Maik Klokow ist der Geschäftsführer der Firma Mehr-BB Entertainment. Zum Unternehmen gehört auch das Theater von „Starlight Express“ in Bochum.
Foto: zVg/STEX Mehr-BB Entertainment

Berlins Privattheater schauen noch immer in eine ungewisse Zukunft – angesichts der Corona-Krise ist unklar, wann endlich wieder vor vollen Zuschauerräumen gespielt werden kann. Davon betroffen ist auch der Admiralspalast in Mitte. Im KURIER-Interview erzählt Maik Klokow, Chef der Firma Mehr-BB Entertainment, wie schwer die Krise das Unterhaltungs-Unternehmen trifft.

„Ich hatte in den vergangenen Wochen schon einige schlaflose Nächte – denn die Corona-Krise ist eine Krise in einem Ausmaß, wie wir es noch nicht erlebt haben“, sagt Klokow dem KURIER. „Wir fühlen uns, wie auch viele andere Privattheater in ganz Deutschland, im Stich gelassen.“ Nicht nur der Admiralspalast in Mitte gehört zu dem Unterhaltungskonzern, sondern auch Spielstätten in ganz Deutschland: Das Capitol in Düsseldorf, „Starlight Express“ in Bochum und das Hamburger Großmarkt-Theater, in dem im März eigentlich „Harry Potter und das verwunschene Kind“ Premiere feiern sollte. Riesige Häuser, derzeit verwaist.

Als die Schließung angeordnet wurde, drehte sich alles um „Harry Potter“. „Wir waren mit rund 300.000 verkauften Tickets auf Erfolgskurs, als uns gesagt wurde, dass Veranstaltungen nur mit maximal 1000 Besuchern möglich sind.“ Knapp 1700 passen in das Haus, das für die Show umgebaut wurde. „Die Kosten für die Produktion belaufen sich auf 42 Millionen Euro – ein Spielbetrieb ohne volle Auslastung ist wirtschaftlich unmöglich“, sagt Klokow. Die Folgen: Eine verlegte Premiere, 90 Prozent der Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt. „Zehn Prozent kümmern sich um die Rückabwicklung der Tickets.“ Ein riesiger Aufwand, auch für ein Haus wie den Admiralspalast. „Hier arbeiten wir mit 150 Veranstaltern zusammen, die mit ihren Shows das Programm gestalten. Das ist logistisch eine große Herausforderung. Eine enorme Stresssituation für alle Beteiligten.“

Seit Beginn der Corona-Krise steht auch der Admiralspalast in Mitte leer. Foto: imago images / Schöning

Auch finanziell ist die Krise ein herber Einschnitt. 500.000 Tickets sind betroffen, die Verluste bis Oktober liegen bei 35 Mio. Euro. Klokow: „Eine gigantische Zahl, die jeden Tag größer wird.“ Unterstützung vom Staat gab es nicht. „Alle Hilfen, die angeboten wurden, kamen für uns nicht infrage – weil wir zu groß oder zu klein waren.“ Und dabei stehen weitere finanzielle Sprünge an. Etwa, weil es Geld kosten wird, die Theater coronasicher zu machen. 

Auch bei Mehr-BB gibt es Pläne. In die Lüftungsanlagen werden  Filter eingebaut, die Reinigungs-Zyklen werden erhöht, die Kontaktdaten der Besucher erfasst. „Und wenn eine Maskenpflicht besteht, halten wir Masken vor“, sagt Klokow. „Nicht infrage kommt, dass wir die Stücke abändern. Und wir können auch nicht vor halbvollen Sälen spielen.“ Beispiel „Harry Potter“: Sobald die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit geholt werden, weil die Proben starten, müssen sie voll bezahlt werden. Und das Marketing-Budget in Höhe von fünf Mio. Euro muss erneut ausgegeben werden. „Wenn ich dann nur die Hälfte der Tickets verkaufe, ist die Produktion nicht mehr wirtschaftlich.“

Vor allem die Politik ist nun gefordert. „Die Abstimmung aller Maßnahmen muss von den Menschen kommen, die wirklich in dem Bereich arbeiten“, sagt Klokow. Man brauche eine Experten-Kommission - und Anerkennung für die Wichtigkeit des Privattheaters. Klokow bringt ein Beispiel: Er habe ein Schreiben der Stadt Düsseldorf bekommen, in dem er um Nennung der Schadenshöhe für das Theater „Capitol“ gebeten wurde. „Später wurde mitgeteilt, dass wir für das Theater keine Unterstützung bekommen, weil es ein Privattheater ist. Das größte Theater der Stadt bekommt keinerlei Hilfe. Das ist doch ein Witz!“

Im März sollte das Stück „Harry Potter und das verwunschene Kind“ in Hamburg Premiere feiern. Foto: Manuel Harlan/Premier PR/dpa

Zudem gebe es Menschen, die sage, Kultur und Unterhaltung seien nicht systemrelevant. „Das ist Unsinn. Wir sind der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält, sind zuständig für Unterhaltung und Weiterbildung“, sagt Klokow. „Wenn das in den hohen politischen Ebenen nicht endlich verstanden wird, geht etwas zu Bruch, was erhaltenswert ist: Eine Theaterlandschaft, die so reichhaltig und vielfältig ist wie in keinem anderen Land.“

Leid tut es ihm auch um die Künstler, die ihre Talente nicht zeigen können. „Sie sind dafür geboren, andere zu unterhalten – und diese Begabung müssen sie jetzt verkümmern lassen“, sagt er. Außerdem vermisse er es, in einem Saal mit 1600 anderen zu sitzen und eine Vorstellung zu sehen. „Die Faszination dafür, den Menschen diese Dinge zu zeigen, hat mich immer angetrieben. Ich hoffe, dass wir das bald wieder erleben können.“