Der Abschied naht: Der neue Esel-Besitzer Bernhard Kindt (l.) mit Alfred und August und Klaus Hain, der sich um den Bauernhof des Tierheims kümmert. Foto: Berliner KURIER / Gerd Engelsmann

Es gibt Geschichten, die so schön sind, dass man es kaum glauben kann – diese ist eine davon: Im Juli 2019  besuchte der KURIER im Berliner Tierheim zwei spektakuläre Neuzugänge, die Esel Alfred und August. Große Tiere, naturgemäß schwierig zu vermitteln. Und nun, auf den Tag genau ein Jahr danach, fanden die beiden ein neues Zuhause. Ein unerwartetes Happy End!

Als die beiden vor einem Jahr im landeten, hatten sie wahrlich keine schöne Zeit hinter sich: Einst standen sie in einem kleinen Vogelpark in Westdeutschland, wurden dort aber stark vernachlässigt. „Als sie entdeckt wurden, waren sie nur noch Haut und Knochen, fast verhungert, sie vegetierten vor sich hin“, sagte Tierheim-Mitarbeiterin Julia Sassenberg dem KURIER. Die Esel zogen auf die Keller-Ranch, den Bauernhof eines Tierschutzvereins in Hessen, wurden dort aufgepäppelt. Aufgrund der Nähe zu Brandenburg und den damit besseren Vermittlungschancen kamen sie danach ins Berliner Tierheim.

Ein Jahr jünger: August und Alfred kurz nach ihrer Ankunft im Tierheim mit Pflegerin Denise Börst.
Foto: Berliner KURIER / Andreas Klug

Nun die große Überraschung: Nach einem Jahr meldete sich ein Interessent. Tierfreund Bernhard Kindt (70) begann schon 1995, sich bei Storkow den Traum vom eigenen Hof zu erfüllen. Er kaufte ein Landgrundstück und erweiterte es nach und nach, baut dort seitdem einen Pferdehof auf – 40 Hektar groß ist das Gelände inzwischen, neun Pferde leben dort. „Zwei Esel aus dem südlichen Harz habe ich bereits adoptiert, sie kamen aus schlechter Haltung“, erzählt er dem KURIER. „Irgendwann sagte meine Tochter, dass es im Tierheim auch zwei gibt.“

Auf in ein neues Zuhause! Bauer Klaus Hain erklärt den Eseln die Rampe zum Transporter. Foto: Berliner KURIER / Gerd Engelsmann

Er sei schon immer tierlieb gewesen, erzählt Kindt. Im Alter von 19 Jahren wanderte er sogar für einige Zeit nach Kanada aus, lebte dort auf einem Bauernhof. Nun hat er sein eigenes kleines Paradies in Brandenburg aufgebaut – und macht damit sogar noch die Esel Alfred und August glücklich. Und natürlich auch die Mitarbeiter des Tierheims. „Denn es passiert leider selten, dass wir für die Tiere von unserem Bauernhof ein schönes neues Zuhause finden“, sagt Sprecherin Annette Rost.

Dabei leisteten die Esel hier auch Gutes: Sie gehörten zu einem Projekt, das sich um tiergestützte Therapien drehte. „Wir arbeiten mit zwei Vereinen zusammen, die sich um Kinder mit Adipositas kümmern“, sagte Tierheim-Mitarbeiterin Magdalena Artowitz-Fehrmann, die das Projekt betreute, dem KURIER vor einem Jahr. Die Kinder konnten mit den Tieren arbeiten und bekamen dabei vermittelt, dass jedes Lebewesen Grenzen hat. Hinzu kam der Ansporn, draußen zu sein. Und sie konnten Vorurteile abbauen – denn wenn sie richtig mit den Eseln umgingen, waren diese gar nicht störrisch.