Herbert Köfer und Brigitte Grothum: 2005 spielten sie in dem TV-Film Bettgeflüster und Babyglück ein Ehepaar, das sich scheiden lassen will. Foto: Sat.1

Er wurde 100 Jahre alt, stand 80 Jahre auf der Bühne: Herbert Köfer, der in über 300 Theater-, Fernseh- und Kinorollen Millionen von Menschen begeisterte. In ihren Herzen wird er für immer der TV-Rentner sein, der niemals Zeit hatte. Im KURIER erzählen jetzt Berliner in einer Serie ihre persönlichen Erinnerungen an den beliebten Volksschauspieler, der am vergangenen Sonnabend starb. Heute: Brigitte Grothum (86).

Sie, der Theater- und TV-Star aus dem Westen Berlins, und er, der Theater- und TV-Star aus dem Ostteil: Es war 1989, kurz nach dem Mauerfall, als sich Brigitte Grothum und Herbert Köfer persönlich begegneten. „Es war im Hansa-Theater zu den Proben für das Stück ,Rosen-Emil‘, für das Herbert engagiert wurde und in dem auch ich mitspielte. Er war der erste Künstler aus dem Osten, den ich nach dem Mauerfall traf. Und für ihn war ich die erste Wessi-Braut“, sagt Grothum im KURIER-Gespräch und lacht.

Sie erinnert sich noch genau, wie sie und Herbert sich nach den Proben lachend und weinend in den Armen lagen. „Wir waren uns auf Anhieb sympathisch, als hätten wir uns schon seit Ewigkeiten gekannt“, sagt Grothum. „Es war so, als würde man sich nach langen Jahren der Trennung endlich wiedersehen.“

Brigitte Grothum: „Herbert Köfer war trotz seines hohen Alters sexy“

Die beiden Stars waren sich nicht völlig fremd. „Man kannte sich aus der Ferne. Wir Schauspieler aus dem Westen haben ja auch Ostfernsehen geschaut“, sagt Grothum. „Und ich wusste, dass Herbert in der DDR eine Institution war. Umgekehrt wusste Herbert auch von mir, hatte bestimmt auch die ARD-Serie ,Drei Damen vom Grill‘ gesehen, in der Brigitte Mira, Gabriele Schramm und ich die Hauptrollen spielte. Nur fehlte uns wegen der jahrzehntelangen Teilung des Landes der persönliche Kontakt.“

Das „Jedermann“-Ensemble von 2008: Es war das erste Jahr, in dem Herbert Köfer bei den Festspielen mitmachte. Neben ihm sind Mariella Ahrens, Winfried Glatzeder, Brigitte Grothum und  Peter Sattmann. Foto: imago

Wenn Brigitte Grothum über Herbert Köfer spricht, gerät sie regelrecht ins Schwärmen. „Herbert war ein richtiger Herr mit hoher Qualität. Wenn er Späße machte, wurde er nie zotig wie andere Männer“, sagt sie. „Er war galant. Das blieb die ganzen Jahre so. Und wenn Herbert Köfer verschmitzt  seinen Augenbrauen hochzog, konnten so manche Frauen bestimmt schwach werden. Herbert war trotz seines hohen Alters sexy.“

Herbert Köfer brillierte als armer Nachbar im „Jedermann“ im Berliner Dom. Insgesamt sieben Jahre war er dabei. Foto: dpa

Nach dem „Rosen-Emil“ standen Grothum und Köfer 1997 wieder gemeinsam auf der Bühne. In dem Stück „Guten Tag, Herr Liebhaber!“, das der legendäre Berliner Theaterautor Horst Pillau („Das Fenster zum Flur“) schrieb, der Anfang Juni starb. „Mit dem Stück gingen wir auch auf Tour“, sagt Grothum. „Dabei kamen Herbert und ich oft über Ost und West ins Gespräch, reden über die jeweiligen Sichtweisen des anderen. Dabei haben wir viel voneinander gelernt.“

Für Brigitte Grothum waren und sind die Künstler aus der DDR ein Gewinn für den gesamtdeutschen Kulturbetrieb. „Daher habe ich auch später bei meinen Jedermann-Festspielen darauf geachtet, dass ich ein gemischtes Ensemble aus Künstlern aus Ost und West hatte“, sagt sie. Und Herbert Köfer gehörte ab 2008 fest zu den Berliner Jedermann-Festspielen und bis zu ihrem Ende 2014 dazu.

