruhe. Nach sechs Wochen wird die Mutter mit ihren Kindern einen neuen Unterschlupf suchen.“ Sie hofft, dass sich noch mehr für die Hörnchen einsetzen, besser auf die Natur achten. „Denn noch gibt es die Tiere, noch könnte man das Ruder herumreißen.“