Mit einer Mohrrübe wird die Patenschaft besiegelt: Gregor Gysi und sein Patenkind aus dem Zoo, Flusspferd-Dame Debby.
Foto: Blodau/Otto

Gregor Gysi ist tierisch gut drauf. Denn der Star-Politiker der Linken ist jetzt Patenonkel von außergewöhnlichen Geschöpfen geworden: von Flusspferd-Dame Debby aus dem Zoo und von einem Brüllaffen aus dem Tierpark, der auch noch Marlon-Gregor heißt. Am Montag besuchte der Politiker die Tiere.

Die Übernahme der Patenschaften – macht da Gysi schon tierischen Wahlkampf? Schließlich sind es noch drei Monate bis zu den Bundestagswahlen. Doch der Bundestagsabgeordnete nennt einen anderen Grund. „Ich bin jetzt 73 Jahre alt. Ab einem gewissen Alter interessiert man sich plötzlich für Pflanzen und Tiere“ sagt er. Außerdem wolle er mit seiner Patenschaft auch die beiden Berliner Tiergärten finanziell unterstützen.

Die Versorgung der Tiere in Zoo und Tierpark kostet täglich 140.000 Euro

Zoo, Tierpark und Aquarium geben täglich 140.000 Euro aus, unter anderem für die Verpflegung der insgesamt über 30.000  Tiere. Diese Summe aufzubringen war in der Corona-Krise schwierig, da aufgrund von Schließungen die Besucher-Einnahmen zurück gingen. Diese sind eine wichtige Einnahmequelle, um die hohen Ausgaben wieder einzuspielen.

Zusammen mit Zoo-Chef Andreas Knieriem darf Gregor Gysi zu seinem Patenkind.
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Im Zoo lernt Gysi sein erstes Patenkind kennen, die 24 Jahre alte Flusspferd-Dame Debby. Direktor Andreas Knieriem muss ihm erst einmal das Flusspferdhaus aufschließen. Denn wegen der aktuellen Pandemie-Maßnahmen sind eigentlich die Tierhäuser für Besucher noch zu. Im Innern präsentiert sich Debby im prallen Sonnenlicht an ihrem Wasserbecken. Knieriem erklärt dem Paten, dass diese Tiere vom Aussterben bedroht sind. Und erzählt, wie niedlich der Flusspferdnaschwuchs sein kann. „Wie kleine Kartoffeln mit Beinchen sehen sie aus“, sagt Knieriem. „Debby ist gerade im besten Alter und kann auch noch Nachwuchs bekommen.“

Warum Gysi nun Patenonkel für Debby wird? „Erstens, weil ich mich aus zoologischer Sicht für die Flusspferde einsetzen muss, deren Weibchen fälschlich oft als Stuten bezeichnet werden, obwohl sie keine Pferde sind. Korrekt heißt es Flusspferd-Kuh“, sagt er. Knieriem ergänzt: „Genaugenommen sind sie eher mit Schweinen verwandt.“ Der Zoo-Chef kommt schnell mit dem Politiker ins Fachsimpeln. Schließlich kennt sich Gysi als gelernter Rinderzüchter nicht nur mit den politischen Großtieren gut aus. Einer seiner Vorfahren väterlicherseits war Robert Oettel (1798-1884), der Begründer der deutschen Rassegeflügelzucht.

Der zweite Grund, warum Gysis Wahl auf Debby fiel? „Sie ist ein Zwergflusspferd und wir beide haben ein kleines Problem mit unserer Größe“, sagt er. Gysi erklärt, er sei genau „einen Meter und 64einhalb Zentimeter groß“. „Aber nur morgens nach dem Aufstehen“, scherzt er.

Schnell freundet sich Gregor Gysi mit den Roten Brüllaffen im Tierpark an.
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So gutgelaunt geht Gysi mit Knieriem zu Debby, um mit ihr Tuchfühlung aufzunehmen. Mit einem Bündel Mohrrüben schafft er es, dass Debby näher kommt und sich streicheln lässt. Angst vor Dickhäutern habe Gysi nicht. Im Wahlkampf 1998 ritt er sogar auf einem Zirkuselefanten.

Gregor Gysi mit der Paten-Urkunde für den Brüllaffen.
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Eine Stunde später ist Gysi mit Knieriem bei seinem Patenkind im Tierpark. Es ist Rotbrüllaffe Marlon-Gregor. Das Brüllen von ihm und seinen sechs Kameraden ist oft kilometerweit auf dem Areal in Friedrichsfelde zu hören. So kommunizieren diese Tiere in der freier Wildbahn, wo sie im dichten Dschungel leben. „Ich bin wohl der einzige Politiker, der es mit ihnen aufnehmen kann“, meint Gysi. Wegen ihrer roten Fellfarbe findet er diese Affen besonders sympathisch.

2500 Euro für ein Flusspferd, 500 Euro für einen Brüllaffen

Gysi soll 2500 Euro für die Flusspferd-Patenschaft und 500 Euro für den Brüllaffen gezahlt haben. Als Dankeschön erhalten die Spender eine Urkunde, eine Einladung zu den Unterstützerabenden und das Magazin Zoo-Momente. Bei Patenschaften über 1000 Euro ist für die Spender der Besuch ihres Lieblings möglich.