Lothar Lübeck (63) muss die Tiere in seinem kleinen Park jeden Tag satt bekommen – sie fressen auch, wenn er keine Einnahmen hat und keine Besucher. Foto: Gerd Engelsmann

Ausgerechnet in dem Jahr, in dem das Jubiläum des Mini-Zoos gefeiert werden sollte, droht nun das Aus: Der Vogelpark in Teltow, gleich hinter der südwestlichen Berliner Stadtgrenze, ist ein beliebtes Ausflugsziel für Berliner, vor allem für Familien. Seit 30 Jahren gibt es die Anlage, auf der Ziegen, Schafe, Alpakas und viele exotische Vögel leben. Nun aber hat die Corona-Pandemie das kleine Familienunternehmen in eine tiefe Krise gestürzt – und statt dass groß der runde Geburtstag gefeiert werden kann, müssen Spenden gesammelt werden.

Nicht nur das Januarwetter sorgt dafür, dass das Gelände des Teltower Vogelparks momentan mehr als traurig wirkt. Das Tor: geschlossen. Der Kiosk: zu. Kein Kinderlachen ist zu hören. Und hinten, aus den Volieren der Vögel, knarzt in regelmäßigen Abständen ein leises „Hallo“. Der Einzige, der den Papageien momentan antwortet, ist Park-Chef Lothar Lübeck. Seit 30 Jahren kümmert sich seine Familie um das Gelände, die Besucher, die Tiere. Doch so schwer wie jetzt war es noch nie.

Statt schöner Frühlingstage kam im März 2020 die Corona-Krise

Die Corona-Pandemie hat den Mini-Zoo, der auch für Berliner ein beliebtes Ausflugsziel ist, in eine Krise gestürzt. Für Lübeck war das Jahr ein „harter Brocken“, sagt er. „Im März kamen wir aus der Winterzeit, in der wir sowieso weniger Einnahmen haben.“ Doch statt schöner Frühlingstage herrschte Ebbe im Park, weil das Gelände geschlossen werden musste. „Das Ostergeschäft haben wir eingebüßt. Im April ging es zwar wieder los, aber dann kam ja der nächste Lockdown.“ Seit November ist nun erneut dicht. Traurig auch für die Tiere. Als die KURIER-Reporter durch den Park laufen, kommen an einem Gehege sofort zwei Esel auf Tuchfühlung. „Denen fehlt der Kontakt zu den Besuchern auch“, sagt Lübeck. „Wir können jetzt nur auf das Ostergeschäft hoffen. Aber ich glaube, so lange kann nicht alles geschlossen bleiben, das verkraftet die Wirtschaft nicht.“

Auch die Alpakas merken, dass im Moment keine Besucher in den Park kommen. Foto: Gerd Engelsmann

Der Vogelpark kam durch die Situation ans Limit. Ziegen, Esel, Vögel, Schafe, Pferde – 200 Tiere leben auf dem 10.000 Quadratmeter großen Gelände, wollen versorgt werden. Außerdem müssen vier Mitarbeiter und die Betriebskosten bezahlt werden. Der Park ist eine erschwingliche Anlaufstelle die Berliner, die Eintrittspreise liegen zwischen 2,5o und 3,50 Euro.

„Ich wollte schließen“, sagt Lübeck. „Einfach sang- und klanglos alles abwickeln, die Tiere vermitteln. Ich bin 63, das geht an die Nerven.“ Das Leben mit dem Park sei sowieso ein Kampf. „Im Sommer, wenn es heiß ist, kommen weniger Leute, weil alle an den See gehen. Ich kann das verstehen. Aber es ist anstrengend, wenn man jeden Monat kämpft.“ Aber so richtig glauben will man Lübeck dann doch nicht, wenn er sagt, er habe den Park schließen wollen. „Das Herz hängt ja nach den vielen Jahren auch dran“, sagt er.

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Lübecks Vater übernahm das Grundstück, auf dem es vorher nur Schafs- und Ziegen-Koppeln gab, im Jahr 1988. In Zusammenarbeit mit der Stadt wurde es geöffnet. Immer mehr Tiere zogen ein, Volieren und Gehege wurden gebaut, so wurde das Areal bis 2009 immer wieder erweitert. Dann verunglückte der Vater schwer. Lübeck, damals mit seiner Frau in Schweden, kam zurück und übernahm die Geschäfte. Seine Mutter arbeitet noch heute im Park mit. „Das hier ist ihr Lebenswerk“, sagt er.

Spielzeugautos und Ponys bleiben momentan allein. Foto: Gerd Engelsmann

Unterstützung für die Anlage gab es in der Corona-Zeit kaum. 5000 Euro als erste Soforthilfe, danach war Schluss. Die Novemberhilfe, die Lübeck zweimal beantragen musste, weil der erste Versuch abgelehnt wurde, ist noch immer in Bearbeitung. Inzwischen hat der Park-Chef aber wieder Hoffnung schöpfen können: Nachdem unter anderem „HauptstadtTV“ über sein Schicksal berichtete, wurde er von einer Spenden-Welle überrascht. „Eine Versicherung half, auch Firmen, die selbst vor dem Ruin stehen. Immer wieder kommen Futterangebote für die Tiere“, sagt er.  Das sei toll, aber auch knifflig. „Wir müssen die Hilfsbereitschaft koordinieren, denn es bringt uns nichts, wenn wir plötzlich drei Zentner Möhren hier stehen haben, die verarbeitet werden müssen.“

Viele exotische Vögel leben im Park, darunter diese Allfarbloris. Foto: Gerd Engelsmann

Auch Geldspenden sind nötig, da auch Spezialfutter gekauft werden muss, etwa für Affen und Papageien. „Es kamen sogar Kinder vorbei, die Briefe mit ihrem Taschengeld brachten. Ich bin so dankbar für all das.“ Nun zahle sich aus, dass der Park immer für die Leute da war und früher auch geöffnet habe, wenn nur wenige Leute kamen. „Auch wenn dann die Ausgaben oft höher waren.“ Und die Eintrittspreise blieben erschwinglich auch für größere Familien. „Und man lässt auch mal zwei Kinder so durch, wenn das Geld zu knapp ist.“ Denn seine Besucher glücklich zu sehen, sei ein besserer Dank als Geld, sagt Lübeck.

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Die Krise ist noch nicht bewältigt, aber vielleicht geht dank der Hilfsbereitschaft alles gut. Auch wenn es Lübeck eigentlich unangenehm ist, so viel Unterstützung zu bekommen. „Weil ich den Menschen, die uns helfen, momentan nichts zurückgeben kann“, sagt er. Doch vielleicht kann er es bald: Wenn es wieder geht, wird das 30-Jahre-Jubiläum nachgeholt. „Man kann nicht alles zurückgeben. Aber dann können wir zeigen, wie sehr wir die Unterstützung wertschätzen“, sagt er.