Brigitte Grothum: „Herbert Köfer war ein Muster in puncto Disziplin“

„Herbert war als Schauspieler ein Muster in puncto Disziplin“, sagt Grothum. „Er war stets pünktlich, war der Erste, der zu den Proben kam, und der Letzte, der ging. Textsicher war er. Herbert brannte völlig für das Stück. Er war ein großes Beispiel für andere. Von seinem schauspielerischen Können und seiner Disziplin hätten sich so manche Kollegen eine Scheibe abschneiden können.“

Köfer spielte im „Jedermann“ zwei Rollen: den armen Nachbarn und einen Betrunkenen in der Tischgesellschaft. „Herbert hätte jedes Jahr diese Rollen gleich spielen können“, sagt die einstige Festspiel-Chefin Grothum. „Doch er tat es nicht. Herbert versuchte immer, etwas Neues in sein Spiel hinein zu bringen. Mit voller Pulle ging es bei ihm immer los, etwas Anderes zu wagen. Wir alle hatten furchtbar viel Spaß, wenn er bei den Proben den Betrunkenen spielte und dabei etwas Neues ausprobierte.“

Herbert Köfer macht 2001 mit seinen Kolleginnen Dagmar Biener, Brigitte Grothum und Gundula Petrovska Werbung für die Komödie „Fisch zu viert“, die im Berliner Hansa-Theater gezeigt wurde. Foto: dpa

Es gab aber auch andere Seiten. „Wenn Herbert etwas nicht passte, zeigte er es auch. Dabei konnte er auch böse werden“, erinnert sich Grothum. „Eines Tages hatte er einen jungen Kollegen zusammengestaucht, weil dieser bei den Proben bei der Tischgesellschaft auf seinem Platz saß. Am Tag danach stand Herbert vor dem versammelten Ensemble und entschuldigte sich bei dem jungen Kollegen. Köfer war eben ein Profi.“

2008 Pressekonferenz für „Jedermann“: „Herbert gehörte zu den Kollegen, die auch stets hinter der Bühne im Einsatz waren und Werbung für die Aufführungen machte,“ sagt die damalige Festspielleiterin Brigitte Grothum.  Und dabei hatte man auch viel Spaß, wie hier zu sehen ist.  Foto: imago

2005 standen Köfer und Grothum für den TV-Film „Bettgeflüster und Babyglück“ (Sat.1) vor der Kamera, in dem sie ein Ehepaar spielten, das sich gerade scheiden lassen will. Es ist grandios anzusehen, wie Herbert vor dem Anwalt seine Film-Ehefrau umgarnt, bei ihm zu bleiben. Mit den Worten: „Mit wem willst du dich dann noch streiten.“ Einfach köstlich. „Herbert war ein richtig guter Schauspieler“, sagt Grothum.

Nach dem Jedermann-Ende gab es noch eine weitere Zusammenarbeit zwischen Grothum und Köfer.  „2017 nahmen wir im Wirtshaus Moorlake das Theaterstück ,Mein Freund Harvey‘ als Live-Hörspiel auf. Keiner ahnte, dass es unsere letzte gemeinsame Arbeit werden sollte“, sagt die Schauspielerin. Grothum trauert um ihren toten Kollegen. „Aber nach so einem arbeitsreichen Leben ist es auch sein gutes Recht, dass er nun  seine Ruhe hat.“