Eisbär-Star Hertha planscht vergnügt im Becken der Anlage im Tierpark Berlin. Imago

Mit Katjuschas Tod (37) zu Heiligabend verschwand der letzte Eisbär aus dem Berliner Zoo. Es gibt nur noch Tonja (12) und ihre Tochter Hertha (3) im Tierpark. Neue Eisbären, vor allem Nachwuchs, wird es wohl in naher Zukunft nicht geben. Denn wegen der Corona-Einbußen in Millionenhöhe durch fehlende Besucher-Einnahmen in den beiden Tiergärten ist für eine neue moderne und artgerechte Anlage kein Geld da. Damit liegt die Polarbär-Zucht in Berlin momentan auf Eis.

Wird Hertha der letzte süße Eisbär-Star in Berlin bleiben? Nach dem Tod von Katjuscha begannen die Überlegungen, ob man in der Hauptstadt künftig wieder mehr Eisbären zeigen will.

Nun ist die Entscheidung gefallen. Neue Nachwuchspläne hat Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem erstmal einmal nicht. Kurz- und mittelfristig stehe keine neue Zucht an, sagt er. Das ist keine endgültige Absage. Ob es mal später wieder kleine Eisbären zu bestaunen geben soll, will Knieriem nicht ausschließen.

Eisbärin Hertha (li.) und ihre Mutter Tonja verstehen sich wie zwei gute Freundinnen, sagt Tierparkchef Andreas Knieriem. dpa

Wegen Corona-Einbußen ist kein Geld für neue Eisbäranlage da 

Allerdings gibt es derzeit Probleme, die die Nachwuchspläne durchkreuzen. Wer kleine Eisbärfamilien zeigen will, braucht auch mehr Platz und dafür eine geeignete Anlage. Die im Zoo und im Tierpark seien dies nicht. Knieriem räumte ein: „Was die Eisbärenanlage angeht, da haben wir noch Nachholbedarf“.

Zoo- und Tierpark-Chef Andreas Knieriem Imago

Doch die Pläne, die Knieriem seit Jahren für den Bau einer neuen Anlage anstrebt, können nun aus finanziellen Gründen nicht realisiert werden. Die weitere Umgestaltung des Tierparks - etwa die neue Afrika-Anlage mit einem neuen Dickhäuterhaus, für die bereits Millionen geflossen sind - haben Vorrang. Oder ein neues Affenhaus, das dringend im Zoo benötigt wird. Dafür werden gerade Spenden gesammelt. „Für die Eisbären haben wir unmittelbar erstmal nicht das Geld“, sagt Knieriem.

Eisbärin Katjuscha starb am Heiligabend 2021. Die Eisbär-Anlage im Zoo ist verwaist, müsste dringend modernisiert werden. Imago

Eisbär Hertha ist die Folge einer Inzucht

Selbst wenn das Geld für eine neue Anlage da wäre, gibt es Probleme, überhaupt eine Zucht durchzuführen. Eisbärin Hertha, die am 1. Dezember 2018 im Tierpark geboren wurde, ist das Ergebnis einer unwissentlichen Inzucht. Das hatte der Tierparkchef im Mai 2021 bekanntgegeben. Nachforschungen ergaben, dass die Eltern des Publikumslieblings Geschwister sind. Der Eisbärenmutter Tonja waren nach ihrer Geburt 2009 im Zoo Moskau falsche Papiere zugeordnet worden.

Als sie sich Jahre später mit Wolodja in Berlin paarte, ahnte niemand, dass die beiden Eisbären in Wahrheit Geschwister sind. Ihre Tochter Hertha fällt damit erst einmal aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm. Dass Mutter Tonja mit einem anderen Männchen wieder zusammenkomme, sei auch laut Europäischem Erhaltungszuchtprogramm nicht ausgeschlossen, sagt  Knieriem. Tonja sei eine sehr gute Eisbärenmutter.

Eisbär Knut wurde weltweit zum Zoo-Star. 2011 starb er, wurde nur vier Jahre alt.   Imago

Zunächst aber sollen Hertha und Tonja so lange wie möglich zusammenbleiben. „Sie verstehen sich sehr gut, das sind eher Freundinnen geworden“, sagt Knieriem. „Zeigen sie aber an, sie wollen getrennte Wege gehen, dann werden wir das neu organisieren.“ Ein Fernziel sei es, zwei Anlagen für Eisbären zu haben, damit man Tiere auch trennen könne. Denn normalerweise sind erwachsene Eisbären Einzelgänger.

Die Eisbären-Zucht in Berlin war in den vergangenen Jahren auch nicht einfach. Mehrere Jungtiere von Tonja überlebten nicht - darunter der kleine Fritz, der 2017 überraschend an den Folgen einer Leberschädigung starb. Ein Publikumsliebling im Berliner Zoo war der kleine Eisbär Knut, der 2006 geboren und per Hand aufgezogen wurde. Er starb später an einer Gehirnentzündung.